Huber in Zagreb "Novi predsjednik CSU-a"

Strahlend über den Dächern von Zagreb: Der frisch gewählte CSU-Vorsitzende Huber empfindet auf der Jungfernreise in neuer Funktion politische Glücksgefühle. Den kroatischen Gastgebern verspricht er Hilfe beim EU-Beitritt, sich selbst eine große Zeit.

Aus Zagreb berichtet


Zagreb – Ach, wie ihm diese Worte gefallen. Überall, wo er heute hinkommt, darf er sie hören: "Novi predsjednik CSU-a" – der neue CSU-Vorsitzende. Erwin Huber versteht kein kroatisch, doch diese drei Worte erschließen sich ihm intuitiv. Ein Siegerlächeln zieht dann über seine Lippen, die Augen glänzen und die Brauen zieht er hoch. Da steht er zum Beispiel neben Ivo Sanader. Der ist kroatischer Ministerpräsident von der konservativen HDZ-Partei. Huber nennt ihn: "mein Freund". Und Ivo Sanader sagt: "Novi predsjednik." Da strahlt der neue CSU-Chef.

Am Samstag ist Erwin Huber zum siebten Vorsitzenden in der Geschichte der bayerischen Christenunion gewählt worden und hat Edmund Stoiber beerbt. Seine Jungfernreise im neuen Amt führt ihn nach Kroatien, nach Zagreb. Seit jeher sind die bayerisch-kroatischen Beziehungen eng, die Süddeutschen machen schon lange gemeinsam mit Österreich Druck, damit Kroatien schnellstmöglich der EU beitreten darf. Läuft alles glatt, ist es schon 2009 soweit. Hubers eintägige Visite bei den Freunden von der Adria ist eigentlich eine Reise in seiner Funktion als Bayerns Wirtschaftsminister: Schon lange geplant, mit einer Unternehmerdelegation im Schlepptau.

Doch seit drei Tagen spielt Erwin Huber in einer anderen Liga. Man spürt das an ihm. Etwa um Punkt zwölf Uhr an diesem Mittwoch. Da steht er vorm Palais des kroatischen Ministerpräsidenten Sanader. Doch der ist noch gar nicht soweit. Vielleicht ist er die notorischen Verspätungen des Ex-Kollegen Stoiber gewohnt. Was tun? Huber schlendert zum Zeitvertreib einfach ein bisschen über die kopfsteingepflasterten Straßen, vorbei an Häuserzeilen im k.u.k.-Charme – und trifft eine Gruppe junger Deutscher. Wenn er jetzt Glück hat, gibt es eine schöne Szene. Und Erwin Huber hat Glück. Einzelne aus der Gruppe rufen "Hallo-Herr-Huber" und "Das-ist-doch-der-neue-CSU-Typ". Perfekt.

Also geht Huber ran: "Wo kommt Ihr her?" - "NRW, Düsseldorf", antworten sie dem Strahlemann im dunklen Anzug mit dunkelroter Krawatte. "Macht Ihr Urlaub?" – "Nein, eine Konzertreise." Huber bläst die Backen auf: "Sie sind also Künstler?" – "Ja!" Dann lacht Huber: "Wir sind auch Künstler, aber politische."

"Macht Deutschland alle Ehre hier!"

Die Szene sagt viel aus über den Mann Huber. Am Samstag noch trat er bei seiner Bewerbungsrede angespannt und nervös vor die Parteitagsdelegierten. Stundenlang hatte er zuvor Salbei-Bonbons gelutscht und gleichnamigen Tee geschlürft. Er war erkältet, er war in Sorge. Nach der gewonnen Wahl (knapp 60 Prozent) und einem Auftritt im Berliner Koalitionsausschuss blinzelt der 61-Jährige an diesem Mittwoch munter in die noch kräftigen Sonnenstrahlen über Zagreb.

Nach Verabschiedung der NRW-Gruppe ("Macht Deutschland alle Ehre hier!"), verursacht er – mitten auf der Straße für die Fotografen posierend - noch einen kleinen Stau inklusive Hupkonzert, danach steht er an einem Aussichtspunkt, lehnt lässig am Geländer - und hinter ihm schimmern die Dächer von Zagreb.

An Erwin Huber ist zu beobachten: CSU-Chef, das muss ein großartiges Gefühl sein.

