Immobilienärger in Hamburg "Das stinkt zum Himmel"

Mauschelvorwürfe in Hamburg: Beim Verkauf eines Gebäudes in bester Innenstadtlage soll nicht alles mit rechten Dingen zugegangen sein. Ohne Ausschreibung und für einen Spottpreis soll die Investorengruppe Garbe das Objekt bekommen. Der zuständige Finanzsenator hält das für richtig.

Von Per Hinrichs


Hamburg - Die Firma Garbe hat in Hamburgs Finanzkreisen einen guten Klang. Das Familienunternehmen investiert Millionen in Fonds, Immobilien und Projektentwicklung; mehr als 200 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen in Hamburg. Jetzt will sich die Finanzfirma einen dicken Fisch schnappen: Sie möchte die Hamburger Baubehörde kaufen, ein klassizistisches Gebäude in der City - und ein attraktives Objekt in einer der besten Lagen der Stadt, für 46,9 Millionen Euro.

Doch die Art und Weise, wie Garbe an das Objekt gekommen ist, ärgert viele in der Stadt. Ohne ein öffentliches Verfahren, auf eigene Initiative und mit Unterstützung der Hamburger Wirtschaftsförderung kam der Investor an seine Immobilie. Er habe schlicht "das beste Konzept", heißt es aus der Finanzbehörde, die den Deal aushandelt. Ohne Ausschreibung, in der die Wunschanforderungen der Stadt für alle Bewerber präzisiert werden, ist das allerdings kein Kunststück.

Wie viele Millionen ist das Grundstück wert?

Zwar war die Baubehörde schon länger auf dem Markt; es ist kein Geheimnis, dass sie in den Stadtteil Wilhelmsburg umziehen soll. Tatsächlich wurden auch in der Vergangenheit mehrere Filetstücke ohne Ausschreibung an Investoren verkauft: Unter anderem ein Grundstück am Autobahndreieck Moorfleet, auf dem sich Ikea ansiedelte. Doch mögliche Mitbewerber fühlen sich um die Chance betrogen, beim Bieterrennen mitzuspielen.

Weiter bleibt unklar, warum ausgerechnet Garbe ein Fall für die Wirtschaftsförderung sein soll. Die Firma hat bereits 2007 ein Edelgrundstück in der Hafen-City bekommen, wo sie gerade die Unternehmenszentrale baut. Dort, Am Kaiserkai 60, sollen dann etwa 200 Leute arbeiten. Interessant ist, dass Garbe das Gebäude schon wieder weiterverkauft hat - an einen norwegischen Fonds. Die Firma wird nur als Mieter einziehen, muss dort aber für zehn Jahre die Unternehmenszentrale einrichten. Garbe kann nur durch sehr gewagte Wachstumsprognosen behaupten, dass er auf mehr Platz angewiesen ist. So rechnet das Unternehmen vor, man habe im Jahr 2014 genau 616 Beschäftigte.

Auch der Preis kommt vielen Fachleuten erstaunlich günstig vor. So klagt Dieter Becken, einer der größten Baulöwen der Stadt, das Gebäude sei "60 Millionen wert", mithin 15 Millionen mehr, als Garbe bezahlen soll. In der Tat gibt das offizielle Gutachten einen Verkehrswert von 54 Millionen Euro an. Der Gutachter des Landesbetriebs Geoinformation und Vermessung kommt am 30. März 2006 jedenfalls zu dieser Summe. Doch der nüchtern ermittelte Wert scheint der Finanzbehörde nicht zu gefallen: Sie drückt ihn in einer mehrseitigen Begründung auf 46 Millionen.

Auf wundersame Weise zum Wunschwert

Ihr Hauptargument: Es sei ein zu niedriger Liegenschaftszins, nämlich 4,4 Prozent, angesetzt worden. Die Beamten halten 5,5 Prozent für angemessener - warum auch immer. Denn der Zins wird nach einem bestimmten Verfahren errechnet, das nicht beliebig veränderbar ist. Aber je höher dieser Wert ist, desto niedriger fällt der Ertragswert des Objekts aus. Auf wundersame Weise gelangt das Liegenschaftsamt der Finanzbehörde nun also zum Wunschwert von 46,41 Millionen Euro - fast exakt der Preis, den die Garbe-Gruppe zahlt.

Der Finanzsenator Michael Freytag behauptet dagegen, es sei alles mit rechten Dingen zugegangen. "Der Preis wurde von der unabhängigen Geschäftsstelle des Gutachterausschusses für Grundstückswerte ermittelt", erklärt Finanzsenator Michael Freytag im "Hamburger Abendblatt". Eine Garbe-Sprecherin wollte sich auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE nicht zu dem Verfahren äußern.

Die Hamburger Opposition allerdings ist schon auf der Zinne: "Der Senator sagt die Unwahrheit. Das stinkt zum Himmel", sagt die Fraktionschefin der Grünen im Rathaus, Christa Goetsch.



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