SPON-Wahltrend Deutsche beklagen Investitionsstau

Geht es um Investitionen in die Infrastruktur, sind sich die Deutschen ausgesprochen einig: 86 Prozent sagen, es werde zu wenig getan. Lesen Sie hier die Ergebnisse im SPON-Wahltrend und stimmen Sie ab.

Bauarbeiten in Halle/Saale (Archivbild)
DPA

Bauarbeiten in Halle/Saale (Archivbild)

Von


SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz will mit einer staatlichen Investitionspflicht bei den Wählern punkten. Das Versprechen mag auf den ersten Blick etwas sperrig erscheinen, könnte aber einen Nerv treffen: Die große Mehrheit der Deutschen findet, dass der Staat zu wenig in die Infrastruktur investiert. Das geht aus dem aktuellen SPON-Wahltrend hervor.

Auf die Frage: "Investiert der deutsche Staat Ihrer Meinung nach eher zu viel oder zu wenig in Infrastruktur?", antworteten 86,1 Prozent der Befragten, es werde "(eher) zu wenig" getan. Lediglich 9,8 Prozent sind zufrieden mit dem derzeitigen Ausmaß - nur 2,3 Prozent halten die Investitionen derzeit für zu hoch.

Die repräsentative Umfrage zeigt, dass die Deutschen grundsätzlich großen Bedarf beim Thema Infrastruktur sehen - und das nicht erst, seitdem der SPD-Kanzlerkandidat es zu einem Wahlkampfthema gemacht hat. Schulz hatte am vergangenen Wochenende angekündigt, als Kanzler den Staat zu Investitionen zu verpflichten. So soll in den kommenden Jahren mehr Geld in schnelle Internetverbindungen, Straßen und Schienen, den Ausbau erneuerbarer Energien und Bildung fließen.

Das dürfte bei fast allen Wählergruppen gut ankommen: In Schulz' eigener Partei finden mehr als 90 Prozent, dass der Staat zu wenig in die Infrastruktur investiert. Auch Anhänger der FDP, Grünen, Linken und AfD sehen Verbesserungsbedarf. Einzig unter den Unions-Anhängern finden sich etwas mehr Menschen, die mit dem derzeitigen Ausmaß der Investitionen in die Infrastruktur zufrieden sind: 18,5 Prozent finden sie genau richtig.

Wir wollten wissen: Welche Partei würden Sie wählen? So haben Sie abgestimmt.

Ob Schulz mit seinem Versprechen Wählerstimmen gewinnt, lässt sich in dieser Woche noch nicht absehen: Der Befragungszeitraum für den aktuellen SPON-Wahltrend begann bereits am vergangenen Dienstag, also einige Tage vor der Vorstellung des Zehn-Punkte-Plans - viele Befragte kannten das Vorhaben also noch nicht.

In der SPONtagsfrage kommt die SPD derzeit auf 23,8 Prozent, ein leichtes Minus von einem halben Prozentpunkt im Vergleich zur Vorwoche. Größer sind die Verluste allerdings in einigen Altersgruppen: Von den unter 30-Jährigen würden derzeit lediglich 23,3 Prozent die SPD wählen - in den vergangenen Wochen hatte dieser Wert zwischenzeitlich bei bis zu 29 Prozent gelegen.

Größter Verlierer ist allerdings die Union: In der Woche nach dem G20-Gipfel in Hamburg büßt sie 1,3 Prozentpunkte ein und liegt nun bei 37,3 Prozent. Damit schrumpft der Abstand zwischen CDU/CSU und SPD auf 13,5 Prozentpunkte.

Die kleineren Parteien legen im Vorwochenvergleich zu: Die Linke wäre weiterhin drittstärkste Kraft mit nun 9,3 Prozent der Stimmen - ein Plus von 0,4 Prozentpunkten. Die FDP kommt auf 9,2 Prozent (+0,6), die AfD legt leicht auf 8,2 Prozent zu, und 7,4 Prozent der Befragten würden die Grünen wählen (+0,4 Prozent).

Anmerkungen zur Methodik: Der SPON-Wahltrend wurde in Kooperation mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey im Zeitraum vom 11. bis 18. Juli 2017 online erhoben. Die Stichprobe umfasste mehr als 10.000 Befragte. Der statistische Fehler lag bei 2,5 Prozent.

Im Wahljahr befragen SPIEGEL ONLINE und Civey regelmäßig Leserinnen und Leser zu aktuellen politischen Themen. Stimmen Sie hier ab - den aktuellen Stand sehen Sie sofort, wenn Sie teilgenommen haben.



Sie wollen die Sonntagsfrage für den Bund beantworten? Stimmen Sie hier ab:


Wie funktioniert die Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen vollautomatisierten Verfahren. Alle repräsentativen Echtzeitumfragen werden in einem deutschlandweiten Netzwerk aus mehr als 20.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"), es werden also nicht nur Nutzer von SPIEGEL ONLINE befragt. Jeder kann online an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse schließlich nach weiteren soziodemografischen Faktoren und Wertehaltungen der Abstimmenden gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in den Civey FAQ.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage und beim Regierungsmonitor umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht vollautomatisiert auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?
In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
Was passiert mit meinen Daten?
Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Sie dienen allein dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden.
Wer steckt hinter Civey?
Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Zur Erhebung seiner repräsentativen Umfragen schaltet die Software des 2015 gegründeten Unternehmens Websites zu einem deutschlandweiten Umfragenetzwerk zusammen. Neben SPIEGEL ONLINE gehören unter anderem auch der "Tagesspiegel", "Welt", "Wirtschaftswoche" und "Rheinische Post" dazu. Civey wurde durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.