Vorwurf der Untätigkeit Seehofer verteidigt Behörden nach Datenskandal

In der Debatte um den Datenklau hat sich Horst Seehofer vor die Behörden gestellt. Im privaten Bereich sei zunächst jeder selbst für den Schutz seiner Daten verantwortlich, sagte der Innenminister.

ADAM BERRY/EPA-EFE/REX

Nach dem Klau der Daten von Hunderten Prominenten und Politikern hat es den Vorwurf gegeben, die Behörden seien zu lange untätig gewesen. Innenminister Horst Seehofer nahm diese nun in Schutz. Die zuständigen Behörden hätten "sehr rasch, sehr effizient und sehr gut rund um die Uhr gehandelt", betonte der CSU-Politiker in Berlin bei einem gemeinsamen Auftritt mit dem Präsidenten des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), Arne Schönbohm, und dem Präsidenten des Bundeskriminalamts (BKA), Holger Münch.

Der 20 Jahre alte Tatverdächtige sei schon am vergangenen Sonntag identifiziert worden, sagte Seehofer und betonte: "Wir machen in so wichtigen Angelegenheiten also unsere Arbeit." Dann erklärte der Innenminister, die Löschung der von dem mutmaßlichen Täter ins Internet gestellten Daten dauere an.

Der Verdächtige soll über das inzwischen gesperrte Twitter-Konto @_0rbit im Dezember etliche persönliche Daten von Politikern und Prominenten als eine Art Adventskalender veröffentlicht haben. Etwa 50 Fälle sind laut Bundesinnenministerium schwerwiegender, weil größere Datenpakete wie Privatdaten, Fotos und Korrespondenz veröffentlicht worden waren.

Der Mann war nach der Durchsuchung seiner Wohnung zunächst vorläufig festgenommen worden, wurde nach einem umfassenden Geständnis wegen fehlender Haftgründe am Montagabend aber wieder freigelassen.

Sicherheitslage habe sich nicht geändert

Die Sicherheitslage in Deutschland habe sich nach Behördeneinschätzung durch den Fall nicht verändert, sagte Seehofer. Absolute Sicherheit könne gerade bei Cybersicherheit nicht versprochen werden.

Wichtig sei ein "risikobewusstes Handeln" jedes Einzelnen, sagte der CSU-Politiker. Das betreffe Anwender, Nutzer und Anbieter gleichermaßen. Zunächst trage jeder im privaten Bereich selbst die Verantwortung für den sicheren Umgang mit dem Schutz von sensiblen Daten. Sorglosigkeit "wäre vollständig fehl am Platze".

Der Innenminister kündigte ein einheitliches IT-Sicherheitskennzeichen an. Dadurch solle die IT-Sicherheit für Bürger sichtbar gemacht werden. Ein anderer wesentlicher Punkt sei die Zertifizierung der Geräte, etwa der Router. Die Bevölkerung solle erkennen, dass es sich um ein Gerät mit höchstmöglicher Sicherheit handle.

kev/dpa/Reuters



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