Ideen der SPIEGEL-ONLINE-Leser Früher oder später - der unausweichliche Abschied vom Generationenvertrag


Florian Dömges

schreibt: "Um die Rentenkasse wirklich zu sanieren, bietet sich ein radikaler Schnitt an: Sofortige Umstellung von Umlagesystem auf ein kapitalgedecktes. Wer bereits einen Rentenanspruch erworben hat, wird bar entschädigt. Um das nötige Kapital aufbringen zu können wird mit der EU ausgehandelt, dass die einmalige Aktion Rentenumstellung nicht gegen das Defizitkriterium gerechnet wird. Mit der Barentschädigung können die Bürger eine kapitalgedeckte Alterssicherung erwerben. Die Tilgung des Monsterkredites wird auf eine möglichst breite Gruppe umgelegt (am gerechtesten wäre es sicher, wenn man die Summe auf alle RV-Mitglieder umlegen würde) und in der Art des Lastenausgleichs innerhalb von 30 Jahren getilgt. Bedenkt man, dass jährliche Beiträge zur Rentenversicherung in Höhe von 100 Milliarden Euro frei würden, sollte diese Aufgabe zu schultern sein."

Auch Oliver Kirwa fordert: "Aufhebung des Generationenvertrages. Vorteile: völlige Unabhängigkeit von der demographischen Entwicklung der Bevölkerungsstruktur, minimaler Verwaltungsaufwand, sehr transparentes und gerechtes System, kein Einfluss des Staates auf die Lebensarbeitszeit

Das bisherige Renten und Pensionssystem wird zum 1.7.2003 abgeschafft, bestehende und zukünftige Ansprüche werden aus Steuermitteln finanziert (höhere Einkommenssteuer oder befristete Rentensteuer analog zum Solidaritätsbeitrag).

Zeitgleich wird jeder Bürger (unabhängig davon ob selbstständig, Angestellter oder Beamter) einen bestimmten Prozentsatz seines unversteuerten Einkommens (z.B. 10%, bis zu einer Höchstgrenze) auf ein Vorsorge-Depot einzahlen. Der Beitrag wird vom Arbeitgeber direkt eingezahlt. Das Vorsorge-Depot wird ein ganz normales Depot bei einer beliebigen Bank sein mit dem in Anleihen, Fonds, Aktien etc. investiert werden kann, mit der Einschränkung, dass Auszahlungen erst im Alter von 60 Jahren möglich sind.

Erträge aus Zinsen, Dividenden etc. sind steuerfrei, es werden nur die Auszahlungen versteuert. Eine staatliche Mindestrente wird es nicht geben. Wer nicht vorsorgen konnte, wird Sozialhilfe beantragen müssen.

Stefano Hartl aus München schreibt: "Mutter aller Probleme ist ein nicht finanzierbares Sozialsystem, welches ohne Zuschüsse aus dem Haushalt nicht finanziert werden kann. Anstatt auf die Kostenseite zu achten wird an den Einnahmen gedreht. (...)

Aufgabe des Generationenvertrag und der ges. Krankenversicherung. Jeder finanziert sich selber. Durch eine 50-prozentige Erbschafts- und Schenkungssteuer werden laufende Rentenzahlungen finanziert, dafür werden keine Beiträge für die gesetzliche Rentenversicherung mehr erhoben. Jeder ist für seine Altervorsorge verantwortlich."

Christian Schäfer ist davon überzeugt, das "Patentrezept gegen Löcher in der Rentenkasse" gefunden zu haben. "In festen zeitlichen Abständen (zum Beispiel einmal im Quartal) werden die ausgezahlten Renten in ihrer Höhe derart angepasst, dass die Summe der Auszahlungen der Summe der eingezahlten Beiträge entspricht. Wie einfach! Nie wieder Löcher in der Kasse, nie wieder Rentendiskussionen. Dieses System könnte für immer fortbestehen, wäre kein ungedeckter Scheck auf die Zukunft, würde jedwede demografische Entwicklung mitberücksichtigen und wäre das Ehrlichste."

