Offener Brief an Merkel Prominente fordern Gleichstellung der Homo-Ehe

Im SPIEGEL sprechen sich Prominente für eine Gleichstellung der Homo-Ehe aus - nun ging ein offener Brief ans Kanzleramt. Darin fordern Spitzen aus Politik, Kultur und Wirtschaft von Angela Merkel einen neuen Kurs.

AP

Von Udo Lindenberg bis Thomas Hitzlsperger, von Cem Özdemir bis Sahra Wagenknecht: Mehr als 150 prominente Personen aus Politik, Sport, Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft haben die gleiche Forderung: Öffnen Sie die Ehe auch für gleichgeschlechtliche Paare! Adressatin: Kanzlerin Angela Merkel.

Am Montagmittag haben die Organisatoren des Aufrufs den offenen Brief am Kanzleramt abgegeben. Seit Jahren engagieren sich die Aktivisten Vincent-Immanuel Herr und Martin Speer für eine Öffnung der Ehe. Bereits 2013 hatten sie einen offenen Brief an die Kanzlerin geschickt, über den damals SPIEGEL ONLINE berichtete.

Nun also der nächste Aufschlag. Das irische Referendum für die Homo-Ehe vom 23. Mai hat auch hier in Deutschland die Debatte neu entfacht. Im aktuellen SPIEGEL etwa äußern sich Prominente wie die Autorin Helene Hegemann oder Regisseur Tom Tykwer (den kompletten Artikel im aktuellen SPIEGEL finden Sie hier).

Die neue, alte Debatte wollen nun auch die Aktivisten Speer und Herr nutzen. Ihr Standpunkt: Wenn zwei Menschen ihr Leben zusammen verbringen wollen, sollte kein Gesetz sie daran hindern oder sie in zweiter Klasse einordnen.

Eine derartige Resonanz haben jedoch auch sie nicht erwartet. Martin Speer: "Wir haben bereits vorher mit solider Zustimmung gerechnet. Doch die Stärke und Kontinuität der Unterstützung, die uns begegnet ist, war beeindruckend."

Nicht nur prominente Namen waren den beiden wichtig, sie wollten auch einen Querschnitt präsentieren. "Es war es uns besonders wichtig, die Breite der gesellschaftlichen Zustimmung zu zeigen. Von der Wissenschaftlerin bis zum Politiker, von der Schauspielerin bis zum Unternehmer. Von der FDP bis zur Linken."

"Unser Land verdient das"

Das hat funktioniert. Binnen fünf Tagen waren die mehr als 150 Namen beisammen, noch nach offizieller Schließung der Liste trudelten Nachzügler ein. Für alle Bürger, die sich der Forderung anschließen, haben die Aktivisten zudem eine Online-Petition eingerichtet.

Ob und wie sich die aktuelle Debatte auch beim Kurs der Bundesregierung widerspiegelt, bleibt abzuwarten. Bisher hat sie bestenfalls eine Homo-Ehe light in Aussicht gestellt. Laut Justizminister Heiko Maas (SPD) sollen durch einen entsprechenden Gesetzentwurf eingetragene Lebenspartnerschaften rechtlich stärker an die Ehe herangeführt werden. Eine volle Gleichstellung sei aber mit dem Koalitionspartner nicht zu machen.

Das wollen die Unterzeichner des offenen Briefs so nicht hinnehmen, sie wollen mehr. Unter der Überschrift "Es ist Zeit" fordern sie die Ehe für alle: "Unser Land verlangt und verdient dies."


Den vollständigen offenen Brief an die Bundeskanzlerin finden Sie hier.


Hier geht es zur Liste der Unterzeichner.

jok



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 108 Beiträge
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Seite 1
oliiiiwero 01.06.2015
1.
niemand von cdu oder csu. das mittelalter grüsst ...
walldemort 01.06.2015
2. Das zeigt, ...
... wie breit gefächert die Zustimmung zu dieser Frage ist. Bleibt zu hoffen, dass Angie ihre dumpfen Bauchgefühle hinter sich lassen kann. Es wird höchste Zeit für die Gleichstellung!
wiesnase111 01.06.2015
3. die Ehe gab es vor dem Christentum nicht
warum soll man alte Erfindungen nicht aif alle erweitern?
a-mole 01.06.2015
4.
außer die verquere steuerliche unterstützung gibt es KEINEN grund warum Homosexuelle nicht heiraten sollten. Steuerbegünstigungen sollte es für alle eingetragenen Partnerschaften MIT Kind geben... nicht blos für das pure Heiraten. Einem unfruchtbaren, zu altem oder kinder-vermeidendem Heteropaar wird schließlich auch nicht verboten zu heiraten. Wo ist da der unterschied zu nicht- fortpflanzungsfähigen Homo-Verbindungen?
gersco 01.06.2015
5. Das ist das System Merkel! Die Homo-Ehe wird kommen.
Es ist immer die gleiche Verfahrensweise: Erst bildet sich ein Thema (Vorstoß Irland), dann melden sich Befürworter (offener Brief, Talkshows) und schließlich bildet sich das in mehr oder weniger repräsentativen Umfragen ab. Frau Merkel nimmt sich des Themas am Ende des Druckes an, es kommt zur Einbringung eines Gesetzentwurfs (z.B. Gleichstellung), parteiübergreifend wird zugestimmt. Am Ende des Prozesses dichten die Medien dann wieder Frau Merkel das Märchen der Konsenskanzlerin an, die letztlich alles zum Guten regelt und fertig ist das Ganze! Wenn es nicht so traurig wäre, müsste man darüber lachen.
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