Zensus 2011: Die Nation schrumpft

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Statistisches Bundesamt: Zahlen über Deutschland Fotos
DPA

Deutschland hat 1,5 Millionen Einwohner weniger als bisher gedacht. Die größte Abweichung gibt es bei den Ausländern: Laut der jüngsten Volkszählung sind es 6,2 statt 7,3 Millionen. Das hat selbst die Statistiker überrascht.

Hamburg - In Deutschland leben genau 80.219.695 Menschen - das sind 1,5 Millionen weniger als gedacht. "Wir hatten schon vorab den Verdacht, dass es eine Abweichung gibt", sagte Roderich Egeler, Präsident des Statistischen Bundesamts, bei der Vorstellung der jüngsten Volkszählung in Berlin, "aber die Größenordnung hat uns schon überrascht". Die Statistiker legten am Freitag in Berlin die Auswertung der Daten vor, die 2011 eingesammelt worden waren. Das Bemerkenswerteste dabei laut Egeler: In Deutschland leben vor allem viel weniger Ausländer als erwartet: 6,2 Millionen statt 7,3.

Die größten negativen Abweichungen in der Bevölkerungszahl stellten sich dabei in Berlin und Hamburg heraus. In der Hauptstadt fehlen 180.000 Einwohner, an der Elbe 82.000. Die geringste Fehlerquote gab es in Rheinland-Pfalz: Hier gab es lediglich eine Differenz von 9000 Bürgern - 0,2 Prozent. Einige Gewinner gab es auch. Bielefeld und Bergisch Gladbach belegen mit jeweils mehr als 3000 zusätzlichen Bürgern Platz eins und zwei.

Den Unterschied zwischen den bisher angenommenen Zahlen und den tatsächlichen erklären die Statistiker damit, dass es so lange keine Volkszählung gegeben hat. Zu den letzten Zahlen aus den achtziger Jahren wurde einfach immer alles dazugerechnet oder abgezogen: Geburten, Todesfälle, Umzüge, Heirat und so weiter. Da gehe auch schon mal etwas unter, sagt Behördenchef Egeler. "Ein Zensus ist wie eine Inventur: Nach 20 Jahren muss man auch mal aufräumen."

Schon bei der letzten Volkszählung in Westdeutschland gab es bei der Gruppe der Ausländer die größten Abweichungen zwischen Soll und Ist-Zustand. Ursachenforschung habe man nicht betrieben, erläuterte Daten-Expertin Sabine Bechtold. Das sei nicht der Job von Statistikern. Sie wagt lediglich eine Mutmaßung: "Womöglich melden sich Ausländer seltener ab."

Gretchen-Frage weitgehend ungeklärt

Wenig erfolgreich waren die bereits im Vorfeld umstrittenen Bemühungen der Statistiker, die Gretchen-Frage zu klären: Die Zensus-Ergebnisse zu den religiösen Präferenzen der Einwohner in Deutschland fielen mager aus. 17,4 Prozent der Befragten verweigerten entsprechend verwertbare Antworten. Vom Rest gaben 10,5 Prozent an, keine Religion, Glaubensrichtung oder Weltanschauung zu haben, während sich 66,8 Prozent zum Christentum bekannten.

In der Zensus-Datenbank werden 24,7 Millionen Katholiken (darunter 1,5 Millionen Ausländer) und 24,3 Millionen Protestanten gezählt. Die Zahl der Personen, die sich sonstigen oder gar keinen Religionen zugehörig fühlen beziehungsweise keine Angaben zu religiösen Fragen machten, betrug 31,1 Millionen. Darunter waren 4,3 Millionen in Deutschland lebende Ausländer - also mehr als zwei Drittel dieser Gruppe.

