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Holger Apfel: Ex-NPD-Chef eröffnet Lokal auf Mallorca

Im Winter wurde NPD-Chef Holger Apfel zum Rücktritt gezwungen. Jetzt hat der Rechtsextreme ein Lokal auf Mallorca eröffnet und sagt: "Auch Linke oder Menschen anderer Nationalitäten sind willkommen."

Holger Apfel auf Mallorca: Zweite Karriere eines Rechtsextremen Zur Großansicht
Schuster/ Mallorca Zeitung

Holger Apfel auf Mallorca: Zweite Karriere eines Rechtsextremen

Hamburg/Palma de Mallorca - Der frühere Parteichef der rechtsextremen NPD startet eine zweite Karriere als Gastronom auf Mallorca. Holger Apfel, der im Winter aus seinem Amt als Vorsitzender gedrängt wurde, betreibt seit einer Woche ein Lokal am Strand von Palma.

Die Kollegen der deutschsprachigen "Mallorca Zeitung" haben den langjährigen NPD-Mann in seinem Lokal besucht und ihn mit einem Tablett in der Hand fotografiert.

Apfel hatte im Dezember den Vorsitz der rechtsextremen NPD inmitten einer Schlammschlacht hingeschmissen. Es wurden Gerüchte gestreut, es habe einen homosexuellen Übergriff des Parteichefs auf einen "jungen Kameraden" gegeben. Jetzt betreibt Apfel gemeinsam mit seiner Frau das Lokal "Maravillas Stube - Restaurant bei Jasmin & Holger".

Apfels regelmäßige Mallorca-Reisen waren in den vergangenen Jahren immer wieder Thema in rechtsextremen Kreisen: Dort wurde über "Malle-Holger" gespottet. Dass Apfel zwei- bis dreimal im Jahr mit Parteikameraden für "Sauftouren" nach Mallorca fuhr, stieß in der NPD immer wieder auf "Missfallen", wie es aus dem Vorstand heißt. Bis zu 40-mal soll der 43-Jährige auf Mallorca Urlaub gemacht haben.

Bis heute ist nicht aufgeklärt, was es mit den angeblichen Belästigungen durch Apfel auf sich hatte. Er trat aus der Partei aus. Sein Nachfolger, Udo Pastörs, erklärte die Affäre für "beendet", um Ruhe in die zerstrittene Partei zu bringen.

Apfel: "Hier ist jeder willkommen"

Apfel scheint ohnehin mit der Politik abgeschlossen zu haben. Maravillas Stube soll kein Treffpunkt der Rechten werden. "Hier wird nicht politisiert", sagte Apfel der "Mallorca Zeitung", "hier ist jeder willkommen, auch Linke oder Menschen anderer Nationalitäten."

Dass der frühere Vorsitzende einer rechtsextremen Partei, die etwa im Europawahlkampf wieder gegen Einwanderung hetzt, nun selbst nach Spanien auswandert, findet er nicht problematisch. "Ich habe nach wie vor eine patriotische Einstellung, aber ich stand nie für die Extreme der NPD", behauptet Apfel. Er habe versucht, die Partei zu modernisieren, sei dabei aber gescheitert.

Zuerst berichtete die Konkurrenz-Partei Die Rechte über die zweite Karriere Apfels. "Spanien, Spanien über alles, über alles in der Welt?", schrieb die Neonazi-Partei in gewohnter Häme. Ein Sprecher der NPD wollte sich am Mittwoch zum neuen beruflichen Wirken des Exparteichefs nicht äußern.

fab/heb

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