Machtkampf in der CSU Seehofer schmiedet Anti-Söder-Plan

Eigentlich wollte Horst Seehofer 2017 den CSU-Vorsitz abgeben. Doch um einen Aufstieg Markus Söders zu verhindern, verfolgt der Parteichef nach SPIEGEL-Informationen eine andere Strategie.

CSU-Politiker Markus Söder, Horst Seehofer
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CSU-Politiker Markus Söder, Horst Seehofer


In der CSU spitzt sich der Machtkampf zwischen Parteichef Horst Seehofer und dem bayerischen Finanzminister Markus Söder zu. In der Partei hieß es von mehreren Seiten, Seehofer sei entschlossen, den Aufstieg Söders zum Parteichef zu verhindern.

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Heft 10/2016
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Nach SPIEGEL-Informationen hat Seehofer eine neue Idee ersonnen: Demnach soll es auf dem nächsten Parteitag Ende dieses Jahres eine außerplanmäßige Wahl des Parteivorsitzenden geben, bei der sich Seehofer noch einmal für zwei Jahre im Amt bestätigen lassen will. Ursprünglich war es Seehofers Plan, sein Amt bei der nächsten regulären Wahl Ende 2017 abzugeben.

Aus Sicht des Parteichefs hat dies allerdings mehrere Nachteile. Zum einen würde das Gerangel um seine Nachfolge mitten in den Bundestagswahlkampf 2017 fallen. Und falls er Söders Aufstieg nicht verhindern könnte, hätte er dann einen Finanzminister am Kabinettstisch sitzen, der mit der Macht des Parteichefs die Richtlinien der Politik bestimmen würde.

Mehrere "Fouls" von Söder

Eine endgültige Entscheidung über den Plan soll erst fallen, wenn der weitere Verlauf der Flüchtlingskrise absehbar ist. Sollte der Streit mit der CDU weiter eskalieren, sei Seehofer entschlossen, bis 2018 Parteichef zu bleiben.

In Seehofers Umfeld hieß es, Söder habe sich zuletzt mehrere "Fouls" geleistet. So habe er in der Flüchtlingskrise ohne Abstimmung mit den Parteichefs eine "Generalaussprache" der Vorstände von CDU und CSU gefordert.

In der CSU wird der Streit zwischen Söder und Seehofer mit zunehmender Sorge beobachtet. Der CSU-Ehrenvorsitzende Edmund Stoiber fürchtet, dass sich eine Eskalation kaum noch vermeiden lässt und Söder eine Kampfabstimmung auf dem CSU-Parteitag ansteuert, sollte Seehofer nicht freiwillig weichen.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 122 Beiträge
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Seite 1
titzck 05.03.2016
1. Sympathieträger
Seehofer und Söder sind beide keine wahren Sympathieträger. Dieses Machtgerangel ist schauerlich. Und meistens gilt: Wenn zwei streiten, freut sich ein Dritter.
leidenfeuer 05.03.2016
2. Ob es einem gefällt oder nicht...
Söder verhindern zu wollen, wäre sicher ein Fehler. Deutschland hat heute einen erheblichen Mangel an solchen politisch hochbegabten und entscheidungsfreudigen Persönlichkeiten wie Söder.
helle_birne 05.03.2016
3. Ein Machtkampf in der CSU
mitten im Bundestagswahlkampf 2017 und im Landtagswahlkampf 2018 - die AfD, die in der Flüchtlingspolitik umsetzen würde, was die CSU nur ankündigt, wird es leider freuen ...
vogelskipper 05.03.2016
4.
Mit Söder kann es bei dem Verein nur noch schlimmer werden. Ein Dobrindt wäre ja auch noch da, falls sich die beiden Alphatiere in ihrem Machtkampf endgültig zerfleischen würden. Wirklich fähige Leute sehe ich bei denen sowieso nicht. Ich finde es im Grunde schon unerträglich, auf was für einem Niveau und wie in der CSU Parteipolitik diese Machtansprüche ausgetragen werden. Das mutet eher an wie in einem kleingeist Verein. Demokratie sieht für mich anders aus.
Champagnerschorle 05.03.2016
5. unglaublich
Herr Seehofer sollte eigentlich zum Wohle der Menschen im Bundesland agieren. Er macht uns Bayern jedoch mit seinen emotionalen Aktionen lächerlich, macht sich mit Diktatoren und der Rechten gemein und verrät christliche und soziale Werte. Das er der CDU und Frau Dr. Merkel das Leben schwer macht wo er kann wird gemeinhin als Kasperltheater toleriert, daß er nun noch den Seppl mit auf die Bühne holt und damit einen noch größeren Flurschaden riskiert ist kaum mehr akzeptabel.
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