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"HoGeSa" in Hannover: Hass hinter Sperrgittern

Von , Hannover

"HoGeSa"-Demo in Hannover: Gelangweilt und aggressiv Fotos
DPA

Fast 3000 Demonstranten haben in Hannover als "Hooligans gegen Salafisten" demonstiert. Heftige Krawalle blieben aus, weil die Polizei mit einem Großaufgebot im Einsatz war. Dennoch zeigte sich, wie aggressiv die Bewegung ist.

Sascha P. liebt die Gewalt, sein Irokese, sein breites Kreuz und die Tätowierungen in seinem Gesicht lassen Sascha P. auch äußerlich gefährlich erscheinen. Bei Facebook nennt er sich "Sascha Heil", er gehört zu der Hooligan-Combo "Pforzheimer Berserker". Es gibt liebenswürdigere Menschen.

Als Sascha P. um 14.15 Uhr in ein Megafon spricht, überschlägt sich seine Stimme. Mit badischen Dialekt fleht er seine Mitstreiter aus der Gruppe "Hooligans gegen Salafisten" (HoGeSa) an, "friedlich zu bleiben".

Es scheint für P. die einzige Chance zu sein, die Demonstration in Hannover vor einer Eskalation zu bewahren. Zu diesem Zeitpunkt stehen rund tausend Hooligans am Rand des Zentralen Omnibusbahnhofs (ZOB), einige von ihnen tragen Quarzhandschuhe und Mundschutz. Sie wollen losstürmen, ihr Ziel ist eine antifaschistische Demonstration, die sich in Hörweite befindet und von deren Sprechchören die HoGeSa-Mitglieder sich provoziert fühlen.

Die Zündschnur der rechtsextremen Hooligans scheint immens kurz zu sein. Nur die enorme Präsenz der Polizei - neben rund 5000 Beamten standen auch Räumfahrzeuge und Wasserwerfer bereit - verhinderte, dass die beiden Gruppen aufeinander trafen.

Die HoGeSa-Bewegung machte vor knapp drei Wochen zum ersten Mal überregional auf sich aufmerksam. In Köln randalierten rund 5000 rechtsextreme Hooligans. Politik und Polizei rätselten anschließend darüber, wie so etwas passieren konnte.

In Hannover gelang der HoGeSa-Bewegung eine Provokation wie in Köln nicht noch einmal. Zum einen kamen diesmal nur knapp 3000 Anhänger zur Kundgebung, zum anderen war die Polizei bestens auf die Gruppe vorbereitet. Zudem bemühten sich die Veranstalter diesmal tatsächlich deutlich mehr darum, die Demonstration ohne Krawalle ablaufen zu lassen.

Der Moderator der Veranstaltung, ein Mann mit Sonnenbrille und einem Dynamo-Dresden-Trainingsanzug, warnte die Menge: "Wenn wir hier heute Gewalt ausüben, wird es in Zukunft nicht mehr möglich sein, weitere Veranstaltungen anzumelden." Nach den Köln-Ausschreitungen wurde darüber diskutiert, ob es ein Demonstrationsverbot für die Gruppe geben könnte.

"Klar, viele von uns sind keine einfachen Jungs. Auf dem Platz stehen sicherlich 5000 Jahre Zuchthaus", sagte einer der Sprecher der HoGeSa. Die Gruppe setzte sich auch diesmal hauptsächlich aus Hooligans und einschlägig bekannten Rechtsextremen zusammen. Daneben waren aber auch etliche jüngere Menschen zu sehen, viele davon waren aus Ostdeutschland angereist.

Ein völlig chaotischer, inhaltsleerer Nachmittag

Die Gruppe stand auf dem komplett mit Sperrgittern umzäunten ZOB. Draußen postierten sich Schaulustige, die dem Treiben zuschauten, wie es sonst Besucher im Zoo tun. Die HoGeSa-Verantwortlichen hatten einen Lastwagen gemietet, der ihnen als Bühne diente. Dort durften die unterschiedlichsten Figuren Reden halten. Ein Hooligan von Lokomotive Leipzig warnte vor der "Überfremdung unserer Städte", eine Berliner Band sang "vereinigt euch und Zion fällt", ein Münchner Lokalpolitiker schwenkte einen Koran umher, während die Menge "anzünden, anzünden" johlte. Zwischendurch fiel immer wieder die Technik aus, die Mikrofone verzerrten die Stimmen der Redner oder setzten ganz aus. Ein chaotischer, inhaltsleerer Nachmittag.

HoGeSa hat auch bei dieser Kundgebung gezeigt, dass die Gruppe keine klaren Ziele hat. Der vermeintliche Kampf gegen Salafismus ist ein Vorwand, um die eigene Wut auf die Straße zu bekommen. Bei der Gruppe handelt es sich um eine zusammengewürfelte Protestbewegung von größtenteils gesellschaftlich abgehängten Männern, die für ihre Perspektivlosigkeit andere verantwortlich machen.

