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Schwule und Lesben: Kabinett erweitert Adoptionsrecht für homosexuelle Partnerschaften

Justizminister Maas: "Ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg zur völligen rechtlichen Gleichstellung von Lebenspartnerschaften" Zur Großansicht
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Justizminister Maas: "Ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg zur völligen rechtlichen Gleichstellung von Lebenspartnerschaften"

Die Große Koalition tastet sich an die Gleichstellung homosexueller Lebenspartnerschaften heran. Das Kabinett hat die sogenannte Sukzessivadoption gesetzlich geregelt. Gegen die gemeinsame Adoption eines Kindes durch Schwule und Lesben sperrt sich die Union aber weiterhin.

Berlin - Vor einem Jahr hat das Bundesverfassungsgericht die Sukzessivadoption für zulässig erklärt. Demnach können Schwule und Lesben ein von ihrem eingetragenen Lebenspartner bereits adoptiertes Kind nachträglich ebenfalls adoptieren.

Nun hat die Bundesregierung diese Vorgabe gesetzlich umgesetzt. Das Kabinett beschloss am Mittwoch, dass ein adoptiertes Kind eines Lebenspartners auch von dem anderen Partner adoptiert werden darf. Bislang ist eine solche Sukzessivadoption nur heterosexuellen Paaren erlaubt.

Karlsruhe hatte vorgegeben, dass der Gesetzgeber bis Ende Juni eine verfassungsgemäße Regel treffen muss.

Justizminister Heiko Maas, auf dessen Initiative das neue Gesetz zurückgeht, sagte, das Karlsruher Urteil werde jetzt sehr schnell umgesetzt. "Das ist ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg zur völligen rechtlichen Gleichstellung von Lebenspartnerschaften", sagte Maas.

Der SPD-Politiker betonte: "Wir werden weiter darauf hinwirken, dass bestehende Diskriminierungen von gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften beendet werden."

Die gemeinsame Adoption eines Kindes wird für homosexuelle Lebenspartner vorerst weiterhin nicht möglich sein. Hier lehnt die Union eine Gesetzesänderung ab.

syd/dpa/AFP

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 12 Beiträge
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1. Wenn sich die Koalition...
zzyzzx 12.03.2014
... wirklich für das Kindeswohl interessieren würde, hätte man das gemeinsame Adoptionsrecht beschlossen. Nun führt ideologische Sturheit dazu, dass zwischen zwei erlaubten Adoptionsvorgängen ein ungewollter Zwischenzustand entsteht, bei dem dem Kind zu wünschen ist, dass dem bereits adoptiert habenden Partner nichts passiert. Staatliche Fürsorge für das Wohl der Kinder sieht anders aus.
2. Ein Schritt
JaWeb 12.03.2014
Die bürgerliche Ehe -und um die geht es hier- ist kein Sakrament. Ihre persönlichen Glaubensüberzeugungen sind nicht Maßstab des Rechts in einer offenen, pluralistischen Gesellschaft. Das Grundgesetz schon, das ich Ihnen zur Lektüre empfehle (insbesondere GG Art. 3). Es wird hier ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts umgesetzt und ein weiterer Schritt in Richtung Rechtsgleichheit vorgenommen, wie es das Grundgesetz vorsieht. Es ist übrigens schlichtweg ein Unding, dass gleichgeschlechtliche Paare selbstverständlich Pflegeeltern sein können, aber eine Volladoption nicht möglich sein soll. Es gibt dafür keine rationalen Gründe, sondern nur das Bauchweh der Bundeskanzlerin und die ideologisch oder religiös begründeten Abwehrreflexe derjenigen, die das Grundgesetz nicht achten.
3. Dann darf man halt nicht Merkel wählen...
superfake2012 12.03.2014
Zitat von zzyzzx... wirklich für das Kindeswohl interessieren würde, hätte man das gemeinsame Adoptionsrecht beschlossen. Nun führt ideologische Sturheit dazu, dass zwischen zwei erlaubten Adoptionsvorgängen ein ungewollter Zwischenzustand entsteht, bei dem dem Kind zu wünschen ist, dass dem bereits adoptiert habenden Partner nichts passiert. Staatliche Fürsorge für das Wohl der Kinder sieht anders aus.
... und auf ihre angebliche Zähmung der CDU reinfallen.
4. Nicht schlecht
BettyB. 12.03.2014
Weshalb meinen die Christen aber, dass der jeweilig Zweite/die jeweilig Zweite nicht warten würde und deshalb mit der Adoption warten muss. Damit es vorrangige und nachrangige Adoptiveltern gibt? Irre aber christlich...
5.
drehrumbum 12.03.2014
Neben vielen anderen Gründen dürfte möglicherweise ein Grund für Zurückhaltung ganz einfach auch die Gleichstellung mit heterosexuellen Paaren sein. Im Scheidungsfall wird nämlich der Mutter zu über 90% das Kind zugesprochen und der Vater erhält es eigentlich nur, wenn die Mutter darauf verzichtet (z.B. in Hinblick auf ihre weiteren Lebenspläne mit einem neuen Partner), wenn sie sich in Hinblick auf die Entwicklung des Kindes Schweres zu Schulden hat kommen lassen (z.B. Drogenabhängigkeit) oder wenn das Kind schon alt genug ist, um eigene Wünsche dahingehend geltend machen zu können. (Häufig genug war in diesem Zusammenhang auch im SPIEGEL „Der entsorgte Vater“ leider ein Thema). Bei homosexuellen Partnerschaften muß sich eben im Sinne einer Gleichstellung einer/ eine quasi für eine alleinige „Mutterrolle“ entscheiden. - Die durchschnittliche Ehedauer bei heterosexuellen Paaren betrug im Jahre 2012 14 Jahre und 7 Monate. Es ist sicher einfach noch zu früh, statistisch relevante Aussagen zu den eingetragenen homosexuellen Partnerschaften (Dauer), insbesondere mit Kind zu machen, zumal gegenwärtig wohl nur 7000 Kinder in gleichgeschlechtlichen Beziehungen (!) aufwachsen. Im Moment gibt es da bestenfalls nur Zahlen zum (jahrelang aufgestauten) Wunsch nach einer eingetragenen Partnerschaft bei Homosexuellen. Das nächste Problem wäre sowieso dann sicher das gemeinsame Sorgerecht von unverheirateten homosexuellen Paaren. Bei unverheirateten heterosexuellen Paaren war das ja sogar bis 2010 auch ein Problem, obwohl sogar beide Partner biologische und nicht Adoptiv-Eltern sind.
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