So bleiben die tatsächlichen Anhängerzahlen anderer Religionen, Glaubensrichtungen und Weltanschauungen (5,3 Prozent der Befragten) weitgehend im Dunkeln: Die erhobenen Werte reichen von 0,1 Prozent (Hinduismus) bis 1,9 Prozent Islam. Allerdings, so Roderich Egeler, sei "davon auszugehen", dass die Anhänger der Weltreligionen Judentum, Islam, Buddhismus und Hinduismus "überproportional häufig von der Möglichkeit Gebrauch gemacht haben, auf die Beantwortung der Frage zur Religionszugehörigkeit zu verzichten". Zu diesen Religionen könne der Zensus 2011 bedauerlicherweise "keine verlässlichen Ergebnisse" bereitstellen.

Nach den neuesten Zahlen stammt mittlerweile fast jeder Fünfte in Deutschland aus einer Zuwandererfamilie: 15 Millionen Einwohner des Landes haben einen sogenannten Migrationshintergrund. Dabei berücksichtigen die Statistiker jeden, der nach 1955 nach Deutschland eingewandert ist oder der mindestens einen zugewanderten Elternteil hat. Der weitaus größte Teil dieser Gruppe - rund neun Millionen - besitzt die deutsche Staatsbürgerschaft. Die Stadt mit dem größten Anteil an Migranten in diesem Sinne ist in Deutschland Offenbach mit 49 Prozent.

Begonnen hatte die Datenerhebung vor ziemlich genau zwei Jahren Anfang Mai 2011. Anders als in den achtziger Jahren gab es dieses Mal keine großen Proteste der Bürger - auch wenn der Datenschutzbeauftragte Peter Schaar durchaus vor Gefahren warnte. Er kritisierte etwa, dass in Kliniken, Gefängnissen und Altersheimen personenbezogene Daten erhoben worden seien. Aber Dank Facebook, Twitter und Co. sind die Deutschen inzwischen offenbar einen sehr viel lockereren Umgang mit ihren Daten gewohnt als früher. "Die Bevölkerung hat ein großes Vertrauen in die Statistik", stellte denn auch Daten-Expertin Bechtold fest.

Dennoch brauchte das Statistische Bundesamt länger als erwartet für die Auswertung der Datenflut. Das liege, so Leiter Egeler am Freitag, am neuen Verfahren. Im Unterschied zu einer klassischen Volkszählung wurde nur ein Drittel der Bevölkerung befragt - persönlich oder schriftlich. Die übrigen Daten stammen aus den Melderegistern der Kommunen, der Arbeitsagentur und anderen Quellen. "Wir hatten das etwas unterschätzt", räumte der Vizechef des Statistischen Bundesamts, Dieter Sarreither, ein. Das Verfahren sei wissenschaftlich begleitet worden und zeitraubend sei auch die Bereinigung von Implausibilitäten gewesen.

Für die Statistiker bergen die Zahlen auch in Zukunft noch viel Arbeit. Diverse Angaben über Deutschland müssen neu berechnet werden - so etwa alle Pro-Kopf-Angaben wie zum Beispiel die Geburtenrate. Bis Ende 2014 soll die neue Bevölkerungsvorausberechnung stehen, die Prognose für den demografischen Wandel.

Und dann können bald schon die Vorbereitungen für die nächste Volkszählung beginnen: Sie ist auf 2021 terminiert.

