Homo-Ehen: Schwulen-Union nennt CSU-Abgeordneten "geistigen Brandstifter"

Von

Er spricht von "Qualitätsunterschieden" und "regelfremden Lebensweisen": Mit Aussagen zur Homo-Ehe hat der CSU-Abgeordnete Goppel Empörung ausgelöst. Die Lesben- und Schwulen-Vertretung der Union beklagt sich in einem Brief an Landtagspräsidentin Stamm über den "geistigen Brandstifter".

Streit in der Union: Gleiche Rechte für homosexuelle Paare? Zur Großansicht
DPA

Streit in der Union: Gleiche Rechte für homosexuelle Paare?

Berlin - Die Debatte in CDU und CSU über die rechtliche Gleichstellung von homosexuellen Partnerschaften mit der Ehe nimmt an Schärfe zu. Die Lesben und Schwulen in der Union (LSU), die sich als Interessenvertretung Homosexueller in den Unionsparteien verstehen, beklagt sich bei der bayerischen Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU) über Aussagen des CSU-Abgeordneten Thomas Goppel. Dieser habe sich "in einer für mich unerträglichen Weise zur momentan geführten Gleichstellungsdebatte" geäußert, schreibt LSU-Bundesgeschäftsführer Ronny Pohle in einem Brief, der Stamm an diesem Freitag zugehen sollte. Pohle nennt Goppel darin einen "geistigen Brandstifter".

Der CSU-Parlamentarier und frühere bayerische Wissenschaftsminister hatte sich auf seiner Facebook-Seite gegen Pläne von Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) ausgesprochen, eingetragene gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften rechtlich weitgehend mit der Ehe gleichzustellen. Die "Gleichwertigkeit von Lebensgemeinschaften" habe "ihre ganz natürlichen Grenzen", argumentiert Goppel. "Wer im Unterricht durchgängig die Ohren offen hatte, weiß, dass es Qualitätsunterschiede gibt, die sich schon in der Bestandssicherung zeigen." Im weiteren Verlauf der Diskussion beteuert der 65-jährige CSU-Mann zwar, "dass ich niemanden ob seiner anders gelebten Sexualität in Frage stelle oder gar diskreditiere". Zugleich spricht er mit Blick auf die Homo-Ehe von "regelfremden Lebensweisen".

"Der Sprachgebrauch erinnert an den vor gut 70 Jahren", schreibt LSU-Geschäftsführer Pohle in seinem Brief an die Landtagspräsidentin in Anspielung auf die Nazi-Zeit. "Sie können sicher verstehen, dass diese Äußerungen zutiefst verletzend sind." Jeder Einzelne, ob hetero- oder homosexuell, sei wertvoll für die Gesellschaft. "Es darf kein Widerspruch sein, christlich und konservativ zu sein und Verantwortung füreinander, auch in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft, zu übernehmen", heißt es weiter.

Welche Konsequenzen Stamm aus seinem Schreiben ziehen sollte, ließ Pohle offen. Der Brief sei "Ausdruck seiner Verärgerung", sagte er am Freitag. Er erwarte zumindest eine Antwort der Landtagspräsidentin. Nach eigenen Worten hat der LSU-Funktionär in dieser Woche bei Staatsanwaltschaft Augsburg auch Anzeige gegen Goppel erstattet.

Auch Laumann erntet Kritik

Auf Goppels Facebook-Profil ist derweil ein Sturm der Entrüstung über den CSU-Abgeordneten hereingebrochen. In weit über 500 Kommentaren wird Goppel wegen seiner Wortwahl oftmals scharf angegriffen. Zu Unrecht, findet Goppel, der auch Mitglied im Parteivorstand ist. Dem "Münchener Merkur" sagte er: "Ich diskutiere gerne. Schade, dass es hier dieses Niveau erreicht hat. Der Stil desavouiert den Äußerer."

Zuletzt hatten auch andere Unionspolitiker wegen ihrer ablehnenden Haltung zur Gleichstellung der Homo-Ehe den Unmut von Befürwortern auf sich gezogen, darunter die CDU-Bundestagsabgeordnete Katherina Reiche oder der CDU-Fraktionschef im nordrhein-westfälischen Landtag, Karl-Josef Laumann. Laumann hatte in der "Rheinischen Post" gesagt: "Ohne viele gesunde Familien gibt es letzten Endes keine gute Gesellschaft." SPD und Grüne kritisierten Laumanns Worte scharf.

Die Debatte über die Homo-Ehe war vor einigen Wochen in der Union entbrannt, nachdem sich 13 Bundestagsabgeordnete der CDU für die steuerliche Gleichstellung homosexueller Partnerschaften eingesetzt hatten. Weitere Parlamentarier und Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) schlossen sich der Forderung an. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Unionsfraktionsspitze wollen das heikle Thema jedoch lieber nicht initiativ angehen, sondern die weitere Rechtssprechung des Bundesverfassungsgerichts abwarten.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 123 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Typsich
Nonvaio01 31.08.2012
da wird gemeckert und nach recht gerufen wenn jemand seine Meinung aeussert. Armes Deutschland, ich hab nix gegen Schwule oder Lesben, aber man kann doch jedem seine Meinung lassen.
2. Ewiggestrig.
brasilpe 31.08.2012
Wenn sich die CDU-Vorsitzende da mal nicht verrechnet, wenn sie sich auf die Seite der Ewiggestrigen schlägt.
3. Ganz so einfach
adam68161 31.08.2012
Zitat von Nonvaio01da wird gemeckert und nach recht gerufen wenn jemand seine Meinung aeussert. Armes Deutschland, ich hab nix gegen Schwule oder Lesben, aber man kann doch jedem seine Meinung lassen.
ist das Thema aber nicht. Wenn es einen "Zentralrat der Schwulen und Lesben" gäbe, würde das klar...
4.
petrapanther 31.08.2012
Zitat von Nonvaio01da wird gemeckert und nach recht gerufen wenn jemand seine Meinung aeussert. Armes Deutschland, ich hab nix gegen Schwule oder Lesben, aber man kann doch jedem seine Meinung lassen.
Sie missverstehen offenbar das Prinzip der Meinungsfreiheit. Jeder hat das Recht, die eigene Meinung frei zu äussern. Wer das aber öffentlich tut, der muss auch mit Widerspruch und Kritik rechnen, denn die Meinungsfreiheit gilt nun einmal auch für alle anderen. Und wer sich - wie Goppel - hinstellt und ewiggestrige und diskriminierende Ansichten von sich gibt, der muss sich nicht wundern, wenn das Echo entsprechend ausfällt.
5. Kann man, aber ...
postmaterialist2011 31.08.2012
Zitat von Nonvaio01da wird gemeckert und nach recht gerufen wenn jemand seine Meinung aeussert. Armes Deutschland, ich hab nix gegen Schwule oder Lesben, aber man kann doch jedem seine Meinung lassen.
Klar kann jeder seine Meinung haben aber wenn jemand von "regelfremden Lebensweisen" redet,dann klingt es doch sehr nach "unwertem Leben","Volkskörperschädlingen" und dergleichen Begriffen die zuletzt vor 70 Jahren angesagt waren und es zeigt deutlich wessen Geistes Kind viele CSU´ler ( u.a. der Methusalem Norbert Geis) sind.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Deutschland
RSS
alles zum Thema Gleichstellung von Homosexuellen
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 123 Kommentare