Bei seiner letzten großen Auslandsreise nach Moskau musste er noch abseits von Stoiber und Präsident Wladimir Putin auf einem Beistell-Bänkchen Platz nehmen. Die beiden Staatenlenker dagegen diskutierten die Weltpolitk, Huber durfte zuhören. Jetzt marschiert er in des Kroaten Sanader Amtszimmer, bestellt pflichtschuldig "schöne Grüße von Edmund Stoiber". Dann reden die beiden über den EU-Beitritt Kroatiens. Huber danach: "Wir Bayern werden Rückenwind geben." Der Wunsch Sanaders, die vor genau zwei Jahren begonnenen Verhandlungen bis spätestens 2009 abzuschließen "findet unsere volle Unterstützung", so Huber.

Das Problem Kroatiens: Verwaltung und Justiz gelten als weithin korrupt und politisiert, die EU erwartet deutliche Verbesserungen.

Der fließend deutsch sprechende Sanader wird schließlich gefragt, ob er denn mit der bisherigen Geschwindigkeit der Verhandlungen zufrieden sei, ob es denn nicht vielleicht ein bisschen schneller gehen könne? "Im Leben ist man nicht immer zu hundert Prozent zufrieden", sagt er in seinem Palais, unterm kroatischen Lüster mit rund 60 Energiesparlampen. Nicht zufrieden? Zehn Zentimeter neben Sanader steht einer, der sich gerade zu mindestens hundert Prozent wohl fühlt in seiner Haut: Erwin Huber grinst äußerst breit.

Ein Prosit auf die Gemütlichkeit

Der neue CSU-Chef sagt dann noch, dass er "die außenpolitische Kompetenz" seiner Partei stärken und die "internationalen Beziehungen intensivieren" wolle. Noch mehr Reisen als Stoiber? Unglaublich. Huber hat zudem bereits angekündigt, noch häufiger als sein Vorgänger in Berlin auftreten zu wollen. Möglich ist das durchaus, denn Huber ist als Landesminister terminlich natürlich weit weniger beansprucht als ein Ministerpräsident.

Der Kroatien-Besuch wirkt wie eine Frischzellenkur auf Erwin Huber: Er blüht auf. Die Erkältung vom Parteitag ist verflogen und am Mittwochabend gibt es auch noch etwas zu Feiern: den Tag der deutschen Einheit. Traditionell begehen ihn alle deutschen Botschaften in der Welt mit einem Festakt, die bundesrepublikanische Vertretung in Zagreb hat sich dieses Jahr außerdem unter die Schirmherrschaft der Bajuwaren begeben. Das heißt: Im "Alpe-Adria-Centar" der kroatischen Hauptstadt gibt es Bier von Paulaner sowie Musik von den "4 Hinterberger Musikanten", einer Gruppe aus Nussdorf am Inn.

Doch zu ihrem eigenen Bedauern sollen die Musikanten das Bayernlied ("Gott mit Dir, Du Land der Bayern") nicht spielen – es gehe ja schließlich um den Tag der deutschen Einheit, heißt es. So bringen sie also erst die kroatische, dann die deutsche Nationalhymne und später des Öfteren das musikalische Prosit auf die Gemütlichkeit.

Und dann darf Erwin Huber noch mal ran. Zum Thema des kroatischen EU-Beitritts ruft er den rund tausend Gästen zu, sie könnten sich darauf verlassen, "dass die Bundesrepublik, der Freistaat und auch die CSU diese Zielsetzung mit allem Nachdruck unterstützen werden". Das kommt prima an. Erwin Huber geht es gut.

Zum Schluss macht er noch einen Rundgang durchs "Alpe-Adria-Centar", schaut sich die Stände der aus Bayern angereisten Handwerker an: Zum Beispiel den eines Böttchers. Als der den nahenden Huber erblickt, versucht er sich im humoristischen Fach: "Sie werden nie ein großer Vorsitzender", sagt der Mann und weist auf Hubers nicht über einen Meter und siebzig Zentimeter hinausgehende Körpergröße hin.

Und Huber, der heute per se Gutgelaunte, entgegnet: "Ich werde mit Sicherheit kein langer Vorsitzender, aber die Chance zu einem großen habe ich."



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