Berlin/Rom - In der Debatte um Peer Steinbrücks "Clowns"-Äußerungen hat sich nun auch der betroffene italienische Komiker Beppe Grillo zu Wort gemeldet. Der Gründer der Protestbewegung Movimento 5 Stelle (M5S) schrieb in seinem Blog, Steinbrück habe "die rund 8.700.000 Italiener, die für die M5S stimmten, und die 7.300.000 Italiener, die die [Berlusconi-Partei] PDL wählten, in schwachköpfiger Weise behandelt".
Es handle sich bei Steinbrücks Äußerung um eine von "Arroganz" und "geringer politischer Intelligenz" zeugende Erklärung. Steinbrück mangele es an unerlässlichen Fähigkeiten, die für das Kanzleramt nötig seien.
Steinbrück hatte am Dienstagabend bei einer SPD-Veranstaltung in Potsdam gesagt: "Bis zu einem gewissen Grad bin ich entsetzt, dass zwei Clowns gewonnen haben." Damit bezog er sich auf Grillo und Ex-Premier Silvio Berlusconi, dem er dazu noch einen "besonderen Testosteron-Schub" unterstellte. So entfachte er einen Proteststurm in Deutschland, aber vor allem in Italien. Staatspräsident Giorgio Napolitano sagte daraufhin ein geplantes Treffen mit dem SPD-Kandidaten ab.
Staatspräsident Napolitano äußerte sich am Donnerstag nach Gesprächen mit Bundespräsident Joachim Gauck öffentlich zur Causa Steinbrück. "Es liegt auf der Hand, dass das nicht in Ordnung ist", zeigte sich Napolitano immer noch tief verärgert. Als italienisches Staatsoberhaupt habe er das Treffen mit dem SPD-Kanzlerkandidaten deshalb einfach absagen müssen.
Auch Gauck ließ durchblicken, was er über Steinbrücks Äußerungen denkt. Als Staatsoberhaupt kommentiere er solche Äußerungen zwar nicht, stellte Gauck klar, sagte dann aber auch: "Manches kommentiert sich auch von selbst."
Rückendeckung von Parteichef Gabriel
Aber neben Kritikern gibt es auch Sympathisanten Steinbrücks: Er erhielt von einem der einflussreichsten europäischen Nachrichtenmagazine Rückendeckung. Der britische "Economist" titelt auf seiner neuen Ausgabe mit der Schlagzeile "Send in the clowns" ("Manege frei für die Clowns"). Darunter finden sich Porträts von Berlusconi und Grillo.
Und auch sein Parteichef sprang Steinbrück zur Seite. Sigmar Gabriel riet in der Debatte um den SPD-Kanzlerkandidaten zur Gelassenheit. Gabriel äußerte sich während seines Besuchs in der türkischen Hauptstadt Ankara auf Nachfrage gegenüber Journalisten. Er sagte: "Jeder Demokrat darf demokratische Wahlen kommentieren. Und jeder darf solche Kommentierungen gut oder schlecht finden." Der SPD-Chef sagte weiter: "Da kann man nicht gleich einen politischen Skandal draus machen."
Damit stärkt Gabriel dem SPD-Kanzlerkandidaten den Rücken, ohne sich dessen Aussagen zu eigen zu machen. Zuvor hatte es aus Reihen der SPD sowohl Lob für die Äußerungen Steinbrücks als auch Kritik gegeben.
fab/flo/AFP
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