Neuer Innenminister Für Seehofer gehört der Islam nicht zu Deutschland

Gerade erst hat Horst Seehofer sein Amt als Bundesinnenminister angetreten. In einem Interview spricht er nun über Muslime in Deutschland, über die Flüchtlingskrise und den Begriff Heimat.

Moschee in Duisburg (Archivbild)
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Moschee in Duisburg (Archivbild)


Wolfgang Schäuble sagte es 2006. Christian Wulff wiederholte es 2010. Angela Merkel schloss sich 2015 der Äußerung an: Der Islam gehöre zu Deutschland. Der neue Bundesinnenminister Horst Seehofer sieht das anders. In einem Interview mit der "Bild"-Zeitung sagte der CSU-Politiker: "Der Islam gehört nicht zu Deutschland. Deutschland ist durch das Christentum geprägt."

Zwar gehörten die im Land lebenden Muslime zu Deutschland. "Das bedeutet natürlich nicht, dass wir deswegen aus falscher Rücksichtnahme unsere landestypischen Traditionen und Gebräuche aufgeben." Seine Botschaft laute: "Muslime müssen mit uns leben, nicht neben oder gegen uns." Dazu brauche es gegenseitiges Verständnis und Rücksichtnahme, und das erreiche man nur, wenn man miteinander spreche.

Seehofer kündigte an, erneut Islamkonferenzen einzuberufen, um über Integrationsprobleme von Muslimen zu diskutieren. "Wir müssen uns mit den muslimischen Verbänden an einen Tisch setzen und den Dialog suchen und da wo nötig noch ausbauen." Mit Hochdruck will Seehofer zudem die Einrichtung zentraler Aufnahmestellen ("Anker-Zentren") vorantreiben, in denen Asylbewerber nach ihrer Ankunft untergebracht werden sollen, bis über ihren Antrag entschieden ist.

Seehofer hat das Amt gerade erst von Thomas de Maizière übernommen, bei der Amtsübergabe fand er freundliche Worte für seinen Vorgänger. "Wenn man eine Person in Deutschland malen müsste, die für Dienst an der Sache und den Menschen steht, dann ist es Thomas de Maizière", sagte Seehofer laut Teilnehmern. Das Innenministerium hat 1500 direkte Beschäftigte und 60.000 in nachgeordneten Behörden. Zuständig ist es für Sicherheit, Flüchtlingsintegration, Informationstechnik, Sportförderung, gesellschaftlichen Zusammenhalt und Verfassungsfragen.

Seehofer: "Politik ist Dialog. Darin bin ich gut."

In dem Zeitungsinterview sagte Seehofer, er freue sich sehr auf die neue Aufgabe in Berlin. Er sei "natürlich" ein Teamplayer. "Politik ist Dialog. Darin bin ich gut." Beim Thema Flüchtlingskrise kündigte Seehofer eine harte Gangart an. "Der Bund wird beim Thema Abschiebung künftig mehr Verantwortung übernehmen." Er vertrete schon seit Jahren die These: "Die Integrationsfähigkeit unserer Gesellschaft ist endlich und wir dürfen nicht zulassen, dass diese überstrapaziert wird."

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Übergabe in den Ministerien: Die Neuen sind da

Als "große Aufgabe" bezeichnete Seehofer, die Spaltung Deutschlands zu überwinden. Dafür sei er Heimatminister. "Es ist dumm, Heimat nur mit Folklore gleichzusetzen. Das geht an der Lebenswirklichkeit und den Bedürfnissen der Menschen vorbei."

Söder will in Bayern Manager und Kümmerer sein

Markus Söder
AFP

Markus Söder

In der bayerischen Staatskanzlei wird Markus Söder auf Seehofer folgen. Er soll am Freitag zum neuen Ministerpräsidenten gewählt werden. Er wolle "Manager Bayerns" werden, sagte Söder im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung". Gleichzeitig werde er sich in seinem neuen Amt "auch als Kümmerer" verstehen. Seine Grundphilosophie heiße "Bayern plus": Wenn der Bund etwas beschließe, "legen wir noch eine Schippe drauf".

Über die Doppelspitze mit seinem Rivalen Seehofer sagte Söder: "Ich bin sehr zufrieden, wie wir uns jetzt aufgestellt haben." Seehofer habe "als Parteivorsitzender am Kabinettstisch eine starke und zentrale Funktion".

aar/dpa



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Seite 1
danreinhardt 16.03.2018
1. Beim Meister gelernt
In dem Artikel ließen sich Seehofer einfach durch Trump und Deutschland durch Nordamerika ersetzten, niemand würde es merken. Die gleiche Polemik, die gleiche Selbstherrlichkeit, da hat sich jemand Populismus abgeschaut. Obwohl er in der Sache vielleicht Recht haben mag, ob das bloß der richtige Weg ist?
BoMbY 16.03.2018
2. Überraschung!
Seehofer war schon immer eher auf der äußeren rechten Seite ... Sucht einfach mal im Spiegel-Archiv ...
hanfbauer2 16.03.2018
3. tja - wer gehört jetzt zu Deutschland?
Wenn der Islam laut Seehofer nicht dazugehört, wie schaut es dann mit anderen religösen Gruppen aus, die ebenfalls aus dem Raum stammen der üblicherweise nicht zu "Deutschland" gezählt wird: Hugenotten, Buddisten, Mennoninten, Orthodoxe, Juden, Hindus, Zeugen Jehovas, Bahai usw. Soll das Bundesverfassungsgericht jetzt entscheiden - wer warum dazu gehört und wer nicht? Ach ja: die ersten Moscheen in Deutschland wurden von ehemaligen Nazi-Kollaborateuren gegründet, die nach dem Zweiten Weltkrieg in ihren Herkunftsländern nicht mehr sicher waren und deshalb von den Nazis nach Deutschland gebracht wurden (Hintergrund: sie wären sonst von den Briten nicht besonders pfleglich behandelt worden...).
vudravia 16.03.2018
4.
Der Gute Herr Seehofer hat (ausnahmsweise) recht, der Islam gehört in den nahen Osten nicht hierher.
gerollheimer 16.03.2018
5. Herrje...
Dass unsere ach so klugen Koepfe es nicht verstehen, dass die eigentliche kulturelle Leistung in Europa darin bestand, die Kirchen in die Schranken zu weisen und Toleranz und Menschenrechte unabhaengig vom jeweiligen Glauben zu verteidigen. Diese Kulturleistung hat uns in den letzten 200 Jahren die christlichen Eiferer vom Hals geschafft und diese Kraft sollte genauso die muslimisch oder anderweitig Intoleranten in die Schranken weisen. Der Glauben ist politisch gesehen in Europa und insbesondere in Deutschland Privatsache und nicht mehr. Das sollten auch zugewanderte Gläubige gleich welcher Glaubensrichtung verstehen. Europa hat in seiner Geschichte genug unter den Kirchen gelitten und es nicht verdient, erneut seine liberalen Werte verteidigen zu müssen. Welchen unsinnigen Knicks und vor wem machten hier der leider ungeschickte Herr Wulff, Herr Schäuble, den ich eigentlich schätze, und unsere Meinungsinstitutskanzlerin. Worin besteht der Sinn dieser Bekenntnisse. Reicht es nicht als vollwertiger Bürger in diesem Land anerkannt zu werden?
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