Nach Wahl-Debakel Erster Kreisverband fordert Ablösung von CSU-Chef Seehofer

Nach dem Verlust der absoluten Mehrheit in Bayern wächst der Druck auf CSU-Chef Horst Seehofer: Der Kreisverband Kronach rückt offen von ihm ab. Auch CDU-Politiker Röttgen mahnt personelle Konsequenzen an.

Horst Seehofer
CLEMENS BILAN/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Horst Seehofer


Die CSU hat bei der Landtagswahl nur 37.2 Prozent erreicht. Es ist das schlechteste Ergebnis seit 1950. In der Folge dieses Fiaskos hat der erste CSU-Kreisverband nun offen die Ablösung von Parteichef Horst Seehofer gefordert.

Der Vorstand des Kreisverbands Kronach war sich in einer Sitzung am Montagabend zwar einig, dass zunächst die Regierungsbildung im Freistaat Priorität habe, wie der Kreisvorsitzende, der Landtagsabgeordnete Jürgen Baumgärtner, sagte. "Aber nach dieser Regierungsbildung wollen wir einen Parteitag mit dem Ziel der personellen Erneuerung und mit dem Ziel, Horst Seehofer abzulösen", betonte Baumgärtner. Das habe der CSU-Kreisvorstand am Abend einmütig so beschlossen.

Baumgärtner betonte, man habe ausdrücklich formuliert, dass Seehofer "grandiose" Erfolge für die CSU gefeiert habe und dass man ihm dafür auch dankbar sei. "Wir glauben aber, dass alles seine Zeit hat." Aus Sicht des Kreisverbands dürfe es jetzt kein "Weiter so" geben. Auch in einer anschließenden Mitgliederversammlung gab es für all diese Forderungen großen Applaus, wie Teilnehmer anschließend berichteten.

Seehofer hatte nach einer CSU-Vorstandssitzung am Montag eine tiefgreifende Analyse der Landtagswahlpleite noch in diesem Jahr angekündigt. Nach der Kabinettsbildung in Bayern wolle man Ende November oder im Dezember "in einer geordneten Form in einem geeigneten Gremium" eine vertiefte Analyse anstellen. Dort sollten auch alle Vorschläge diskutiert werden, die es strategisch "und auch personell geben mag".

Quelle: Infratest dimap/ARD (Schätzung auf Basis von Vor- und Nachwahlbefragungen, Wahl- und Bevölkerungsstatistiken)

Ob sich ein Parteitag oder ein anderes Gremium damit befassen soll, werde man mit den CSU-Bezirksvorsitzenden besprechen. Auf die Frage nach einem möglichen Wechsel im CSU-Vorsitz antwortete Seehofer nur: "Ich sage jetzt zu dem Thema gar nichts."

Röttgen fordert personelle Konsequenzen

Unterdessen hat auch der CDU-Politiker Norbert Röttgen personelle Konsequenzen bei den Christsozialen gefordert. "Der Parteivorsitzende und der Spitzenkandidat müssen ihre persönliche Verantwortung benennen. Und es muss auch zu personellen Konsequenzen kommen", sagte Röttgen dem Nachrichtenportal t-online mit Blick auf Seehofer und Ministerpräsident Markus Söder. "Mit diesem Ergebnis gibt es die CSU in ihrer Einzigartigkeit, wie wir sie seit 60 Jahren kennen, für die nächsten fünf Jahre nicht mehr." Diese Einzigartigkeit wiederherzustellen, werde nicht gelingen, "wenn man im Wesentlichen so weitermacht".



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dop/dpa



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