Holger Schlüter aus West Hartford im US-Bundesstaat Connecticut macht sich aus eigener Erfahrung für das amerikanische Rentensystem stark: "Ich denke, wir sollten in Deutschland eine private Altersversorgung ähnlich dem US 401k-Plan einrichten. Das hat Auswirkungen für den Einzelnen als auch gesamtwirtschaftlich.

1. Für den Einzelnen: Ich arbeite und lebe seit drei Jahren in den USA. Für eine der besten Einrichtungen hier halte ich die so genannte 401k Pensionsfonds. Diese erlauben mir bis zu 10.500 Dollar jährlich vollkommen steuerfrei aus meinem unversteuerten Einkommen in (...) Fondssparplänen anzulegen. Meine Firma legt nochmals 125 Dollar im Monat dazu. Insgesamt kann ich so etwa 12.000 Dollar im Jahr sparen, brauche keine Zinsen auf die Kursgewinne zu zahlen und bin sicher, dass meine Altersversorgung ganz ohne Rente gesichert ist. Mein verfügbares Einkommen hat sich dagegen lediglich um etwa 600 Dollar pro Monat verringert. Das heißt ich kann Renditen von nahezu 100 Prozent erzielen allein durch die Steuerbegünstigung und die Zuzahlung meines Arbeitgebers. Will ich das Geld vor meinem 65 Lebensjahr entnehmen, so muss ich alle versäumten Steuern zu einem um zehn Prozent erhöhten Steuersatz nachzahlen, außer ich nehme das Geld um beispielsweise ein Haus anzuzahlen.

2. Gesamtwirtschaftlich: Die Fondssparpläne, typischerweise Vanguard, Fidelity und Tempelton gehören zu den mächtigsten Finanzinstitutionen der Welt und sind meiner Ansicht nach nicht nur am Interesse Ihrer Kunden orientiert, sondern stärken ganz klar die Interessen der amerikanischen Unternehmen im In- und Ausland. (...) Ich glaube, dass die amerikanischen Einzelanleger genauso wenig gelassen auf fallende Aktienmärkte reagieren können wie Deutsche. Ich glaube nicht, dass die geringere Flucht aus den Aktienmärkten in den USA mit der größeren Erfahrung des amerikanischen Kleinanlegers zusammenhängt. Ich glaube sie ist klar auf die strengen Regeln der 401k Sparpläne zurückzuführen."

Michael J. Schneider fordert eine stufenweise Umstellung des heutigen Rentensystems auf eine private Rentenversicherung: "Generationenvertrag stufenweise aufkündigen! Ziel: Schweizer Modell. Um den drohenden Totalzusammenbruch der Sozialsysteme, insbesondere der Rentenkassen zu verhindern, sollte der Generationenvertrag aufgekündigt werden. Da dies nicht zum Schaden jener geschehen darf, die bereits von der Rente leben, bietet sich eine stufenweise Umwandlung auf Basis folgender Kernpunkte an:

1. Die Renten heutiger Rentner und jener, die weniger als 10 Beitragsjahre vor der Rente stehen. bleiben unangetastet. 2. Wer in einem Zeitraum zwischen 10 und 20 Jahren in Rente gehen wird, also in einem gewissen Umfang noch selbst kontrolliert Kapital ansparen kann, erhält eine abgestufte Rente, z.B. 80 Prozent, abhängig vom Einkommen. 3. Wer noch 20 Jahre und mehr von der Rente entfernt ist, wird eine Grundrente von 700 Euro plus Inflationsausgleich erhalten. Wer mehr will, muss eigenverantwortlich privat vorsorgen.

Im Gegenzug werden die Beiträge analog zum Auszahlungsmodell stufenweise abgesenkt bis auf kleiner/gleich zehn Prozent. Ziel ist die mittelfristige Einführung einer Grundrente für alle, bei einem stabilen niedrigen Beitragssatz, der eine eigenverantwortliche individuelle Altersvorsorge ermöglicht und die Kaufkraft der Arbeitnehmer signifikant steigert.

