Holocaust-Leugner: Deutsche Politiker kritisieren Benedikt XVI. scharf

Von Merle Schmalenbach

Unmut über den Papst: Deutsche Politiker verurteilen die Aufnahme eines Holocaust-Leugners in die katholische Kirche. Grünenchefin Roth spricht von einem "verheerenden Signal", die Kirchenbeauftragte der Union zeigt sich "persönlich enttäuscht".

Berlin - Claudia Roth ist sichtlich aufgebracht, redet energisch auf einer Pressekonferenz in Berlin. Grund ist die Entscheidung des Papstes, Holocaust-Leugner Richard Williamson in die katholische Kirche aufzunehmen. "Es ist ein verheerendes Signal, wenn ein deutscher Papst die Entscheidung jetzt nicht zurücknimmt. Es gibt überhaupt keine andere Möglichkeit", es gehe um die "Entwürdigung von Millionen". Der Schritt des Papstes habe den Dialog zwischen Katholiken und Juden "zerstört" und gefährde das Leben in multireligiösen Gesellschaften.

Grünenchefin Claudia Roth: "Entwürdigung von Millionen"
DPA

Grünenchefin Claudia Roth: "Entwürdigung von Millionen"

Auch aus anderen Reihen deutscher Parteien hagelt es Kritik: Als "unerträglich" und "nicht hinnehmbar" bezeichnet die SPD-Kirchenbeauftrage Kerstin Griese die Entscheidung des Papstes: "Williamson vertritt innerkirchlich reaktionäre Thesen und macht sich mit seiner Leugnung der Gaskammern der Volksverhetzung schuldig. Holocaust-Leugner dürfen in unseren Kirchen keinen Platz haben", so Griese zu SPIEGEL ONLINE.

Empört zeigt sich auch Bodo Ramelow, Religionsbeauftragter der Linkspartei: "Während Williamson behauptet, es hätte in den Konzentrationslagern keine Gaskammern gegeben, entscheidet Papst Benedikt nur wenige Tage vor dem Holocaustgedenktag, die Exkommunikation zurück zu ziehen. Dieser Vorfall reiht sich ein in weitere Entscheidungen Benedikts, die zeigen, dass Dialog und Verständigung nicht seine Sache sind", so Ramelow. "Benedikt sollte dringend deutlich und glaubwürdig erklären, dass die Position von Williamson untragbar und nicht tolerabel ist. Im Sinne der Verständigung muss es hier eine eindeutige Botschaft geben."

Der Papst habe seiner Kirche einen "Bärendienst" erwiesen, empört sich FDP-Kirchenbeauftragte Michael Goldmann. Er erwarte, dass Williamson "weiterhin suspendiert, also rechtlich an der Ausübung des Weiheamtes gehindert bleibt." Es sei "dringend notwendig, dass der Papst seine Entscheidung auf den Prüfstand stellt und sich dabei nicht nur von kanonischen Erwägungen leiten lässt".

"Schlicht entsetzt" zeigt sich die CDU/CSU-Kirchenbeauftragte Ingrid Fischbach. Zu SPIEGEL ONLINE sagte sie: "Dieser Vorgang enttäuscht mich als gläubige Katholikin ganz persönlich. Ich hoffe nun, dass der Heilige Vater seiner Zusage der 'vollen und unbestreitbaren Solidarität' mit den Juden konkrete Schritte folgen lässt und entsprechende Sanktionen gegen Bischof Williamson erlässt. Eine Solidaritätsbekundung allein reicht nicht aus."

Optimistisch gibt sich CDU-Generalsekretär Roland Pofalla: "Ich bin ermutigt durch die Diskussion, die jetzt in der Kirche in Gang gekommen ist", sagte Pofalla nach einer Präsidiumssitzung in Berlin. Es gebe inzwischen eine "ganze Reihe kritische Stimmen", so dass er davon ausgehe, dass am Ende der Diskussion eine Entscheidung stehe, die dann auch nicht mehr kritisiert werde. Damit äußerte er indirekt die Erwartung, dass der Vatikan die Entscheidung zugunsten Williamsons revidiert.

Der Papst und die Piusbruderschaft
Der Papst ist das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche und des Staates Vatikanstadt . Als Völkerrechtssubjekt wird das Kirchenoberhaupt Heiliger Stuhl genannt. Zur Leitung und Verwaltung der Kirche sind dem Papst verschiedene kirchliche Behörden unterstellt, die zusammen die römische Kurie bilden.
Der Papst wird im Konklave , einer Versammlung von Kardinälen , auf Lebenszeit gewählt – als Stellvertreter Jesu Christi auf Erden.
Amtssitz des Papstes ist der Vatikan. Seit 1871 residiert er im Apostolischen Palast neben dem Petersdom .

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