Mitarbeit: Sven Röbel

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insgesamt 165 Beiträge
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1. Da
APPEASEMENT 31.05.2013
Zitat von sysopDeutschland hat 1,5 Millionen Einwohner weniger als bisher gedacht. Die größte Abweichung gibt es bei den Ausländern: Laut der jüngsten Volkszählung sind es 6,2 statt 7,3 Millionen. Das hat selbst die Statistiker überrascht. In Deutschland leben deutlich weniger Ausländer als angenommen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/in-deutschland-leben-deutlich-weniger-auslaender-als-angenommen-a-903022.html)
.sieht man mal, das die Integrtionsprobleme gar nicht so groß sein können wie geunkt! 1 Mio weniger Ausländer, das könnte sich ein Rechtspopulist ja gar nicht besser vorstellen. Man sollte sich eher um die Integration der Rechtspopulisten kümmern, vielleicht Deutschkurse oder soetwas.
2. Davon glaube ich kein Wort:
deb2011 31.05.2013
Zitat von sysopDeutschland hat 1,5 Millionen Einwohner weniger als bisher gedacht. Die größte Abweichung gibt es bei den Ausländern: Laut der jüngsten Volkszählung sind es 6,2 statt 7,3 Millionen. Das hat selbst die Statistiker überrascht. In Deutschland leben deutlich weniger Ausländer als angenommen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/in-deutschland-leben-deutlich-weniger-auslaender-als-angenommen-a-903022.html)
Der Zensus ist doch Augenwischerei und extrem ungenau. Vermutlich haben nicht wenige schlicht die Auskunft verweigert oder konnten keine Auskunft wg. mangelnder Sprachkenntnisse geben. Warum nimmt man nicht die Daten der Einwohnermeldeämter? Die hat doch jetzt schoon die GEZ - da sollte es doch ein Leichtes für die Politik sein, diese Daten nach Gutsherrenart weiter zu nutzen.
3. Das
elwu 31.05.2013
muss ja wohl gewaltige Änderungen in vielen Bereichen zur Folge haben. Etwa bei den gesetzlichen Renten und den privaten Renten- /Lebensversicherungen: da die Menschen offfenbar weit weniger alt werden als bisher angenommen, sind die weitaus stärker gekürzt worden (bzw. werden das noch) als durch die Demographie gerechtfertigt.
4. ich denke
Nonvaio01 31.05.2013
Zitat von APPEASEMENT.sieht man mal, das die Integrtionsprobleme gar nicht so groß sein können wie geunkt! 1 Mio weniger Ausländer, das könnte sich ein Rechtspopulist ja gar nicht besser vorstellen. Man sollte sich eher um die Integration der Rechtspopulisten kümmern, vielleicht Deutschkurse oder soetwas.
mal das einfach mehr eingedeutscht wurden. Nun ist Mesut (oder andere) eben Deutscher und kein Auslaender mehr.
5.
Moewi 31.05.2013
Zitat von APPEASEMENT.sieht man mal, das die Integrtionsprobleme gar nicht so groß sein können wie geunkt! 1 Mio weniger Ausländer, das könnte sich ein Rechtspopulist ja gar nicht besser vorstellen. Man sollte sich eher um die Integration der Rechtspopulisten kümmern, vielleicht Deutschkurse oder soetwas.
Oder Fragebögen! : "Ihre Tochter bringt einen Freund mit dunkler Hautfarbe nach Hause. Haben Sie damit Probleme? Wie reagieren Sie?" Wer das nicht verträgt kann eben -leider, leider- kein Deutscher bleiben ;o)
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Zensus 2011: So läuft die Volksbefragung ab

