Flucht nach Deutschland Zahl der Asylbewerber aus Syrien hat sich verdoppelt

In Deutschland suchen immer mehr Menschen aus Krisenregionen Zuflucht. Allein im Oktober wurden rund 13.000 Asylanträge gestellt, 30 Prozent mehr als im gleichen Monat vor einem Jahr. Vor allem Syrer hoffen auf Aufenthalt in der Bundesrepublik.

Syrische Flüchtlingsfamilie in Friedland: Zuflucht in der Bundesrepublik
REUTERS

Syrische Flüchtlingsfamilie in Friedland: Zuflucht in der Bundesrepublik


Berlin - Die Zahl der Asylbewerber in Deutschland nimmt zu. Fast 13.000 Menschen stellten im Oktober einen Asylantrag, teilt das Bundesinnenministerium mit.

  • Die Zahl stieg damit gegenüber dem Vormonat um rund 13 Prozent.

  • Im Vergleich zum Oktober 2012 war die Zahl noch deutlich höher: Sie ist um rund 30 Prozent gestiegen.

  • Die Zahl der Asylbewerber hat bereits jetzt den Stand des gesamten Vorjahres deutlich übertroffen. Von Januar bis Oktober stellten 87.442 Menschen einen Antrag. 2012 waren es über das ganze Jahr gerechnet rund 65.000 gewesen.
  • Die meisten Asylsuchenden in diesem Oktober stammen aus Syrien. 1629 Menschen aus dem Bürgerkriegsland stellten einen Asylantrag, das waren 28 Prozent mehr als im Vormonat. Syrien rückte damit auf der Liste der Hauptherkunftsländer von Asylsuchenden auf Platz eins. Seit dem Beginn der Kämpfe in dem Staat im März 2011 baten damit insgesamt mehr als 21.500 Menschen aus dem Bürgerkriegsland in Deutschland um Asyl.

  • Neben Syrern hofften im Oktober auch viele Serben und Mazedonier auf Asyl in Deutschland. Hinter Syrien folgen auf der Liste der Herkunftsländer Serbien (1553 Asylanträge), Mazedonien (999), Eritrea (691) und Afghanistan (652). Ägypten rückte auf Platz sechs vor, weil sich die Zahl der ägyptischen Asylsuchenden im Vergleich zum Vormonat auf 640 fast verdoppelte.

Hauptherkunftsländer der Asylbewerber

Herkunftsland Jan-Okt 2012 Jan-Okt 2013 Vergleich zum Vorjahr*
Russische Föderation 1920 14001 +629,2
Syrien, Arabische Republik 4606 9427 +104,7
Serbien 6829 8016 +17,4
Afghanistan 6096 6233 +2,2
Mazedonien 3946 4682 +18,7
Iran, Islamische Republik 3433 3819 +11,2
Pakistan 2750 3469 +26,1
Irak 4453 3293 -26,0
Somalia 893 2763 +209,4
Kosovo 1473 2721 +84,7

*in Prozent
Quelle: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge

Asylbewerber müssen sich in Deutschland allerdings teils quälend langwierigen Verfahren unterziehen. Union und SPD planen, diese Prozedur nun deutlich zu beschleunigen. "Wir wollen Asylverfahren auf drei Monate verkürzen", sagte die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), am Mittwoch. Darauf habe sich die Unterarbeitsgruppe für Migration und Integration bei den Koalitionsverhandlungen am Dienstag in ihrer abschließenden Sitzung verständigt.

Einigkeit herrschte in der Runde demnach auch darüber, dass das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), das die Asylanträge bearbeitet, dafür mehr Personal braucht. Laut BAMF-Angaben dauern die Verfahren im Durchschnitt acht Monate, viele Fälle ziehen sich jahrelang hin.

Europäische Richter verbessern Status von Flüchtlingen

In einem Urteil vom Donnerstag hat der Europäische Gerichtshof zudem die Rechte von Flüchtlingen in der Europäischen Union gestärkt.

Grundsätzlich muss ein Asylantrag in dem ersten EU-Land gestellt werden, das der Bewerber betritt. Verankert ist dies in der Dublin-II-Verordnung. Das führt dazu, dass Flüchtlinge, die etwa aus Griechenland nach Deutschland reisen, dorthin abgeschoben werden müssen. Doch in Griechenland sind die Zustände in Flüchtlingslagern derart katastrophal, dass andere europäische Länder nicht mehr dorthin ausweisen.

