Hohmann-Affäre Ex-General Günzel sieht seinen Rauswurf als Exorzismus

Der im Anschluss an die Hohmann-Affäre gefeuerte KSK-General Reinhard Günzel hat der Rechtsaußen-Postille "Junge Freiheit" ein langes Interview gegeben. Darin wirft er Verteidigungsminister Peter Struck totalitäre Methoden vor und beschwört deutsches Soldatentum.


Ex-General Günzel: Rechte als Landesverräter?
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Ex-General Günzel: Rechte als Landesverräter?

Der Brigadegeneral und Kommandeur der Elitetruppe "Kommando Spezialkräfte" (KSK) war am 4. November vergangenen Jahres von Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) in den Ruhestand versetzt worden, nachdem das ZDF ein Brief Günzels an den CDU-Bundestagsabgeordneten Martin Hohmann bekannt gemacht hatte. Darin hatte der Offizier seine Unterstützung für Hohmann zum Ausdruck gebracht, der wegen einer weithin als antisemitisch empfundenen Rede zum 3. Oktober in die Kritik geraten war. Hohmann wurde Mitte November von der CDU-Bundestagsfraktion ausgeschlossen.

Mit seiner Unterstützung für Hohmann habe er ein Tabu der bundesdeutschen Gesellschaft verletzt und sei dafür abgestraft worden, deutet Günzel in dem "Junge Freiheit"-Interview seinen Rauswurf: "Wer an ein Tabu rührt, muss vernichtet werden." Dahinter stehe der Versuch, "das konservative Lager auszugrenzen, möglichst auszumerzen". Inzwischen würden "eben die 'Rechten' als Landesverräter gelten, so wie zu Adenauers Zeiten die 'Linken'".

Seine Entlassung, so der 59-Jährige, sei als "Exorzismus systematisch inszeniert" worden. Das Vorgehen von Verteidigungsminister Struck, der den General auf einer Pressekonferenz öffentlich als "verwirrt" bezeichnet und ohne ausführliche Anhörung entlassen hatte, habe ihn "an die Methoden der kommunistischen Herrschaft in Osteuropa" erinnert. Auch dort seien Andersdenkende "mitunter als geisteskrank" qualifiziert worden.

Dass er von ehemaligen Bundeswehr-Kameraden inzwischen gemieden werde, schreibt Günzel einem "System der Einschüchterung" in den Streitkräften zu. Im Offizierskorps gebe es "immer tausend gute Gründe, warum es besser ist, den Mund zu halten - so war das auch schon in der Zeit des Nationalsozialismus". Das Leitbild des "Staatsbürgers in Uniform" erziehe die Soldaten "mehrheitlich zu devoten Erfüllungsgehilfen" der Politik, nicht zu mündigen Bürgern. Der geschasste KSK-Kommandeur beklagt das "Einsickern des Politischen in die Armee", welches "eigentlich nur aus der Zeit des Nationalsozialismus" bekannt sei. "Delikat" und "pure Heuchelei" nennt Günzel, dass "ausgerechnet die Bundeswehr, die als einzige Wehrmachtstradition den 20. Juli gelten lässt, mit eiserner Faust zuschlägt, wenn der Primat der Politik auch nur im Ansatz angekratzt wird".

Es sei "alles getan worden, um zu verhindern, dass die Bundeswehr eine Armee wie jede andere wird" und sich "auch wieder in den nationalen Traditionen sieht". Dies hätte für Günzel bedingt, "bei der Wehrmacht anzuschließen". Eine Armee, die sich "nicht aus nationalen Wurzeln speist", sei "eine unglückliche Konstruktion". Rhetorisch stellt der Ex-General die Frage: "Wenn man aber weder patriotisch noch soldatisch sein darf, was bleibt dann noch übrig?" Dass die Bundeswehr die Auslandseinsätze trotz allem gut bewältigt, führt Günzel unter anderem auf einen "immer noch gewissen soldatischen Kern in unserem Lande" zurück.

Die Hohmann-Affäre bezeichnet er als eine "beispiellose Hexenjagd"; von Hohmanns Partei ist er enttäuscht, "weil ich die CDU bisher immer noch als 'auf unserer Seite stehend' betrachtet habe". Die Union habe aber "aus Angst vor der Antisemitismus-Keule" gehandelt.



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