Hohmann-Verfahren Nur 41 Prozent für Parteiausschluss

Einer Umfrage zufolge sind nur 41 Prozent der Deutschen für einen Parteiausschluss des CDU-Bundestagsabgeordneten Hohmann wegen dessen antisemitischer Aussagen. Gegen den von der Parteiführung geplanten Ausschluss regt sich auch innerhalb der Union Unmut.




Hamburg - Eine vom Hamburger Magazin "Stern" bei Forsa in Auftrag gegebene Umfrage hat ergeben, dass die antisemitischen Äußerungen des hessischen Abgeordneten Martin Hohmann für nur 41 Prozent der Menschen in Deutschland ein Grund für einen Parteiausschluss darstellen. Ebenfalls 41 Prozent sind der Auffassung, er solle in der CDU bleiben. 18 Prozent der 1006 Befragten hatten dazu keine Meinung. Den Antrag auf Fraktionsausschluss befürworten 43 Prozent, 38 Prozent wollen Hohmann weiter in den Reihen der CDU/CSU-Fraktion sehen.

Derweil gibt es erste Stimmen in der Union, die den geplanten Ausschluss Hohmanns kritisieren. Der CSU-Politiker Norbert Geis sagte gegenüber dem Bayerischen Rundfunk: "Ich halte die Entscheidung für einen menschlichen Fehler." Hohmanns Rede sei falsch verstanden worden.

"Man muss den Text im Zusammenhang sehen, und wenn man ihn im Zusammenhang liest, dann kann man nicht zu dem Ergebnis kommen, Hohmann sei Antisemit", zitierte der Sender Geis. Hohmanns Rede sei keine gute Rede gewesen und habe zu Missverständnissen Anlass gegeben. Eine abschließende Beurteilung stehe jedoch noch aus. "Die Entscheidung über diese Rede ist noch nicht getroffen (...)", sagte Geis.

Der 55-jährige Jurist und frühere Bundeskriminalbeamte Hohmann hatte in seiner vor knapp zwei Wochen der breiten Öffentlichkeit bekannt gewordenen Rede zum 3. Oktober unter anderem die Frage aufgeworfen, ob die Juden wegen ihrer Rolle in der russischen Oktober-Revolution von 1917 als "Tätervolk" bezeichnet werden dürften. Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel hatte am Montag den Antrag gestellt, Hohmann aus der Fraktion auszuschließen. Auch aus der Partei soll Hohmann ausgeschlossen werden.

Hohmann hatte nach Angaben von Teilnehmern während einer Anhörung in der Fraktion am Dienstag seine Rede verteidigt und eine eindeutige Distanzierung erneut abgelehnt. Hohmann hat nach eigenen Angaben eine Reihe von Schreiben erhalten, die ihn in seiner Haltung unterstützen. Auf der Internet-Seite der CDU hatte es an den Ausschluss-Plänen sowohl Lob als auch Kritik Kritik gegeben.



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