Inhaftierte Reporter: Irans neuer Außenminister gibt sich versöhnlich
Ist es leere Rhetorik oder ein ernstgemeintes Versprechen? Ali Akbar Salehi, neuer Außenminister des Iran, sagt im SPIEGEL-Interview zu, die inhaftierten deutschen Journalisten gut zu behandeln. Wenn es nach ihm gehe, könne der Fall "in Sekunden" gelöst werden.
Hamburg - Er ist der neue Außenminister des Iran - nun redet Ali Akbar Salehi zum ersten Mal über eine Lösung im Fall der beiden inhaftierten deutschen Reporter, die für die "Bild am Sonntag" arbeiten. In einem Interview mit dem SPIEGEL verspricht der Vertraute von Präsident Mahmud Ahmadinedschad, die beiden Deutschen "im Einklang mit unserer Gesetzgebung und der im Islam verwurzelten Güte zu behandeln".
Darüber hinaus versuche sein Ministerium, "Hindernisse aus dem Weg zu räumen, die zu Verzögerungen und Schwierigkeiten führen könnten". Wenn es nach ihm ginge, könne die Angelegenheit "in Sekunden" bereinigt werden.
Hilfreich könnte es zudem sein, so Salehi, wenn der Axel-Springer-Verlag und die Chefredaktion der "Bild am Sonntag" "einräumen würden, dass sie einen Fehler gemacht haben". Auch eine Entschuldigung sei angebracht. Salehi lud seinen deutschen Kollegen Guido Westerwelle "herzlich" nach Teheran ein, um über alles zu sprechen, "auch über diesen Fall".
Westerwelle, der Salehi als erster Außenminister zu dessen Ernennung gratulierte, habe ihm damals gesagt, er erwarte "im Fall der beiden Deutschen keine festen Versprechungen Ihrerseits". Außerdem habe sich der deutsche Minister bei ihrem vorerst jüngsten Gespräch "für meinen Einsatz bedankt".
Anzeigenkampagne für Freilassung
Die zwei Reporter der "Bild am Sonntag" waren am 10. Oktober 2010 in der Provinzhauptstadt Täbris beim Versuch verhaftet worden, den Sohn und den Anwalt von Sakine Mohammadi Aschtiani zu interviewen. Ihnen wird ein Verstoß gegen Visumbestimmungen vorgeworfen. Mohammadi Aschtiani sollte zunächst wegen Ehebruchs gesteinigt werden; nun könnte sie wegen Beihilfe zur Ermordung ihres Ehemanns zum Tode durch den Strang verurteilt werden.
Ende Dezember durften Angehörige die inhaftierten Journalisten besuchen. Deutsche Verleger- und Journalistenverbände setzen sich inzwischen mit einer Anzeigenkampagne für die sofortige Freilassung der beiden Reporter ein. Zum Auftakt an diesem Sonntag sollen Anzeigen unter anderem in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", "Bild am Sonntag" und "Welt am Sonntag" erscheinen, wie die Initiatoren am Freitag in Berlin mitteilten.
Für die nächsten Wochen hätten sich weitere Verlage bereiterklärt, kostenfrei Anzeigen zu veröffentlichen. Dazu gehören unter anderem der "SPIEGEL", die "Frankfurter Allgemeine Zeitung, die "Süddeutsche Zeitung" und der "Stern".
Die Initiative des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger und des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger wird vom Deutschen Journalisten-Verband, der Deutschen Journalisten-Union und von Reporter ohne Grenzen unterstützt. Auch internationale Verbände haben sich der Aktion angeschlossen.
Iran verhaftet "US-Spionin"
In dem Appell an die iranische Regierung heißt es unter anderem, "Wahrheitssuche ist kein Verbrechen. Journalistische Neugier ist die Grundlage der Pressefreiheit. Pressefreiheit ist der Gradmesser der Freiheit".
Wie der Iran am Samstag offiziell bestätigte, hat das Land eine "Spionin" aus den USA verhaftet. Die 34-Jährige sei in Dscholfa an der Grenze zu Aserbaidschan festgenommen worden, sagte am Samstag der Vizechef der Grenzpolizei, Achmad Garawand, nach Angaben der Nachrichtenagentur Fars.
"Diese Person wurde am 5. Januar festgenommen, als sie als Touristin getarnt geheime Filmaufnahmen machte. Sie war auf einer Mission für den US-Geheimdienst." Der Name der "Spionin" wurde mit Hal Talajan angegeben. In iranischen Medien hatte es bereits am Donnerstag Berichte gegeben, dass eine "US-Spionin mit Spionageausrüstung in ihren Zähnen" gefasst worden sei.
Ende Juli 2009 waren an der Grenze zum Irak drei US-Bürger festgenommen worden. Die iranischen Behörden werfen ihnen Spionage vor, die Festgenommenen beharren jedoch darauf, dass sie sich während einer Wanderung verlaufen und versehentlich die Grenze zum Iran überquert hätten.
Während die 32-jährige Sarah Shourd aus humanitären Gründen freigelassen wurde, befinden sich ihre beiden 28-jährigen Gefährten, Shane Bauer und Josh Fattal, weiter im Iran in Haft. Der Prozess gegen alle drei soll am 6. Februar beginnen.
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Die Außenpolitik Chomeinis wendet sich vor allem gegen die USA und Israel. Am 4. November 1979 besetzen islamische Kräfte die amerikanische Botschaft und nehmen mehr als 50 Geiseln, die erst nach 444 Tagen wieder freikommen. Chomeini billigt die Aktion. Die Beziehungen zu den USA erreichen ihren Tiefpunkt. Unterstützt von den USA überfällt der Nachbarstaat Irak am 22. September 1980 Iran. In dem folgenden acht Jahre langen Krieg zwischen den beiden Ländern sterben etwa eine Million Menschen.

1989 stirbt der religiöse Führer. Der Expertenrat, ein Gremium aus höchsten religiösen Sachverständigen, ernennt Ajatollah Ali Chamenei zum Nachfolger. In den Folgejahren hat Iran stark unter zunehmender Korruption zu leiden. Die Liberalisierung der Wirtschaft bleibt weitgehend wirkungslos. Bereits 1995 verhängen die USA erste wirtschaftliche Sanktionen, weil Iran nach US-Auffassung den internationalen Terrorismus unterstützt.

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