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Gleichstellung der Homo-Ehe: Spahn warnt CDU vor Kränkung Schwuler und Lesben

CDU-Politiker Jens Spahn: "Da sollten wir stolz sein statt ängstlich" Zur Großansicht
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CDU-Politiker Jens Spahn: "Da sollten wir stolz sein statt ängstlich"

Jens Spahn kämpft seit Jahren für die Gleichberechtigung von Homosexuellen - das CDU-Präsidiumsmitglied warnt nun seine Partei, die Debatte über die Homo-Ehe zu unterschätzen. Er fordert von der Union mehr Mut.

Wenig Zeit? Am Textende gibt's eine Zusammenfassung.


Die CDU müsse sich "aus der ewigen Abwehrhaltung befreien", appelliert Präsidiumsmitglied Jens Spahn. Er warnt seine Partei in der Diskussion über die Gleichstellung der Lebenspartnerschaft Homosexueller: "Wenn wir diese Debatte mit mangelnder Aufrichtigkeit und verletzend führen, dann stoßen wir nicht nur Schwule und Lesben vor den Kopf, sondern auch ihre Familien und Freunde", sagte er der "Welt".

Homosexuelle verkörperten mit ihrem Wunsch nach Eheschließung ein modernes Bürgertum. "Da sollten wir stolz sein statt ängstlich", sagte Spahn. "In gleichgeschlechtlichen Partnerschaften werden Werte wie Verbindlichkeit, Fürsorge und Füreinander-da-Sein gelebt, die zum Kern unseres Selbstverständnisses als CDU gehören. Wir sollten das positiv sehen und unterstützen."

Spahn befürchtet auch Auswirkungen auf Wahlerfolge, falls die Christdemokraten an ihrer Linie festhalten: "Viele unterschätzen die Breitenwirkung. Das sind nicht nur ein paar Prozent. Es geht um die Anschlussfähigkeit der CDU an eine moderne bürgerliche Gesellschaft."

Mehr als 150 Prominente starten Aufruf

Die Christdemokraten lehnen bisher eine Gleichstellung homosexueller Partnerschaften mit der Ehe ab. In Deutschland gibt es für Schwule und Lesben seit 2001 die Möglichkeit, eine eingetragene Lebenspartnerschaft einzugehen. Diese ist aber rechtlich nicht mit der Ehe gleichgesetzt - vor allem nicht beim Adoptionsrecht.

Der schwule CDU-Politiker Spahn kämpft seit Jahren für gleiche Rechte homosexueller Ehepaare. Nach dem irischen Referendum für die Homo-Ehe vom 23. Mai ist auch in Deutschland die Debatte neu entflammt. Im aktuellen SPIEGEL sprechen sich Prominente wie die Autorin Helene Hegemann oder Regisseur Tom Tykwer für eine Gleichstellung der Homo-Ehe aus (Den kompletten Artikel im aktuellen SPIEGEL finden Sie hier).

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Aufruf für das Kanzleramt: Prominente Befürworter der Homo-Ehe
In einem offenen Brief, der am Montag im Kanzleramt abgegeben wurde, haben mehr als 150 prominente Personen aus Politik, Sport, Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft die gleiche Forderung: Unter der Überschrift "Es ist Zeit" sprechen sie sich für die Ehe für alle aus: "Unser Land verlangt und verdient dies." (Den vollständigen offenen Brief an die Bundeskanzlerin finden Sie hier.; Hier geht es zur Liste der Unterzeichner.)

Union gegen die volle Gleichstellung Homosexueller

Justizminister Heiko Maas (SPD) will durch einen Gesetzentwurf eingetragene Lebenspartnerschaften rechtlich stärker an die Ehe heranführen. Eine volle Gleichstellung sei aber mit dem Koalitionspartner Union nicht zu machen, sagt er.

Mehrere rot-grün regierte Bundesländer wollen deshalb im Bundesrat Druck machen. Die niedersächsische Landesregierung hat dazu eine Bundesratsinitiative ausgearbeitet. "Der Bundesrat bittet die Bundesregierung, die verfassungswidrige Diskriminierung eingetragener Lebenspartnerschaften zu beenden", heißt es in dem Antrag. "Dies umfasst die Öffnung der Ehe und die Schaffung eines vollen gemeinschaftlichen Adoptionsrechts für gleichgeschlechtliche Paare."

