Seehofer gegen Rücktritt "Ich habe ein großes Werk zu verrichten"

Sind Horst Seehofers Tage als CSU-Chef nach der Bayern-Wahl gezählt? Nicht, wenn es nach dem Bundesinnenminister selbst geht. Er kündigt an, er habe noch eine Mission zu erfüllen.

Seehofer (CSU)
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Seehofer (CSU)


Eine Woche vor der Landtagswahl in Bayern gibt sich der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer unverändert kämpferisch: Trotz schlechter Umfragewerte sei die absolute Mehrheit für seine Partei weiterhin "grundsätzlich" möglich, sagte der Politiker der "Welt am Sonntag". Seehofer wies den Vorwurf zurück, für das Umfragetief verantwortlich zu sein. An einen Rücktritt nach der Bayernwahl denke er nicht: "Ich habe ein großes Werk zu verrichten."

Bei der Landtagswahl in Bayern am 14. Oktober droht der CSU ein Debakel: In Umfragen liegen die Christsozialen bei 33 bis 35 Prozent, bei der Wahl 2013 hatten sie noch 47,7 Prozent erreicht. Die CSU muss davon ausgehen, ihre absolute Mehrheit zu verlieren und auf einen oder sogar zwei Koalitionspartner angewiesen zu sein. In der Partei hat die Suche nach dem Schuldigen bereits begonnen.

CSU-Spitzenkandidat und Ministerpräsident Markus Söder machte bereits die große Koalition auf Bundesebene für die schlechten Umfragewerte in Bayern verantwortlich - und somit auch Seehofer. Der Parteichef wies den Vorwurf nun entschieden zurück. "Ich habe mich in den letzten sechs Monaten weder in die bayerische Politik noch in die Wahlkampfführung eingemischt", sagte Seehofer der "Süddeutschen Zeitung". Für die Strategie im Landtagswahlkampf sei der Ministerpräsident zuständig.

"Diese Mission will ich erfüllen"

Seehofer betonte mit Blick auf den Streit in der großen Koalition in der Flüchtlingspolitik: "In der Migrationsdebatte und bei der Frage der Zurückweisung von Flüchtlingen an der Grenze haben wir bis August alles gemeinsam gemacht." Alle seien eingebunden gewesen. "Das geschah nicht gegen, sondern auf Bitten aus Bayern."

Seehofer stellte zudem klar, dass er seine politischen Aufgaben noch nicht als erledigt ansieht. "Ich will, dass die Politik wieder mehr auf die Anliegen der Bevölkerung schaut, für Recht und Ordnung sorgt, den Menschen Sicherheit gibt, auch soziale Sicherheit, und die Dinge im Griff hat", sagte er. "Diese Mission werde ich erfüllen."

Schon als Gesundheitsminister habe er gelernt, "was ein Haifischbecken ist", fügte der Innenminister hinzu. "Politik ohne Kritik und Konflikte ist nicht zu haben."

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) räumte hingegen ein, dass die Konflikte in der Großen Koalition vor der Landtagswahl in Bayern sowie in Hessen die Stimmung in den beiden Bundesländern belasten. Sie wisse, "dass wir durch unseren Streit dazu beigetragen haben, dass die Umfragen so sind wie sie sind", sagte Merkel am Samstag auf dem Deutschlandtag der Jungen Union in Kiel. In Hessen droht Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) die Abwahl seiner schwarz-grünen Landesregierung.



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