So verwunderte es nicht, dass die HoGeSa-Verantwortlichen um 14.46 Uhr die Kundgebung auflösten. Sie hätten noch weitere 75 Minuten demonstrieren dürfen. Aber zum einen gingen ihnen die Redner aus, zum anderen schien die aufgeheizte Stimmung nicht mehr kontrollierbar zu sein. Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis die Absperrungen der Polizei durchbrochen worden wären. Selbst die von der HoGeSa eingesetzten Ordner, die zwischenzeitlich ihre eigenen Mitstreiter mit einer Menschenkette einkesselten, wirkten überfordert.

Sascha P. stand auch noch Minuten nach Ende der Demonstration auf seiner Erhöhung und bettelte in das Megafon um einen "friedlichen Abgang". Als er merkte, dass all das Bitten kaum Erfolg hat, sagte er: "Spart euch eure Kraft für die Rückfahrt. Da könnt ihr euch austoben."

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insgesamt 41 Beiträge
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1. Gewalt ist keine Lösung...
paddy1976 15.11.2014
Endlich mal Menschen die ihre Meinungsfreiheit in einer Demokratie nutzen. Danke. Aber bitte weniger Gewalt :) weil Menschen welche ohne Verstand töten(salafisten) kann man mit berstand nicht beikommen.
2. Alte Feindbilder
rexhipeden 15.11.2014
Zurzeit wagen es nur Migranten, die Gefahr Salafismus zu erkennen. So Sevrin Dagdelen bei Illner ("Staat versagt") oder die Soziologieprofessorin Elham Manea in der Rundschau des SF ("Faschismus, nur besser akzeptiert, weil der ideologische nicht vom religiösen Islam unterschieden wird"). Hier den Hooligans Perspektivlosigkeit vorzuwerfen, zeigt, wie fest die Medien zurzeit noch im alten Feindbild des "ungebildeten Rechtsextremen" haften bleiben.
3. Meine Meinung
friemel2000 15.11.2014
Wenn man das so liest, dann lief es ja friedlich ab. Sehr gut. Jetzt aber mal ehrlich. Die Polizei war auch nicht Herr der Lage. Die hatten Glück, dass die Hools nicht ausgeflippt sind. Wenn doch, wären die diesesmal auch wieder überrant worden. Und zu den Linken Krawallmacher, in Rufweite, hätte man dann sagen können...die da laufen, ausser Sichtweite. Das nächste was ich mal anmerken muss: Wenn ihr von "rechtsextremen Hooligans" schreibt, wieviele davon waren vom Verfassungsschutz? Das Thema ist noch offen. Ich gehe eigentlich nicht auf Demos. Aber wenn die immer friedlich blieben, laufe ich das nächste mal auch mit. Und wenn das gegen unsere Regierung geht, werde ich inklusive Famile und mit Freunden mit laufen.
4. Die Aufgabe des Journalismus...
retterdernation 15.11.2014
ist doch nicht nur die Beschreibung von Situationen und ihre Aufarbeitung, sondern doch auch das Aufzeigen von Alternativen. Alternativlos hat man zum Beispiel damals die NSU ungebührend Schergen alleingelassen! Ausgegrenzt und gesellschaftlich entsorgt. Das Ergebnis kennen wir alle! Will man den gleichen Fehler wieder machen?? Einbinden - statt verstoßen - bringt da mehr. Auch wenn das vielleicht Idioten sind - sind es doch auch Menschen!
5. Wie wäre es mal mit mehr Details
stagama1 15.11.2014
Es steht außer Frage, dass diese Leute aufgrund Ihres Hintergrundes keinerlei Chancen haben irgendetwas zu erreichen, aber warum schreibt der Spiegel zumindest nicht die Wahrheit. Bei den Mitbewerbern von SPON steht zu lesen, dass Linksautonome einen Polizeiwagen angegriffen haben und einen Hooligan verprügelten. Kein Wort bei SPON. Nach der Köln Demo wurde über Gesetzesänderungen diskutiert, weil es bedauerlicherweise zu Randalen gekommen ist. Jedes Jahr, am 1. Mai nehmen Linksautonome die Innenstädte von Bremen, Hamburg und Berlin auseinander und verletzen dutzende Polizisten. Das schon seit Jahren. Warum höre ich hier nie etwas über strengere Gesetze und Verboten der Politik und in den Medien? Der Münchener Lokalpolitiker mit dem Koran war, wenn ich nicht irre, Michael Stürzenberger. Man kann kann von dem Mann halten was man will, aber ich vermute, das seine Rede kein dumpfes Hooligan Gegröle war. Die Mainstream Medien müssen mittlerweile ganz schönen Respekt haben vor diesen Leuten.
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"HoGeSa" in Hannover: Demo unter strengen Auflagen


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