Holocaust-Gedenktag "Das Erinnern hat kein Ende"

Weltweit wird heute der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Holocaust-Überlebende und Politiker warnen davor, die Geschichte zu vergessen: "Die Menschen sind und bleiben zu Unmenschlichkeit imstande."

Kinder im KZ Auschwitz 1945
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Kinder im KZ Auschwitz 1945


Der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland hat dazu aufgerufen, dass jede Schulklasse in Deutschland mindestens einmal eine KZ-Gedenkstätte besuchen sollte. "Es ist wichtig, die Erinnerung an den Holocaust nicht nur am 27. Januar, dem internationalen Gedenktag an den millionenfachen Mord, wachzuhalten", sagte Josef Schuster.

Weltweit wird heute anlässlich der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau vor 72 Jahren den Opfern des Nationalsozialismus gedacht. Unter der Herrschaft der Nazis waren allein in dem deutschen Vernichtungslager mindestens 1,1 Millionen Menschen vergast, zu Tode geprügelt oder erschossen worden oder an Krankheiten und Hunger gestorben.

"Wir müssen das Thema in der gesamten Gesellschaft behandeln", sagte Schuster den "Ruhr Nachrichten". Das gelte besonders für die Schulen und Universitäten, für die Ausbildung von Lehrern, Juristen und Polizisten. In der "Heilbronner Stimme" warnte die Holocaust-Überlebende Charlotte Knobloch vor "Geschichtsvergessenheit": "Die Menschen sind und bleiben zu Unmenschlichkeit imstande."

Frank-Walter Steinmeier sagte am letzten Tag seiner Amtszeit als Außenminister: "Wir können, was geschehen ist, nicht ändern oder rückgängig machen. Uns ist aber Auftrag und Verpflichtung die Erinnerung an den Zivilisationsbruch der Shoah, das Gedenken an die Opfer und die Verantwortung, die uns heute daraus erwächst." In einer Welt, "die uns unsicher, ruhelos und ungeordnet vorkommen mag", sei die Geschichte Lehre, Mahnung und Ansporn zugleich. "Das Erinnern hat kein Ende und darf es auch nicht haben."

Besucher in Yad Vashem
Getty Images

Besucher in Yad Vashem

Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini mahnte vor dem Holocaust-Gedenktag mehr Engagement für ein friedliches und vielfältiges Europa an. Zum 60. Jubiläum der Römischen Verträge müsse man junge Leute daran erinnern, dass Frieden und Vielfalt nicht selbstverständlich seien, sagte sie am Donnerstag.

In Israel war der Gedenktag wegen des Sabbat am Freitag einen Tag vorgezogen worden. Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu nahm den Tag zum Anlass, vor einem gefährlichen Aufflammen des Antisemitismus in der westlichen Welt zu warnen. "Man sieht es in den europäischen Hauptstädten, es ist einfach unglaublich", sagte Netanyahu bei einer Veranstaltung am Donnerstag in Jerusalem.

Netanyahu sieht als größte Gefahr für Israel allerdings weiterhin Iran, wie er vor Repräsentanten aus aller Welt in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem sagte. Das Nachbarland rufe offen zur Zerstörung Israels auf, sagte Netanyahu. In Israel leben noch etwa 160.000 Überlebende des Nationalsozialismus.

brk/dpa/AP

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