Der Antrag soll am Dienstag vom niedersächsischen Kabinett beschlossen werden und wird von mindestens vier rot-grün regierten Bundesländern unterstützt. Weitere Länder sollen folgen.


Zusammenfassung: Die Union ist gegen die volle Gleichstellung Homosexueller. CDU-Präsidiumsmitglied Jens Spahn warnt seine Partei vor einer Kränkung Schwuler und Lesben und warnt sie vor mangelnder Aufrichtigkeit. Mehrere rot-grün regierte Bundesländer wollen nun im Bundesrat mit einer Initiative Druck machen.

heb/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 72 Beiträge
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1. Was spricht dagegen?
Untertan 2.0 02.06.2015
Es gibt eigentlich nur ein Argument gegen die Homo-Ehe und das ist ein eher schwaches: Der Staat fördert die Ehe um neue Rentenzahler (=Kinder) zu bekommen. Die entstehen aus einer gleichgeschlechtlichen Beziehung aber nicht. Die Restlichen Gegenargumente sind allesamt ziemlich unsachlich und in der Regel auf anerzogenes Unbehagen der Gegner zurückzuführen.
2.
großwolke 02.06.2015
Rein technisch macht die CDU alles richtig. Denn entweder ist man eine christliche Partei und lehnt daher, der Kirche folgend, deren Werte man vertritt, gelebte Homosexualität als sündhaft ab, oder man ist keine christliche Partei. Ein kleines bisschen schwarz/weiß-Denken, um zu verdeutlichen, wo die Frontlinie eigentlich verläuft. Alternativ könnte man vielleicht auch die CDU auflösen und an ihrer Statt eine konservative Partei formieren, die religionsfrei ist. Dann wären auch aktuell ziemlich widersinnige Angelegenheiten wie Muslime in der CDU kein Problem mehr.
3. Was Spahn nicht bedenkt:
kritiker82 02.06.2015
Wer sich gekränkt fühlen will, wer sich diskriminiert fühlen will, wird immer einen Grund finden, um sich diskriminiert und gekränkt zu fühlen, egal, wie viele Rechte er hat, egal, wie gleichgestellt oder gar bevorzugt er ist. Die Kunst, sich diskriminiert und benachteiligt zu fühlen, hat sich mittlerweile zu einem Geschäftszweig entwickelt, der einen ganzen Komplex von Lobbyorganisationen am Leben erhält. Es darf nie zugegeben werden, dass es einem eigentlich gut geht, dass man eigentlich Gerechtigkeit erfährt - weil man damit die eigene Existenzberechtigung untergraben würde.
4. Modernes Bürgertum?
widower+2 02.06.2015
Was ist an der Ehe bitteschön modern? Die Ehe in ihrer gegenüber anderen Lebensentwürfen privilegierten Form ist ein religiös geprägter Anachronismus. Wer die Ehe für alle statt einer Abschaffung der Ehe fordert, ist nicht modern, sondern altmodisch, piefig und spießig.
5. Oh weh, der Spa(h)n
dentix08 02.06.2015
"Wenn wir diese Debatte mit mangelnder Aufrichtigkeit und verletzend führen, dann stoßen wir nicht nur Schwule und Lesben vor den Kopf, sondern auch ihre Familien und Freunde"! Oh, Herr Spahn, wenn es gegen Ärzte geht sind Sie aber weniger rücksichtsvoll! Da spielt es anscheinend keine Rolle ob man nicht nur diese, sondern auch deren Familien und Freunde vor den Kopf stößt! Wie wäre es denn es den Iren nachzutun? Einfach eine Volksabstimmung über die Homo-Ehe? Oder haben Sie Angst das Volk könnte anders abstimmen als Sie es gerne hätten? Übrigens, das forcieren des Themas könnte auch nach hinten losgehen und statt - wie sie leise drohen - der CDU, der SPD Stimmen kosten! Nicht, daß ich etwas dagegen hätte, ich wünsche mir eh die sogenannten "etablierten" Parteien (Linke, Grüne, SPD, CDU/CSU) allesamt für mindestens eine Legislaturperiode auf unter 5%! (Das wäre dann endlich "der Ruck durch Deutschland", der Weckruf für die die es sich an den Fleischtöpfen bequem gemacht haben und diesen Platz als ihnen zustehend betrachten!
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