Inspiration für Hartz-IV-Debatte George W. Westerwelle

Guido Westerwelle hat seine Hartz-IV-Attacken von den US-Republikanern abgekupfert: Die spalten mit ihren Tiraden gegen angeblichen Sozialismus seit Jahren die Gesellschaft. Fehlt nur noch ein leuchtendes Gegenbeispiel wie "Joe the Plumber" - wie wär's mit "Claudia, der Kellnerin"?

Ein Kommentar von Frank Hornig

FDP-Chef Westerwelle: "Von George W. Bush lernen, heißt Steuern senken lernen"
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FDP-Chef Westerwelle: "Von George W. Bush lernen, heißt Steuern senken lernen"


Berlin - Reisen bildet. Es erweitert den Horizont. Das muss man auch Guido Westerwelle zugutehalten. Seine Antrittsbesuche als Außenminister sind keineswegs so nutz- und ergebnislos verlaufen, wie es bislang den Anschein hatte.

Westerwelle hat etwas gelernt auf seinen Reisen, vor allem in Amerika. Was nämlich im Wirbel um seine Attacken auf Hartz IV bislang völlig unterging: Dort, in den USA, ist das Vorbild für seinen neuen Populismus zu finden.

Die Angriffe des FDP-Chefs klingen verblüffend ähnlich wie die perfekt einstudierten Hetztiraden der US-Republikaner. Angeblich gibt es eine "sozialistische Entwicklung in dieser Republik", es mache sich gar ein "geistiger Sozialismus" im Lande breit. Genauso schimpfen Amerikas Rechte. Sie beschwören regelmäßig den Einzug des "Socialism" in ihrem Land - zum Beispiel, wenn es mal wieder jemand wagt, für die knapp 40 Millionen unversicherten Bürger eine Krankenversicherung ins Gespräch zu bringen oder das System der Lebensmittelmarken für Arme zu verbessern. So etwas ist bei den Republikanern als "European" verpönt und ähnlich verhasst wie die "spätrömische Dekadenz".

Auch Westerwelles "hart arbeitende" Kellnerinnen sind rhetorisch entlehnt: Kaum ein Republikaner kommt in Reden ohne den Verweis auf "hard working Americans" aus. Nun kann es wohl nicht mehr lange dauern, bis Westerwelle rührselig echte Deutsche als Beispiel für seine Politik präsentiert - so wie es John McCain im Präsidentschaftswahlkampf mit einem angeblich "hart arbeitenden" Installateur ("Joe the Plumber") versuchte. Denkbar wären für die FDP zum Beispiel "Claudia, die Kellnerin" oder "Heinz, der Schreiner".

"Spätrömische Dekadenz"

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Der deutsche Vizekanzler kupfert für sein innenpolitisches Spiel hemmungslos Sprüche und Ideen bei den Republikanern ab. Wie der letzte republikanische US-Präsident versucht er, die Gesellschaft zu polarisieren. Er ist George W. Westerwelle. Leistung statt Lebensmittelkarten. Und immer runter mit den Steuern.

Wie weiland Bush fordert er um jeden Preis, den Staat aus der freien Wirtschaft zurückzudrängen. Das passende US-Schlagwort heißt "big government", diese gelte es zu bekämpfen. Als nächstes wird Westerwelle vermutlich fordern, die "große Regierung" zu beschneiden. "Von George W. Bush lernen, heißt Steuern senken lernen", erklärte er schon vor zwei Jahren. Dass Bush seinem Nachfolger das größte Defizit der US-Geschichte hinterließ, erwähnt er nicht.



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 251 Beiträge
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Zyklotron, 15.02.2010
1. Westerwelle in Abschiebehaft
Kann man Westerwelle dann nicht einfach in die USA abschieben? Wenn er in einem pervertiertem, ultrakapitalistischem, unrechtsstaatlichem Lobbyregime leben will, dann soll er doch beim nächsten Besuch in Übersee einfach dort bleiben. Nebenher kann er dann sein Englisch verbessern. Tschüss, Herr Westerwave!
HariboHunter, 15.02.2010
2. Guido's Spasspartei
Der Spiegelautor vergisst, das sich die FDP im Augenblick (ausser auf Laenderebene) und im Gegensatz zu den Amerikanern nicht im Wahlkampf befindet. Warum also Oppositionsarbeit leisten? Und ist diese soziale Thematik nicht eher nicht das Feld eines Aussenministers? Und wann kommt meine Steuersenkung? Derzeit erzeugt die Bimbesregierung taeglich neue Fragen statt Antworten auf Alte zu finden.
baut-as 15.02.2010
3. bananen
so lange der marktschreier westerwelle nur rumkrageet und nicht mit bananen um sich schmeisst( d.h. taten aufweist, die ihm was kosten), glaube ich ihm kein wort. seine taten bislang sind nicht ausreichend um als politiker von rang zugelten. eher ist er einer der ueblichen geltungssuechtigen.
autocrator 15.02.2010
4. umtrieb
die frage ist doch: was treibt G.W. um? persönlich kann er nichts mehr erreichen außer im fortgeschrittenen alter als grüßotto BPräsident zu werden. Dass deuschlandesh längst schon provinz der USamerikanischen imperiums ist, ist auch klar, und das amt des proconsuls gibt unser verfassungsgefüge nicht her. Ausserdem - sorry: der mann ist unser außenminister! als solcher hat er ein amt zu leiten und diese arbeit zu erledigen! dafür wird er bezahlt - und nicht für us-populistische hasstiraden.
taiga, 15.02.2010
5. Hahaha
Zitat von sysopGuido Westerwelle hat seine Hartz-IV-Attacken von den US-Republikanern abgekupfert: Die spalten mit ihren Tiraden gegen angeblichen Sozialismus seit Jahren die Gesellschaft. Fehlt nur noch ein leuchtendes Gegenbeispiel wie "Joe the Plumber" - wie wär's mit "Claudia, der Kellnerin"? http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,678055,00.html
Heinz der Schreiner, was hab ich gelacht. Obwohl, eigentlich ist es zum Weinen, dass der deutsche Michel nicht kapiert, wie er ideologisch über den Tisch gezogen werden soll – zumindest die, die sich von IHM als Leistungsträgerelite gebauchpinselt fühlen. Klasse gesehen, Herr Kommentator, die Kongruenz mit den Republikanern!
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