Im aktuellen Fall, der vor dem EuGH verhandelt wurde, war ein Iraner illegal über Griechenland nach Deutschland gekommen. Sein in Hessen gestellter Asylantrag wurde zunächst mit der Begründung zurückgewiesen, dass laut geltendem Recht der EU-Staat der Ersteinreise, also Griechenland, dafür zuständig sei. Der Iraner sollte abgeschoben werden. Er wehrte sich dagegen. Das Verwaltungsgericht Frankfurt gab ihm Recht: Dem Mann müsse wegen der Bedingungen in Griechenland Flüchtlingsstatus gewährt und sein Asylantrag geprüft werden. Die deutschen Richter wollten aber von den EU-Richtern wissen, wie in solchen Fällen zu verfahren ist.

Nun lautet das EuGH-Urteil:

  • EU-Mitglieder sind zwar weiterhin nicht verpflichtet, Asylanträge zu prüfen. Sie können es aber tun, wenn es in dem eigentlich zuständigen Land schwerwiegende Mängel im Asylverfahren und bei den Aufnahmebedingungen gibt.
  • Oder aber sie müssen einen anderen Staat ermitteln, der die Prüfung übernimmt. Dauern diese Ermittlungen jedoch "unangemessen lange", muss der betroffene Staat den Asylantrag selbst prüfen.
  • In dem konkreten Fall sei Deutschland auch verpflichtet, einen Asylbewerber nicht an den eigentlich zuständigen Mitgliedstaat zu überstellen, wenn die "systemischen Mängel" des dortigen Asylverfahrens eine unmenschliche oder erniedrigende Behandlung vermuten ließen.

Die Krisen im Nahen Osten und in Asien treiben derweil weitere Menschen aus ihren Heimatländern: In Griechenland haben Küstenwache und Polizei in verschiedenen Landesteilen in den vergangenen vier Tagen 117 Migranten aufgegriffen. Die aus Afghanistan, Pakistan, Somalia und Syrien stammenden Menschen seien in ihrer Mehrheit aus der Türkei ins Land gekommen, teilte die Küstenwache mit.

kgp/dpa/AFP



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 83 Beiträge
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Seite 1
leiboldson 14.11.2013
1.
Zitat von sysopREUTERSIn Deutschland suchen immer mehr Menschen aus Krisenregionen Zuflucht. Allein im Oktober wurden rund 13.000 Asylanträge gestellt, 30 Prozent mehr als im selben Monat vor einem Jahr. Vor allem Syrer hoffen auf Aufenthalt in der Bundesrepublik. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/immer-mehr-syrer-beantragen-asyl-in-deutschland-a-933606.html
Wer jetzt nicht sofort "Willkommen, Facharbeiter" ruft ist ein Nazi.
mundi 14.11.2013
2. Wirtschaftsflüchtlinge
Asylante fürchten um ihr Leben, deshalb flüchten sie. Wenn aber durch mehrere sichere Länder "geflüchtet" wird, liegt der Verdacht nah, es sind Wirtschaftsflüchtlinge.
herrdainersinne 14.11.2013
3. Wir müssen diesen Menschen helfen !
Lasst uns die Gelder, die die Unterbringung dieser Menschen in Deutschland kosten würde nehmen um damit in der Türkei, dem direkten Nachbarn entsprechende Unterkünfte bereit stellen !------------------------------------------------ Den Syrern bliebe damit der unzumutbare Kulturschock in einem abgelegenen deutschen Asylantenheim erspart. Sie wären stattdessen kulturnah untergebracht, in Sicherheit und hätten jederzeit die Möglichkeit, wenn sich die Angriffe durch Al Quaida auf die syrische Regierung abschwächen, wieder in Ihre Heimat zurück zu kehren.
mischamai 14.11.2013
4. Flüchtlinge
Die Aufnahme für Flüchtlinge aus Kriegsgebieten sollte selbstverständlich sein.Leider aber mischen sich hier immer mehr Wirtschaftsflüchtlinge dazwischen.
kl1678 14.11.2013
5. +629,2%
Zitat von sysopREUTERSIn Deutschland suchen immer mehr Menschen aus Krisenregionen Zuflucht. Allein im Oktober wurden rund 13.000 Asylanträge gestellt, 30 Prozent mehr als im selben Monat vor einem Jahr. Vor allem Syrer hoffen auf Aufenthalt in der Bundesrepublik. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/immer-mehr-syrer-beantragen-asyl-in-deutschland-a-933606.html
im Grunde sind die Zahlen der Flüchtlinge aus der Russischen Föderation ja viel dramatischer. Sind das die Tschetschenen, denen in der Heimat erzählt wurde, dass die hier Geld und Land bekommen?
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