Mitgliedervotum Berliner CDU stimmt gegen die Ehe für alle

Das Thema Homo-Ehe ist in der Union umstritten - im Berliner Landesverband sollte eine Abstimmung Klarheit bringen. Nun hat sich eine Mehrheit gegen eine Gleichstellung ausgesprochen.

Händchenhalten vor der Regenbogenfahne: Berliner CDU gegen Gleichstellung
AP

Händchenhalten vor der Regenbogenfahne: Berliner CDU gegen Gleichstellung


Soll es noch einen Unterschied zwischen Ehe und homosexueller Partnerschaft geben oder nicht? Das hat die Berliner CDU an ihrer Basis erfragt. Nun steht das Ergebnis fest: Die Mehrheit der Christdemokraten in der Hauptstadt hat gegen eine Öffnung der Ehe für alle gestimmt. Das hat der Berliner CDU-Generalsekretär Kai Wegner bekannt gegeben.

45 Prozent sprachen sich gegen die sogenannte Homo-Ehe aus, 35 Prozent dafür.

Das Votum war die bundesweit erste CDU-Mitgliederbefragung zu einem Sachthema. 40 ehrenamtliche Helfer zählten die rund 4750 Antworten in der Geschäftsstelle in Berlin-Charlottenburg aus. Damit beteiligten sich 38 Prozent der etwa 12.500 Berliner Christdemokraten.

Die Mehrheit der CDU-Bundestagsfraktion lehnt die Homo-Ehe ab. "Ich glaube, dass dieses Ergebnis auch die Debatte auf Bundesebene beflügeln wird", sagte Generalsekretär Kai Wegner vor der Bekanntgabe des Ergebnisses.

Während der Befragung bekannten sich prominente Mitglieder als Befürworter oder Gegner der Ehe für alle. Der ehemalige Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen etwa sprach sich dagegen aus. In den Reihen der Befürworter: Justizsenator Thomas Heilmann, Sozialsenator Mario Czaja und Generalsekretär Wegner.

Von der Leyen für behutsame Änderung

In internen Debatten hatte sich auch die Verteidigungsministerin für die Gleichstellung ausgesprochen: Nach Informationen des SPIEGEL sagte Ursula von der Leyen im Juni, zwar müsse man dabei behutsam vorgehen, man müsse jedoch feststellen, dass sich in der Gesellschaft etwas fundamental geändert habe. Als Beispiel führte von der Leyen ihre eigene Familie an - eine "typische CDU-Familie", wie sie betonte.

Da sei es kein Problem mehr, wenn im größeren Familienkreis zwei Männer oder Frauen eine Lebenspartnerschaft eingingen. "Die alten Tanten haben dann Tränen in den Augen und freuen sich, dass die Neffen und Nichten jemanden gefunden haben."

Parteichefin und Kanzlerin Angela Merkel hatte in der Vergangenheit jedoch immer wieder klar gemacht, dass sie einem vollständigen Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare ablehnend gegenüberstehe. Sie will erst handeln, wenn das Bundesverfassungsgericht eine Korrektur der bestehenden Rechtslage erzwingt. Mit dieser Haltung versucht Merkel auch, die Traditionsbataillone ihrer Partei bei der Stange zu halten.

Ob daran das Votum des Berliner Landesverband etwas ändern wird, wird sich zeigen.

vek/dpa



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 132 Beiträge
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Seite 1
caro1234 24.07.2015
1. dann halt anders herum
Wir entrechten Ehepartner/innen; keine Rentenansprüche mehr, keine Hinterbliebenenversorgung keine Krankenkassenmitversicherung, kein Steuervorteile auch gut, gesellschaft wäre das eh die moderner Variante. Aber gegen die Gleichberechtigung zu stimmt, ist ein Verstoß gegen das AGG ...
transparenz_&_Anti-Korrup 24.07.2015
2. Alle Menschen sind gleich
Anscheinend sind bei der CDU einige Menschen gleicher. Vielleicht muss man sich auch noch was für die verheirateten Rentner ohne Kinder und die alleinerziehenden Haushalte einfallen lassen, die passen ja irgendwie auch nicht ins Familienbild der Christlichen Parteien.
daniel1991 24.07.2015
3. Armutszeugnis
Ich finde es traurig, dass in der heutigen Zeit wirklich noch eine ablehnende Haltung existiert. Spätestens nach Irland und den USA sollte doch jedem Politiker klar sein, dass diese Einstellung keinesfalls eine neue Legislaturperiode standhalten kann. Deutschland möchte die Homo-Ehe, ein beachtlicher Teil der CDU und CSU möchte die Homo-Ehe, aber die Kanzlerin lehnt mit der sehr fundierten Begründung "Es passt einfach nicht in das traditionelle Familienbild" ab.
säkularist 24.07.2015
4. Prophezeiung
Als nächstes kommt dann die Ehe zu dritt, oder zu viert, oder sonstwas. Denn auch drei Menschen können sich lieben und füreinander dasein wollen. Wer das nicht einsieht ist ein rückständiger Hinterwäldler.
1234.5 24.07.2015
5.
Ja und? Wenn ich in der NPD Nachfrage ob sie gegen Flüchtlinge sind werden auch die meisten mit JA antworten. Wenn ich bei den Grünen Nachfrage ob sie gegen Fracking wird die deutliche Mehrheit nein sagen. Ich finde 45% noch ziemlich gering und eher ein Indiz dafür dass wenn alle Bundesbürger abstimmen düften ein deutliches JA für die Gleichstellung herauskommt.
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