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Homosexuelle Paare: Zypries will volles Adoptionsrecht für Regenbogenfamilien

Justizministerin Zypries hat das volle Adoptionsrecht für homosexuelle Paare verlangt. Sie stützt sich dabei auf eine neue Studie, wonach Kinder in Regenbogenfamilien genauso gut aufwachsen wie in traditionellen Familien. Widerstand kommt von der Union.

Berlin - Mindestens 6600 Kinder wachsen in Deutschland mit zwei lesbischen Müttern oder schwulen Vätern auf - und es werden mehr. Bundesjustizministerin Brigitte Zypries will dieser gesellschaftlichen Entwicklung jetzt auch eine entsprechende rechtliche Grundlage geben. Sie hat sich für eine Gleichstellung homosexueller Lebenspartnerschaften bei der Adoption von Kindern ausgesprochen. Schwule und lesbische Paare seien genauso wie Ehepaare als Adoptiveltern geeignet, erklärte sie anlässlich der Vorstellung einer Studie zu Kindern in homosexuellen Lebensgemeinschaften. Der Lesben- und Schwulenverband sowie Grüne und FDP begrüßten den Vorstoß.

Die Sozialdemokratin Zypries verwies darauf, dass nach deutschem Recht eine gemeinsame Adoption derzeit nicht möglich sei. Stattdessen könne nur einer der Partner ein Kind adoptieren, der andere erhalte lediglich ein "kleines Sorgerecht". Nach den Ergebnissen der Untersuchung bestehe für den Gesetzgeber kein Grund, die gemeinsame Adoption für Lebenspartner nicht zuzulassen. Voraussetzung sei, dass Deutschland das geänderte europäische Adoptionsübereinkommen unterzeichnet und in Kraft setzt.

"Das Kindeswohl ist in Regenbogenfamilien genauso gewahrt wie in anderen Familienformen", sagte Zypries zu den Ergebnissen der Studie. "Persönlichkeitsentwicklung, schulische und berufliche Entwicklung der betroffenen Kinder verlaufen positiv." Sie entwickelten sich genauso gut wie Kinder aus heterosexuellen Beziehungen.

Die Studie belegt den Angaben zufolge, dass die Mehrheit der Kinder wegen der sexuellen Orientierung im Elternhaus nicht diskriminiert wird. Wo dies dennoch geschieht, handele es sich überwiegend um Hänseleien und Beschimpfungen. In Deutschland wachsen rund 2200 Kinder in einer eingetragenen homosexuellen Lebenspartnerschaft auf. Die Situation von 693 dieser Kinder wurde durch Befragung der Eltern analysiert, 95 Kinder wurden zusätzlich persönlich befragt.

"Die Ergebnisse widerlegen alle Argumente rückwärtsgewandter Kreise gegen ein gemeinsames Adoptionsrecht", erklärte der Lesben- und Schwulen-Verband (LSVD). "Es gibt kein Argument gegen eine rechtliche Gleichstellung von Ehepaaren mit Kindern und eingetragenen Lebenspartnerschaften mit Kindern", erklärte der Verband. Der Gesetzgeber müsse schnell handeln, damit eingetragene Lebenspartnerschaften mit Kindern rechtlich gleichgestellt werden.

"Der Gesetzgeber muss endlich der familiären Lebenswirklichkeit Rechnung tragen und den in Regenbogenfamilien aufwachsenden Kindern gleiche rechtliche Absicherung geben", erklärten die Grünen-Abgeordneten Volker Beck und Irmingard Schewe-Gerigk. "Im Mittelpunkt jeder Adoption steht das Kindeswohl und nicht die sexuelle Identität der Eltern", erklärte die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen, Elke Ferner.

Die FDP verwies darauf, dass sie bereits 2004 einen entsprechenden Gesetzentwurf in den Bundestag eingebracht habe, der von Rot-Grün abgelehnt worden sei. Obwohl es in den vergangenen Jahren immer eine parlamentarische Mehrheit für ein gemeinsames Adoptionsrecht gegeben habe, habe Zypries dazu keine Initiativen vorgelegt, erklärte FDP-Fraktionsvize Sabine Leutheusser-Schnarrenberger.

Widerstand gegen den Vorstoß von Zypries kam von CSU und CDU. "Ich glaube, dass es bei aller Toleranz für gleichgeschlechtliche Beziehungen für Kinder besser ist, wenn sie bei Mann und Frau aufwachsen", sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe, Hartmut Koschyk, dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Er warf Zypries ein "billiges Wahlkampfmanöver und das Buhlen um Stimmen gleichgeschlechtlicher Paare" vor. Der stellvertretende Bundestags-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Bosbach (CDU) sagte der gleichen Zeitung: "Kinder sind am besten aufgehoben bei Mann und Frau. Eine völlige Gleichstellung möchten wir nicht."

ler/AFP/dpa

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