Islamdebatte Seehofer über Merkel verärgert

Horst Seehofer ist sauer über Angela Merkels offenen Widerspruch in der Islamdebatte. "Dafür fehlt mir jegliches Verständnis", sagt der Innenminister dem SPIEGEL. Die CDU reagiert genervt.


Der Konflikt zwischen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Innenminister Horst Seehofer (CSU) über den Umgang mit dem Islam spitzt sich zu. "Ich werde meine Politik nicht um ein Jota ändern", sagte Seehofer dem SPIEGEL.

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Heft 13/2018
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Merkel hatte zuvor in ihrer Regierungserklärung im Bundestag am vergangenen Mittwoch Seehofers These widersprochen, wonach der Islam nicht zu Deutschland gehöre. Weil inzwischen Millionen Muslime in Deutschland lebten, sei auch deren Religion Teil des Landes, hatte Merkel erklärt.

Seehofer hatte die Äußerung Merkels, die ihn nach SPIEGEL-Informationen völlig unerwartet traf, zutiefst verärgert. Es sei vollkommen unnötig gewesen, ihm öffentlich zu widersprechen. "Dafür fehlt mir jegliches Verständnis", so Seehofer. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

In der CSU-Führung ist Seehofers Linie Konsens. Die AfD könne nur bekämpft werden, wenn die Union auch Themen der Rechtspopulisten besetze, so die Überzeugung der Parteispitze. CSU-Generalsekretär Markus Blume betonte daher: "Wir werden bei der Islamdebatte nicht lockerlassen. Es bleibt richtig, was Horst Seehofer gesagt hat und die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung denkt: Der Islam gehört nicht zu Deutschland."

Kritik an dieser Haltung kommt vom saarländischen Ministerpräsidenten Tobias Hans (CDU). "Ob der Islam zu Deutschland gehört oder nicht, ist eine unsinnige Debatte", sagte Hans dem SPIEGEL. "Welche Religion zu unserem Land gehört und welche nicht, entscheidet nicht die Politik." Wer Rechtsordnung und Wertvorstellungen in Deutschland akzeptiere und sich integriere, der gehöre zu Deutschland.

Auch der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Daniel Günther warnt die CSU davor, sich in "Scheindebatten" zu verzetteln. Es gehe jetzt darum, konkrete Politik umzusetzen.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - ab Samstagmorgen erhältlich.

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ran/rp



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Seite 1
kroller658 23.03.2018
1. Ich kann ihn verstehen
Wenn ein Abgeordneter wirklich nur seinem Gewissen verantwortlich ist und Herr Seehofer dieser Meinung ist, sollte er sie auch äussern können, ohne dass ihm von der Kanzlerin in die Parade gefahren wird. Sie hat nicht immer Recht!
Strichnid 23.03.2018
2.
Da bleibt wohl nur noch die Entlassung. Und am besten Spahn gleich hinterher schicken. Beide wegen eklatanten Verstoßes gegen den Geist des Koalitionsvertrags ("Zusammenhalt stärken") und wegen der offen gezeigten Ablehung von wichtigen Inhalten des Grundgesetzes. Und das als Innenminister.
Fuxx81 23.03.2018
3. Guter Cop, böser Cop
Wie in der letzten Legislaturperiode versucht die Groko gleichzeitig Regierung und Oposition zu sein: wer für Merkels Politik ist, wählt Union (wegen Merkel) und wer gegen Merkel ist auch (wegen Seehofer). Ob dieser Plan mit der AfD im Parlament noch einmal aufgeht, ist zweifelhaft.
Joe5 23.03.2018
4. Er sollte zurücktreten
Als Innenminister hat er sich sofort disqualifiziert. Wenn er meint, in Bayern Wahlkampf mit den Methoden und Parolen der AfD machen zu müssen (was ich auch taktisch für eine Dummheit halte), dann soll er das dort machen. Das ist aber mit der Aufgabe des bundesdeutschen Innenministers inkompatibel.
menton 23.03.2018
5. MIR fehlt jedes Verständnis...
... dafür, ausschließlich zur Provokation solche inhaltsleeren Statements, wie das von Seehofer abzugeben! Was soll das heißen: Eine Religion "gehört / gehört nicht zu Deutschland"? Hat das irgendeinen inhaltlichen Kern? Gehört überhaupt eine Religion zu einem doch wohl laizistischen Staat? Eine mehr als die andere? Was soll das? Das ist doch nichts als Unfug! Und darüber streiten sich die Politiker allen Ernstes? Haben die denn keine Arbeit zu erledigen?
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