Hooligan-Krawalle Bündnis der Gewalt

Hinter den Krawallen von Köln steckt eine Allianz aus Hooligans und Rechtsradikalen. Danach feiert sich "Die Rechte", eine Partei, der die NPD zu bürgerlich ist. Die Polizei rechnet mit weiteren Treffen in anderen Städten.

Von , Köln

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Der Hooligan-Aufmarsch am Sonntag in Köln war durchsetzt von rechten Kadern und Aktivisten. So äußerte sich die Kölner Polizei am Montag: "Es gab einen hohen Anteil entsprechender Strukturen. Das rechtsextreme und neonazistische Spektrum war vor Ort, bis hin zu Kreisen von verbotenen Nazi-Kameradschaften aus dem Rheinland." Laut Christoph Gilles, Sprecher der Kölner Polizei, waren zudem zahlreiche Aktivisten der NPD und der Splitterpartei "Die Rechte" vor Ort - Szeneaktivisten, denen die NPD zu bürgerlich ist.

Auch Augenzeugen der Krawalle hatten am Sonntag entsprechende Beobachtungen gemacht. Eine Zeugin hatte die Demonstration der "Hooligans gegen Salafisten" seit dem Mittag auf der Terrasse einer Bäckerfiliale beobachtet. Gegen 16.30 Uhr bekam es die Frau mit der Angst zu tun: "Ich bin panikartig losgerannt, als plötzlich vom Rhein her über hundert Hooligans in unsere Richtung stürmten und eine Spur der Zerstörung hinterließen." Kurz bevor auch die Bäckerei kurz und klein geschlagen wurde, konnte sich die Frau ins Bahnhofsinnere retten.

Auf die Frage, welche politische Orientierung die Schläger gehabt haben könnten, sagt die Zeugin: "Da muss man wohl nicht lange überlegen, wenn hundert Leute 'Deutschland den Deutschen, Ausländer raus' grölen."

Nazi-Sticker, Tattoos und Szenecodes

Es dürfte sich dabei um den Pulk an Hooligans gehandelt haben, der laut Kölner Polizei nach dem Verbot des Demo-Zugs seine eigenen Wege ging - mit Sturmhaube und Quarzhandschuhen. Dass die Vorhut eine andere politische Einstellung als weite Teile der anderen Demo-Teilnehmer hätte, ist allerdings nicht zu vermuten.

Wer die Reihe der Demonstranten abschritt, sah Hunderte T-Shirts, die man nur in einschlägigen Szeneläden und -versandhäusern kaufen kann. Aufdrucke wie "White nations for a white Europe" und "Aryan" (Arier) lassen wenig Raum für Interpretationen, ebenso wenig wie die unzähligen Nazi-Sticker und -Tattoos. Dazu kamen die gängigen Szenecodes wie die allgegenwärtige "88" und die Pöbeleien in Richtung Polizei, die sehr eindeutig waren.

Nicht jedem Menschen sieht man seine Gesinnung an. Es mag deshalb sein, dass unter den Demonstranten auch ein paar Hundert waren, die nach Köln gekommen waren, um gegen die vermeintliche Islamisierung des Landes oder den Salafismus zu demonstrieren, ohne mit der Agenda der rechten Szene zu sympathisieren. Die Dynamik prägten sie jedoch nicht.

So sieht es auch die Zeugin, die das Treiben von 12 bis 19 Uhr beobachtete: "Das war ein Aufmarsch der rechten Szene. Später, als die Lage endgültig eskalierte, ging es um ein Match rechte Hools gegen die Staatsmacht. Und das wollten die Hools gewinnen."

Der Dortmunder Ortsverband der Neonazi-Partei "Die Rechte" lieferte eine Art Liveticker zur Kölner Demonstration und behauptete, die Polizei habe die Ausschreitungen provoziert. Am Montag feierte sie sich auf ihrer Facebook-Seite: "Mit über 200 Leuten aus der Westfalenmetropole hat Dortmund Flagge gezeigt - nächstes Mal werden wir noch mehr!"

Die nordrhein-westfälische Landesregierung teilte mit, dass sie ähnliche Treffen künftig gerichtlich verbieten lassen will. Doch die Polizeigewerkschaft warnt bereits vor weiteren Krawallen: "Das wird zunehmen", sagte der Bundesvorsitzende Rainer Wendt der Nachrichtenagentur dpa. Das temporäre Bündnis sei für gewaltbereite Fußballfans und Rocker eine Chance, "aus der gesellschaftlichen Isolation rauszukommen". Wendts Fazit ist düster: "Das bleibt keinesfalls in Berlin, Hamburg, Köln. Das ist in allen Städten möglich."

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Hooligan-Demo in der Innenstadt: Ausschreitungen in Köln

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