Koalitionsstreit: Unionspolitiker lehnen Adoptionsrecht für Homo-Paare ab

Zwei Männer fordern "Adoptionsrecht jetzt!" (Archivbild): Rote Linie für die CSU Zur Großansicht
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Zwei Männer fordern "Adoptionsrecht jetzt!" (Archivbild): Rote Linie für die CSU

Führende Unionspolitiker wehren sich gegen die Gleichstellung schwuler und lesbischer Paare bei der Adoption. CDU-Vizechef Bouffier spricht von einem "gewissen Unbehagen". Nach Informationen des SPIEGEL sind in Karlsruhe bereits zwei Klagen anhängig.

Berlin - Klar ist, die Gleichstellung der Homo-Ehe beim Ehegattensplitting wird in Kürze kommen: Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts will die Union noch vor der Sommerpause ein Gesetz in den Bundestag einbringen. Doch eine weitere Gleichbehandlung gleichgeschlechtlicher Paare beim Adoptionsrecht wird wohl noch dauern. Diese ist in der schwarz-gelben Koalition heftig umstritten. Führende Unionspolitiker wie Volker Bouffier, hessischer Ministerpräsident und CDU-Vizechef, sind dagegen.

Er sagte dem SPIEGEL: "Die Frage der Adoption kann man nicht mit einem Schnellschuss beantworten." Hier gehe es nicht ums Geld, sondern um das Wohl von Kindern. Natürlich, ergänzte Bouffier, gebe es gleichgeschlechtliche Paare, die Kinder liebevoll erziehen. Trotzdem fühlten viele Menschen, über alle Parteigrenzen hinweg, "ein gewisses Unbehagen" in dieser Frage. "Zu diesen Menschen gehöre ich auch", sagte der stellvertretende Bundesvorsitzende der CDU.

"Ohne Wenn und Aber"

Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger von der FDP drängt nach dem Karlsruher Urteil zur Gleichstellung von Homo-Ehen dagegen auf eine zügige und volle Gleichstellung. Dazu gehöre für sie auch die gemeinsame Adoption, "ohne Wenn und Aber".

Dem widerspricht CDU-Vizechef Armin Laschet. Er sagte, Kinder hätten das Recht auf Unterschiedlichkeit, auf Vater und Mutter. "Dies prinzipiell auszuschließen, um jemandem ein individuelles Recht auf Gleichstellung zu geben, halte ich für falsch."

Das Thema Adoption dürfte bald auf der Tagesordnung stehen: Zwei Verfahren sind nach SPIEGEL-Informationen Anfang März dieses Jahres beim Bundesverfassungsgericht eingegangen. In den Fällen aus Berlin fordern zwei Lebenspartner das volle Adoptionsrecht für ihre Pflegekinder.

Nur unter Zwang aus Karlsruhe

Für die CSU ist das Adoptionsrecht für homosexuelle Paare die rote Linie. Diese würde man bei der Gleichstellung nur unter Zwang aus Karlsruhe überschreiten, sagte CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt. "Beim Thema Adoptionsrecht werden wir nur handeln, wenn und so weit das Bundesverfassungsgericht es uns auferlegt."

Das Bundesverfassungsgericht hatte am Donnerstag die bisherige Regelung, die homosexuelle Lebensgemeinschaften im Vergleich zu Ehepaaren steuerlich benachteiligt, für ungültig erklärt. Das Recht auf Ehegattensplitting bestünde auch für Homo-Ehen. Die Regelung soll rückwirkend zum Jahr 2001 gelten.

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insgesamt 166 Beiträge
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    Seite 1    
1. das wird teuer....
spiegelleser_12345 08.06.2013
Zitat von sysopFührende Unionspolitiker wehren sich gegen die Gleichstellung schwuler und lesbischer Paare bei der Adoption. CDU-Vizechef Bouffier spricht von einem "gewissen Unbehagen". Nach Informationen des SPIEGEL sind in Karlsruhe bereits zwei Klagen anhängig. Homo-Ehe: Unionspolitiker wehren sich gegen Adoptionsrecht - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/homo-ehe-unionspolitiker-wehren-sich-gegen-adoptionsrecht-a-904540.html)
1-3% kostet das bei der Bundestagswahl.
2. Die Partei der Ewig Gestrigen
DerRuferimWald 08.06.2013
Ja, so ein bisschenGlöeichstellung, um ein paar Stimmen aus der Schwul-lesbischen Szene zu bekommen, aber nicht zu viel, man vergrault ja Stammwähler. Diese "Gleichstellung" war von Afang an nichts Anderes, als ein riesen Diskriminierungspaket. Und, Gott sei Dank, hat das Verfassungsgericht einmal mehr nicht so entschieden, wie es die Politik gerne hätte. Wenn Gleichstellung, dann richtig - mit allen Pflichten (die der Staat ja gerne einfordert) und allen rechten (die der Staat ungerne gibt). Die CDU 7 CSU, eine Partei Ewig Gestriger - aber wer wählen geht, ist soweiso von gestern.
3.
spon-facebook-1402714339 08.06.2013
Zitat von sysopFührende Unionspolitiker wehren sich gegen die Gleichstellung schwuler und lesbischer Paare bei der Adoption. [/url]
Die Heime voller Pflegekinder aber einem schwulen Paar das Recht auf Adoption verwehren.... zum wohl der Kinder! Da stellen sich mir echt die Nackhaare hoch. Die Leute tun als ob ein schwules Paar ein Kind aus einer funktionierenden Familie rausreissen wollten. Solange es Kinder gibt die in Heimen leben muessen weil sie keine Adoptiveltern finden sollte jedes Schwule Paar das Recht haben den Kindern eine Perspektive zu bieten!
4.
nicht_niedlich 08.06.2013
Kinder haben also ein Recht auf Unterschiedlichkeit? Müsste man dann nicht theoretisch Alleinerziehenden die Kinder wegnehmen? Es kann ja nicht mehr lange dauern, dass auch dazu ein entsprechendes Urteil aus Karlsruhe kommt. Warum kann man nicht ein Mal schlau genug sein dem vorzugreifen? Wenn jemand sich gut um ein Kind kümmern kann und will, dann sollte dieser Mensch auch das Recht dazu haben! Da sollten sich die Politiker mehr darauf konzentrieren, ob die Kinder tatsächlich gut behandelt werden (bei hetero- und homosexuellen Paaren)
5. Logisch
mikra54 08.06.2013
Das BVerfG hat ja auch sonst nichts zu tun! Und für alle, die 'so irgendwie das nicht gut finden': versuchen sie mal in Deutschland ein Kind zu adoptieren - es ist eh fast unmöglich. Da gibt es immer noch die einzelfallentscheidung des zuständigen Jugendamts, dem sie erst mal gefallen müssen... Daran ändert sich auch nichts, wenn auch dieses Recht auf ein paar mehr Leute ausgeweitet wird. Aber ich vergaß: Da muss ja mal wieder das Abendland verteidigt werden... *seufz*
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