Der Zensus 2011
Wer wird befragt?
  • Haus- und Wohnungseigentümer - und zwar alle (haus- und wohnungsspezifische Fragen)
  • Wohnungsunternehmen (dito)
  • Wohneinrichtungen (z.B. Studentenwohnheime oder Gemeinschaftsunterkünfte)
  • Sensible Sonderbereiche (z.B. Flüchtlingslager, psychiatrische Kliniken, Hospize, Kinderheime, Gefängnisse etc.): Hier werden nicht die Bewohner/Insassen selbst befragt, sondern die Einrichtungsleitung gibt Auskünfte über die Bewohner
  • Bürger: circa 7,9 Millionen Bürger (circa zehn Prozent der Bevölkerung) werden für eine Stichprobe ausgewählt und von Interviewern besucht
  • Insgesamt werden rund 30 Prozent der Bevölkerung an den Zensus-Befragungen teilnehmen
Was wird erfasst?
  • Demografische und geografische Merkmale der Bürger (Persönlichkeitsmerkmale, Staatsangehörigkeit, Migrationshintergrund etc.)
  • Erwerbs- und bildungsstatistische Merkmale (unter anderem Beruf, Erwerbsstatus, Karrierestatus, Bildungsniveau)
  • Haushalts- und familienstatistische Merkmale (Merkmale der Familie, Stellung in der Familie, Haushalts-Typus und -größe etc.)
  • Gebäude- und wohnungsstatistische Merkmale (Art, Größe, Wohneinheiten, Bewohnerzahl, Besitzstatus, Ausstattung etc.)
  • Deutsche Sonderfragen: rechtliche Zugehörigkeit zu Religionsgemeinschaft, Glaubensbekenntnis, erweiterter Migrationshintergrund
Wie werden die Daten gesammelt?
  • Das Gros der Daten wird über staatliche Datenbanken erfasst, die sonst nicht miteinander verbunden sind. Dazu zählen Erwerbsregister (Bundesanstalt für Arbeit, Datenbanken der öffentlichen Arbeitgeber) und Melderegister.
  • Dazu kommt die Befragung von Bürgern, Wohnraumeigentümern, Wohnungsunternehmen und der Leitung von Wohneinrichtungen.
Wann kommt der Zensus 2011?
  • Er hat bereits begonnen: Die Übermittlung und der Abgleich von Melderegisterdaten, der Grundsteuer- und Grundbuchämter, die Generierung der Listen von Wohnrauminhabern etc. läuft bereits seit 2008.
  • Stichtag der Befragung ist aber der 9. Mai 2011: Alle im Zensus erfassten Daten beziehen sich auf den Status quo an diesem Tag. Der 9. Mai markiert den Beginn der Befragungen, der Erhebungsphase des Zensus.
  • Wohnraumbesitzer geben postalisch Auskunft. Die Zensus-Organisatoren rechnen mit einer Datenerfassungsphase von bis zu 15 Monaten.
  • An der Wohnungstür der 7,9 Millionen ausgewählten Bürger, die direkt befragt werden sollen, kann es ab dem 9. Mai klingeln - die Erhebungsphase wird sich hier bis zu 12 Monate ziehen.
Warum kommt der Zensus?
  • Der Zensus 2011 soll die Basisdaten für Analysen liefern, die wiederum die Grundlage für Entscheidungen bei der Planung der vom Staat bereitgestellten Infrastrukturen bilden.
  • Er dient der Korrektur der per Mikrozensus, Erwerbs- und Melderegister erhobenen Bevölkerungsdaten. Die wiederum sind Basis für Regelungen wie den Länderfinanzausgleich, die Einteilung der Bundestagswahlkreise, die Stimmenverteilung der Bundesländer im Bundesrat oder die Sitze Deutschlands im Europaparlament.
  • Er dient dem Staat auch als Wohlstands-Inventur, indem er Auskunft über Wohnverhältnisse gibt, aber auch über Qualifikation und Arbeitsstatus der Bevölkerung.
  • Der Zensus ist nicht zuletzt die Umsetzung der EG-Verordnung 763/2008 in deutsches Recht und Praxis: Die EU hat damit ihre Mitgliedsländer zur Erfassung definierter Zensus-Daten in zehnjährigem Turnus verpflichtet.
Was bringt der Zensus?
Der Staat gewinnt zuverlässige Daten, die er für die bedarfsgerechte Planung in Politik und Verwaltung zu brauchen glaubt. Diese Daten betreffen die Bereiche:

  • Aktuelle, verlässliche Zahlen zur Bevölkerung (inklusive Heimbewohner, Wohnheime für migrierende Arbeitnehmer oder nichtgemeldete Pendler, Haftanstalten etc.)
  • Demografische Daten über die Bevölkerung (inklusive Details über familiäre Strukturen, sogenannte Verzeigerungen - persönliche Verbindungen zwischen Menschen, die den Melderegistern nicht immer zu entnehmen sind)
  • Sozioökonomische Daten (inklusive Fragen wie: Wie gut oder schlecht geht es den Haushalten wirklich?)
  • Daten zur Wohn- und Wohnungssituation