Auch Dieter rät zu einer allmählichen Umstellung des Rentensystems vom heutigen Umlagesystem auf ein Kapitaldeckungs-System: Pro Jahr 0,5 Prozentpunkte in eine private Rentenversicherung, dieser Prozentsatz wird von der gesetzlichen bisher 19,1 Prozent, dann 18,6 Prozent abgezogen. Ein Jahr später fließen weitere 0,5 Prozentpunkte in die private Renteversicherung, dafür sinkt der Beitragssatz für die gesetzliche Rentenversicherung auf 17,9%. Und so weiter. Nach 38 Jahren ist die Rentenversicherung komplett umgestellt auf einen privaten, mündelsicheren Versicherungsträger, welcher nur einen auszahlt: An den Versicherungsnehmer und an niemand anderen. (...)

Chris fordert: Es gibt nur eines - man muss sofort die Höhe der Rente, bzw. den Prozentsatz der Auszahlung an die Anzahl der Kinder koppeln (100% nur mit 2 Kindern und mehr). Somit kann man Einfluss auf die Altersstruktur nehmen, die der eigentliche Grund für das Unbezahlbarwerden des deutschen Sozialstaates ist, und gleichzeitig das Rentensystem vor dem Bankrott retten. Natürlich muss hierbei ein Mindestbetrag ausgezahlt werden, damit keiner im Alter auf der Strasse leben muss. Gutverdienende Singles ohne Kinder sollten den Grossteil ihrer Rente selbst privat sichern.

Auch Heiko Heitefuß aus Hannover ist davon überzeugt, dass das die Probleme des Rentensystems nur zu lösen sind, wenn die Zahl der Geburten wieder zunimmt: "Den vermeintlichen Königsweg gibt es nicht. Dazu sind die Probleme von Arbeitslosigkeit, zu hoher Steuer- und Abgabenlast zu stark verwoben und hängen in einem Hexenkreislauf. Aber analysiert man die Probleme der sozialen Sicherungen, so hängen viele in der letzten Konsequenz von dem Umdrehen der Bevölkerungspyramide auf den Kopf ab (vor allem bezüglich Rente und Krankenversicherungen). Bereits in meiner Grundschulzeit vor knapp 20 Jahren habe ich hiervon gehört. Mein erster infantiler Gedanke damals war: Dann muss doch der Klapperstorch häufiger kommen! Doch irgendwie ist diese simple Wahrheit in diesen 20 Jahren nicht in der Familienpolitik angekommen. (...) Natürlich soll es keine platte Anzeigenkampagne des Familienministeriums zum Kinderzeugen wie die Karnickel in der Bildzeitung geben. Aber das Kinderkriegen muss wieder "in" werden!

Kindergeldhöhe und Steuersätze hin oder her, in Deutschland fehlen die ganzheitlichen Ansätze (Kita für alle, Ganztagsschule, Bafög auf breiter Basis, kinderfreundliche Gesellschaft, Anerkennung des Kinderkriegens in der Gesellschaft, Vereinbarkeit von Beruf und Familie speziell bei allein erziehenden Frauen, etc.). Natürlich bleibt das Geld ein wichtiger Verhinderungsgrund für Kinder. Hierzu ein kleines Beispiel: Schaut man über den Rhein so zeigt das in Sachen Kinderbetreuung fortschrittliche Frankreich immerhin eine Geburtenquote von 1,9 Kindern pro Ehepaar. Das ist gesellschaftlich allemal verträglicher als die Quote von mittlerweile nur noch 1,3 in Deutschland. Den Hexenkreilauf von Abgaben, Nebenkosten, Arbeitslosigkeit und noch mehr Abgaben lässt sich kurzfristig so nicht durchbrechen. Langfristig muss jedoch wieder eine Bevölkerungsstruktur hergestellt werden, in der die Mehrheit die Minderheit durch ihre Arbeit versorgt.



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