Innenministerium Ex-BDI-Mann Kerber wird Staatssekretär bei Seehofer

Die Besetzung der offenen Führungspositionen im Innenministerium nimmt Formen an: Der ehemalige BDI-Hauptgeschäftsführer Markus Kerber wird nach SPIEGEL-Informationen einen Staatssekretärsposten besetzen.

Ex-BDI-Mann Kerber
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Ex-BDI-Mann Kerber


Am Freitag wird der neue Bundesinnenminister Horst Seehofer seine Agenda im Bundestag vorstellen - auch die Personallücken in seinem Haus schließen sich so langsam: Ein Staatssekretärsposten soll nach SPIEGEL-Informationen an den ehemaligen Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Markus Kerber, gehen.

Der 54-jährige Kerber, derzeit Aufsichtsratsmitglied der Commerzbank, ist eine überraschende Wahl - nicht nur, weil der frühere Abteilungsleiter im Finanzministerium von Wolfgang Schäuble (CDU) der Politik und dem Staatsdienst eigentlich vor Jahren den Rücken gekehrt hatte. Von 2011 bis 2017 war er BDI-Hauptgeschäftsführer.

Vor allem aber vertrat Kerber in seiner Zeit beim Industrieverband Positionen zur Flüchtlingspolitik, die nicht unbedingt deckungsgleich mit denen seines künftigen Chefs sind: Anders als CSU-Chef Seehofer bezeichnete Kerber auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise die nach Deutschland kommenden Menschen ausdrücklich als Chance für das Land. "Die Wirtschaft sieht in der Zuwanderung erst einmal eine Chance, Fachkräfte zu finden", sagte Kerber im September 2015 der "Zeit".

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Später warnte er allerdings auch vor den Risiken der Flüchtlingspolitik: "Die Integration darf nicht vor der Turnhalle enden", sagte Kerber auf dem Arbeitgebertag Ende 2015. "Momentan tut sie das aber." So scharfe Töne wie Seehofer (Stichwort: "Herrschaft des Unrechts") schlug er jedoch nie an.

In seiner bisherigen Form hatte das Ministerium drei beamtete Staatssekretärsposten gehabt - durch die Erweiterung um die Bereiche Bau und Heimat sollen es künftig fünf sein. Mit Kerber sind nun drei dieser fünf Positionen besetzt. Bleiben werden voraussichtlich die Staatsekretäre Klaus Vitt und Hans-Georg Engelke. Deren bisherige Kollegin Emily Haber hat das Haus verlassen. Der neue Staatssekretär Kerber soll sich dem Vernehmen nach um den Bereich Heimat kümmern - er wäre dann wohl auch zuständig für die Islamkonferenz, die Seehofer fortführen will.

Auch sonst ist mit Blick auf die künftige Funktionsweise des Seehofer-Ministeriums und die erweiterten Zuständigkeiten noch vieles unklar. Alleine für den Heimat-Bereich sind über 100 Stellen neu zu besetzen.

Wie funktioniert die Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen vollautomatisierten Verfahren. Alle repräsentativen Echtzeitumfragen werden in einem deutschlandweiten Netzwerk aus mehr als 20.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"), es werden also nicht nur Nutzer von SPIEGEL ONLINE befragt. Jeder kann online an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse schließlich nach weiteren soziodemografischen Faktoren und Wertehaltungen der Abstimmenden gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in den Civey FAQ.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage und beim Regierungsmonitor umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht vollautomatisiert auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?
In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
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Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Sie dienen allein dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden.

Wer steckt hinter Civey?

Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Zur Erhebung seiner repräsentativen Umfragen schaltet die Software des 2015 gegründeten Unternehmens Websites zu einem deutschlandweiten Umfragenetzwerk zusammen. Neben SPIEGEL ONLINE gehören unter anderem auch der "Tagesspiegel", "Welt", "Wirtschaftswoche" und "Rheinische Post" dazu. Civey wurde durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

ama/flo

insgesamt 5 Beiträge
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alex77lubu 22.03.2018
1. Die Besetzung der Ministerien
Mit Industrie-Lobbyisten geht weiter. Mir schwant Böses für den kleinen Mann.
BettyB. 22.03.2018
2. Gute Wahl
Da Seehofer sich als zukünftiger Kanzlerkandidat positionieren will, um wenigstens mit Steuber, aber auch mit Strauß gleichzuziehen, setzt er zu recht indirekt auf die Unterstützung der Industrie. Kluger Schachzug, da damit das S in CSU etwas weniger aggressiv wirkt.
Markus Frei 22.03.2018
3. Konsequent
Also ich finde das nur gerecht, die SPD vergibt das Finanzministerium an die Bankenlobbyisten, da kann die CDU doch auch das Innnenministerium an die Industrielobbysten geben. Ich denke mal das momentan die AfD und Linken Ihr Glück kaum fassen können. Aber es dürfte spannend werden wenn die Sicherheit der Bürger in Zukunft nach wirtschaftlichem Profitstreben gehandhabt wird.
reifenexperte 24.03.2018
4. Markus Kerber
Unerwähnt bleibt das grottenschlechte liberalistische Globaliesierungsbuch, dass er zusammen mit Schäuble in den '90er Jahren verfasst hat. Diese spätere Politik hat Deutschlands Bürger Milliarden gekostet. Und gabs dann zwischenzeitlich nicht auch mal ne Pleite mit einer EDV Firma in London? In meinen Augen eine zwielichtige Gestalt und vielleicht eine letzte Bastion für Schäuble.
Hans58 25.03.2018
5.
Zitat von reifenexperteUnerwähnt bleibt das grottenschlechte liberalistische Globaliesierungsbuch, dass er zusammen mit Schäuble in den '90er Jahren verfasst hat. Diese spätere Politik hat Deutschlands Bürger Milliarden gekostet. Und gabs dann zwischenzeitlich nicht auch mal ne Pleite mit einer EDV Firma in London? In meinen Augen eine zwielichtige Gestalt und vielleicht eine letzte Bastion für Schäuble.
OT: Würden Sie freundlicherweise den Titel des "Globalisierungsbuchs" nennen, welches Kerber zusammen mit Schäuble verfasst haben soll. Danke. M.E. gibt es nur ein Buch, in dessen Zusammenhang Schäuble und Kerber genannt werden: Titel "Der fröhliche Sisyphos: Für Wolfgang Schäuble" Herausgeber: Bruno Kahl, Markus Kerber, usw. (rund 20 Herausgeber) Erscheinungsjahr: 2012
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