GroKo-Gespräche mit der SPD Seehofer will sich Verhandlungsführung nicht mit Söder teilen

Klares Signal von Horst Seehofer an Bayerns designierten Regierungschef Markus Söder: Für die Verhandlungen mit der SPD über eine Große Koalition sei er federführend zuständig, macht der CSU-Chef im SPIEGEL deutlich.

CSU-Chef Seehofer
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CSU-Chef Seehofer


CSU-Chef Horst Seehofer hat klargestellt, dass er sich in den anstehenden Gesprächen mit der SPD über eine Große Koalition die Verhandlungsführung nicht mit dem designierten bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder teilen wird. "Der Parteichef führt die Verhandlungen, es geht da ja schließlich um die Bundespolitik der CSU", sagte Seehofer dem SPIEGEL. (Lesen Sie hier das ganze Gespräch im neuen SPIEGEL.)

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Gleichzeitig markierte er erste inhaltliche rote Linien für die Sondierungen mit den Sozialdemokraten. So werde es mit der CSU keinesfalls eine Bürgerversicherung geben. "Bei der Bürgerversicherung gibt es viele Probleme, die ungelöst sind", sagte Seehofer: "Ich sehe nicht, wie man sie so umsetzen kann, dass sie nicht für große Ungerechtigkeiten sorgt."

Auch den Plan von SPD-Chef Martin Schulz, bis zum Jahr 2025 die Vereinigten Staaten von Europa zu erreichen, erteilte Seehofer eine klare Absage. Das Vorhaben werde "sicher Utopie bleiben", erklärte der CSU-Chef.

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Seehofer hatte in dieser Woche erklärt, dass er im ersten Quartal 2018 das Amt des bayerischen Regierungschefs an Söder abgeben wird. Sollte es zu Koalitionsverhandlungen mit der SPD kommen, wird Söder auch Teil der CSU-Verhandlungsdelegation sein. Bei den Jamaika-Gesprächen war das noch nicht der Fall.

Ende kommender Woche trifft sich die CSU zu einem Parteitag in Nürnberg. Trotz des Verzichts auf das Amt des Ministerpräsidenten will Seehofer dort noch einmal zur Wahl des CSU-Chefs antreten.

Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version hieß es in der Überschrift, Seehofer wolle nicht zusammen mit Söder verhandeln. Tatsächlich wird Söder mit am Tisch sitzen. Seehofer beansprucht für sich aber die Verhandlungsführung.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - ab Samstagmorgen erhältlich.

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insgesamt 58 Beiträge
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schwaebischehausfrau 08.12.2017
1. Kein Wunder..
Seehofer ist ein Umfaller. Seit Jahren knickt er immer wieder vor Merkel ein, nachdem es vorher immer markige Sprüche gab. Seehofer ist der Hauptgrund für das CSU-Debakel bei der Bundestagswahl und seine Partei hätte ihn besser gleich komplett aus dem Verkehr gezogen ("politisch entsorgt" zu sagen , ist ja nicht mehr politisch korrekt). Seehofer wird auch in den Groko-Verhandlungen wieder einknicken und damit der CSU als Abschiedsgeschenk auch noch ein Debakel bei den Landtagswahlen in Bayern bescheren.
Listkaefer 08.12.2017
2. Jetzt ist das Fass aber wirklich ...
... übergelaufen. Der größte Provinzpolitiker aller Zeiten kann sich nicht von Macht und Amt verabschieden und lässt weiterhin seinen Nachfolger am Rande stehen. Er klebt im Amt wie ein Mugabe in Simbabwe! Wenn die CSU nicht eine Ansammlung von Hampelmännern ist, müsste sie auf ihrem Parteitag Seehofer aus dem Amt fegen!
spontanistin 08.12.2017
3. Amigo–Lachnummer!
Die CSU–Spitzen–Funktionäre entblöden sich täglich mehr. Gestern bei Illner meinte Söder, dass man auch (!) die Interessen der Bürger bedienen müsse. Priorität haben also andere Interessen. Wie so denn nun eine Regionalpartei wie die CSU mit Meister Seehofer Bundespolitik machen können? Es geht doch wieder nur um bayrische Sonderinteressen, angefangen mit teuren unterirdischen Stromtrassen, Verbot von Windenergieanlagen und Pöstchen bei der Maut–Behörde für verdiente Parteifreunde!
harms 08.12.2017
4. Zwergenaufstand
Seehofer hat doch schon die Jamaika-Sondierungen erfolgreich - und glücklicherweise - torpediert. Jetzt versucht er es noch mal ? Rache an dem Streber und Egomanen Söder? Ich finds toll - ne echte Soap. Was den Grad der Antipathie betrifft tun sich Beide nix.
rolantik 08.12.2017
5. Unglaubliches Vorgehen unter Parteifreunden
Man sollte nicht glauben, wozu Seehofer alles fähig ist. Dies sollte eigentlich Anlass für einen totalen Führungswechsel bei der CSU sein. Die CSU ist eine regionale Partei und hat keine Kompetenz bei Fragen, die ganz Deutschland betreffen. In allen Diskussion und Talkrunden wird immer nur von Bayen gesprochen, wie toll dort alles ist etc. Kein einziger Ansatz für das Denken über den Tellerrand. Seehofer bleibt ein Provinzpolitiker und sollte schnell seinen Platz räumen. Auch taktisch voll daneben, denn jetzt Forderungen an eine GroKo zu stellen, wo man selbst nichts zu bieten hat, ist geradezu grotesk. Wann spricht Frau Merkel einmal ein Machtwort und trennt sich von diesen nur lokal denkenden Politikern, das gäbe einen Schun für die CDU nach vorne und sie hätte diesen Klotz am Bein los.
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