Illegale Migration Immer weniger Flüchtlinge erreichen Europa

Die illegale Migration nach Deutschland hat SPIEGEL-Informationen zufolge stark abgenommen. Der Hauptgrund: Italiens restriktiver Kurs an der zentralen Mittelmeerroute.

Flüchtlinge im Mittelmeer
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Flüchtlinge im Mittelmeer


Die Zahl der Migranten, die illegal über die deutschen Grenzen einreisen wollten, hat im vergangenen Jahr offenbar erheblich abgenommen. Das geht aus einer Erhebung des vom Bundesinnenministerium eingerichteten "Gemeinsamen Analyse- und Strategiezentrums Illegale Migration" hervor, die dem SPIEGEL vorliegt.

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Danach wurden an fast allen Grenzen deutlich geringere unerlaubte Einreisen festgestellt: an der Grenze zu Österreich und der Schweiz rund 30 Prozent, zu Luxemburg 24 Prozent. An den anderen Grenzen fiel der Rückgang weniger stark aus. Zunahmen gab es nur aus Tschechien (plus 10 Prozent) und per Schiff aus Skandinavien (plus 25 Prozent); von dort kehren viele Migranten zurück.

Dass die Zahlen insgesamt sinken, liegt vor allem daran, dass nun weniger Migranten über das zentrale Mittelmeer nach Italien kommen. Der restriktive Kurs der italienischen Regierung an der ehemaligen Hauptroute aus Libyen nach Italien zeigt Wirkung.

Rund eine Million Flüchtlinge in Deutschland

Dort sank die Zahl der Migranten, die auf dem Seeweg Europa erreichten, von 119.369 in 2017 auf 23.371 im vergangenen Jahr - ein Rückgang von 80 Prozent. In der Folge weichen Schleuser auf andere Wege aus.

So stieg die Zahl der Migranten, die aus Marokko nach Spanien kamen, um 159 Prozent von 22.103 in 2017 auf 57.215 im vergangenen Jahr. Auch aus der Türkei kamen wieder mehr Menschen nach Griechenland, dort gab es einen Anstieg um neun Prozent von 29.718 auf 32.497.

Nach Angaben des UNHCR für das Jahr 2017 leben in Deutschland rund eine Million Flüchtlinge. Nur fünf Länder haben mehr Flüchtlinge aufgenommen. An der Spitze steht die Türkei mit 3,5 Millionen Flüchtlingen, gefolgt von Pakistan und Uganda mit jeweils 1,4 Millionen. Die meisten Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, stammen derzeit aus Afghanistan, Nigeria, dem Irak und Syrien.

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insgesamt 77 Beiträge
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Seite 1
radioactiveman80 04.01.2019
1. Wie fleissig wurde immer
auf die unmenschliche neue Italienische Regierung eingedroschen. Vielleicht war es aber im Nachhinein doch klüger auch mal Fakten zu schaffen? Die Zeit der falschen Anreize, diese gefährliche Überfahrt überhaupt erst anzutreten, neigt sich hoffentlich langsam den Ende zu.
gerd33 04.01.2019
2. Das war zu erwarten
Es hat sich offensichtlich rumgesprochen, dass die von den Schleusern versprochenen Wohltaten in Deutschland doch nicht so üppig ausfallen, wie erwartet und das man für einen gewissen Lebensstandard durchaus auch einer qualifizierteren Tätigkeit nachgehen muss.
angelobonn 04.01.2019
3. Weiterhin zu hohe Zahlen
In Deutschland leben rund 1,7 Millionen „Flüchtlinge“. Zu den rund 1,1 Millionen Menschen mit anerkanntem Status verschiedener Kategorie kommen ca. 400.000, die noch auf eine Entscheidung warten und ca. 200.000 Ausreisepflichtige mit Duldung. Im Jahr 2018 kamen knapp 200.000 “Flüchtlinge“ neu nach Deutschland. Die öffentlich immer wieder kommunizierten 166.000 sind nur die so genannte Nettozuwanderung, d.h. die neu eingereisten abzüglich der Abgeschobenen und freiwillig Ausgereisten. Auch im Jahr 2018 hat also eine Einwanderung in der Größenordnung der Stadt Kassel stattgefunden, die alimentiert und untergebracht werden muss. Wie man da von „geringer Zuwanderung“ sprechen kann, erschließt sich mir nicht.
euro-paradies 04.01.2019
4. Es ist auch wesentlich sinnvoller, den Leuten in Afrika und Asien
vor Ort bzw in deren Nachbarstaaten zu helfen, als der Transfer dieser Leute nach Europa. Mit den Mitteln, die hier für einen Migranten aufgewendet werden, können in deren Kulturkreis ca. 20 - 30 Leute bestens versorgt werden. Zudem ist die Integration von den meist berufslosen Analphabeten aus fremden Kulturkreisen weder gesellschaftlich noch beruflich erfolgreich. Dies wird von vielen nach ein paar Jahren erkannt und setzt dann ungeahnte Aggressionen dieser Einwanderer frei.
Bruno Bug 04.01.2019
5. Bella Italia
Letztendlich sind durch die drastischen Rückweisungen der Italiener wesentlich mehr Menschen vom Ertrinken abgehalten worden, als all die wohlfeilen Aktionen unserer Bessermenschen. Die Realität ist einfach: Je weniger Menschen es versuchen auf die selbstmörderische Art übers Meer zu uns zu kommen, desto weniger müssen gerettet werden. Und desto weniger der wohlhabenden Flüchtlinge werden ihr gutes Geld an Schlepper verschwenden. Letztlich auch ein Beitrag zur Entwicklung in Afrika.
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