Nach Krawallen in Köln Behörden prüfen Absage von Hooligan-Aufmarsch in Hannover

Für den 15. November ist eine Demonstration von Hooligans in Hannover angemeldet, die Behörden prüfen nun rechtliche Schritte gegen die Veranstaltung. FDP und SPD mobilisieren für Gegenkundgebungen, die Polizei fordert, die Demo zu verbieten.

Hooligans in Köln: Eine ähnliche Demonstration in Hannover wird wohl abgesagt
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Hooligans in Köln: Eine ähnliche Demonstration in Hannover wird wohl abgesagt


Hannover - Die geplanten Veranstaltungen in Hamburg und Berlin finden nicht statt, nun könnte auch eine in Hannover geplante Anti-Islamismus-Demonstration platzen: Niedersachsens Behörden prüfen rechtliche Schritte gegen die für den 15. November angemeldete Veranstaltung.

Die am Samstagabend eingegangene Anmeldung werde ausführlich analysiert, sagte eine Polizeisprecherin am Montag. Nach Informationen des NDR stehen dahinter Hooligans.

In Hannover gibt es Furcht vor Krawallen wie Ende Oktober in Köln. Dort hatten sich 4500 Hooligans mit Rechtsextremen versammelt und die Polizei angegriffen. "Wir haben festgestellt, dass in der rechtsextremistischen Szene für Hannover mobilisiert wird", sagte eine Sprecherin des Verfassungsschutzes.

Ursprünglich war für den 15. November in Berlin eine Hooligan-Demonstration mit rund 10.000 Teilnehmern unter dem Motto "Hooligans gegen Salafisten" (also gegen radikale Islamisten) angemeldet worden. Der Antrag ist nach Behördenangaben aber ungültig. Auch in Hamburg war für dasselbe Datum eine ähnliche Demonstration angemeldet - hier zog aber der Veranstalter die Anmeldung zurück.

Nach dem SPD-Unterbezirk Hannover rief am Montag auch die FDP zu einer friedlichen Gegen-Kundgebung auf. Der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius (SPD) hatte vergangene Woche mit Hinweis auf die Gewalt-Exzesse in Köln betont: "Wir prüfen alle rechtlichen Schritte, um ähnliche Veranstaltungen in Niedersachsen zu verhindern."

Diese Haltung gelte unverändert, sagte ein Ministeriumssprecher am Montag. Pistorius hatte auch die Einrichtung einer bundesweiten Task Force zur Bekämpfung der Gruppe "Hooligans gegen Salafisten" (HoGesa) gefordert.

Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) Niedersachsen plädiert für erhebliche Auflagen, sofern es nicht zu einem Verbot kommt. "Zunächst muss intensiv geprüft werden, ob eine solche Veranstaltung überhaupt genehmigt werden kann", sagt der GdP-Landesvorsitzende Dietmar Schilff laut einer Gewerkschaftsmitteilung: "Wenn sich kein gerichtsfestes Verbot der Demonstration ergeben sollte, sind wir für deutlich spürbare Beschränkungen. Dazu gehören Versammlungsauflagen, ein Alkoholverbot sowie Meldeauflagen für bekannte Gewalttäter, um die Bevölkerung und die eingesetzten Polizeikräfte vor dem Aufmarsch zu schützen."

Eine Woche nach den Hooligan-Krawallen in Köln haben die Ermittler bislang 72 Strafverfahren eingeleitet. Ermittelt werde wegen schweren Landfriedensbruchs, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und gefährlicher Körperverletzung, so ein Staatsanwaltschafts-Sprecher.

mia/dpa/sid

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