Snowden-Dokumente Auch Briten sollen Spionageposten in Berlin betreiben

Der Spionageposten in der US-Botschaft am Brandenburger Tor ist offenbar nicht der einzige in Berlin. Laut "Independent" betreibt auch die britische Vertretung eine Abhörstation. Sie soll demnach in einem zeltähnlichen Bauwerk untergebracht sein.

dpa

Berlin - Auch die Briten tun es offenbar: Der britische Geheimdienst betreibt einem Zeitungsbericht zufolge auf dem Dach der Botschaft im Berliner Regierungsviertel einen Horchposten. Das berichtet die Zeitung "Independent" unter Berufung auf Dokumente des früheren US-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden. Die Botschaft war bisher für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Vor einer Woche berichtete der SPIEGEL, dass die USA auf dem Dach ihrer Vertretung in Berlin ein Spionagenest eingerichtet haben.

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Heft 45/2013
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Nun heißt es, auf dem nur einen Steinwurf entfernten Grundstück der britischen Botschaft befinde sich ein zylinderförmiges Bauwerk, das Abhörstationen ähnlich sehe. Die zeltähnliche Vorrichtung sei von der Straße aus nur schwer erkennbar. Die Unterlagen von Snowden sowie Luftaufnahmen und weitere Informationen legen laut der britischen Zeitung nahe, dass dabei Hightech-Ausrüstung zum Einsatz kommt.

Dem Bericht zufolge betreibt der britische Geheimdienst GCHQ auch Spähposten in anderen diplomatischen Vertretungen weltweit und arbeitet dabei mit den USA und anderen Staaten zusammen. Der Nachrichtendienst war zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar, berichtet der "Independent".

Laut "Independent" ist die Ausrüstung in der Botschaft in der Lage, Handygespräche zu belauschen, W-Lan-Datenverkehr auszuspionieren und die Kommunikation in Regierungsgebäuden rund um das Brandenburger Tor - inklusive Reichstag und Kanzleramt - zu überwachen.

Erinnerungen an den Teufelsberg

Dem Bericht zufolge ist lediglich eine kleine Zahl von Mitarbeitern der Botschaft mit der Abhöraktion befasst. Sie arbeiten demnach als Diplomaten getarnt, ihre wahre Aufgabe sei auch den meisten ihrer Kollegen unbekannt. Der Aufbau des mutmaßlichen Horchpostens erinnere stark an die Spionageausrüstung, die der britische Geheimdienst zu Zeiten des Kalten Krieges einsetzte, als West-Berlin als Horchposten in Richtung DDR und Sowjetunion benutzt wurde. Damals befanden sich die Anlagen auf dem inzwischen aufgegebenen Teufelsberg.

Mutmaßliche US-Spähangriffe auf das Mobiltelefon von Kanzlerin Angela Merkel belasten seit Wochen das Verhältnis zwischen den Regierungen in Berlin und Washington.

Die britische Botschaft steht nur wenige Meter entfernt von der US-Botschaft in der Wilhelmstraße. Das Gebäude wurde im Jahr 2000 eröffnet. Die Dienste der USA und Großbritanniens arbeiten eng zusammen und sind zusammen mit Australien, Kanada und Neuseeland Teil des sogenannten Five-Eyes-Verbundes zum Austausch geheimer Informationen.

ler/Reuters

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insgesamt 195 Beiträge
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Seite 1
joG 05.11.2013
1. Und man kann nur hoffen, dass ....
....der BND in den Hauptstädten der EU und der Welt auch tut, wofür man sie bezahlt. Hat man das nicht, so kann man nur an verletzte Dienstpflicht denken.
wolffm 05.11.2013
2. diplomatische Beziehungen
Kann man diplomatische Beziehungen zu einem EU-Staat abbrechen?
baerenfan 05.11.2013
3.
Es langweilt nur noch. Machen ja eh was sie wollen. Gähn.
paulussaulus 05.11.2013
4. Surprise surprise
Wo liegt jetzt die Überraschung oder Aha- Effekt?! Hat jemand geglaubt, dass die Siegermächte sich zurück gezogen haben?! Morgen zu lesen: Wo die Franzosen und Sowjets ihre Stützpunkte haben ;-) Übrigens : Erstens ist der Zwei-plus-Vier-Vertrag aus juristischer Sicht kein Friedensvertrag. Bislang haben weder Russland noch die Westmächte einen Friedensvertrag mit Deutschland. Zweitens wurden nach dem Bonner Vertrag von 1952 vier Einschränkungen der deutschen Souveränität beschlossen: das Verbot von Referenden zu militärpolitischen Fragen, das Verbot des Anspruchs auf den Abzug der alliierten Truppen vor der Unterzeichnung des Friedensvertrags.!!! Zudem wurde die Beschlussfassung vor den Beratungen mit den Siegermächten sowie die Entwicklung einzelner Bestandteile der Streitkräfte, darunter der Massenvernichtungswaffe, verboten. Diese Einschränkungen wurden vom Zwei-plus-Vier-Vertrag nicht abgeschafft und gelten offiziell bis heute.
Einfacher Bürger 05.11.2013
5. Das ist nun auch schon egal.
Schickt Cameron Blumen und bedankt euch artig.
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