Integration Imame sollen in deutscher Sprache predigen

Die Gewaltexzesse in den Niederlanden nach der Ermordung des Regisseurs Theo van Gogh haben die Politiker in Deutschland in Alarmstimmung versetzt. Zuvörderst jedoch sehen sie die Muslime in der Bringschuld. So forderte Baden-Württembergs Kultusministerin Schavan jetzt eine Pflicht für Imame, in deutscher Sprache zu predigen.


Kultusministerin Schavan: Null Toleranz gegen Hassprediger
DDP

Kultusministerin Schavan: Null Toleranz gegen Hassprediger

Stuttgart - "Wir dürfen nicht weiter zulassen, dass in Moscheen in Sprachen gepredigt wird, die außerhalb der islamischen Gemeinde nicht verstanden werden", sagte die stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende. Vorbild sei ein entsprechendes Gesetz in der Schweiz.

"In einer freiheitlichen Gesellschaft muss jeder bereit sein, sich in der Landessprache verständlich zu machen", sagte Schavan. Andernfalls werde der kulturellen Abgrenzung und der gegenseitigen Skepsis Vorschub geleistet. Geistliche Führer, die in Arabisch oder anderen Sprachen predigten, setzten sich dem Verdacht von Hetzreden gegen Andersgläubige aus.

Das vorgeschlagene Gesetz könnte auch diejenigen Kräfte im Islam stärken, die sich um Integration bemühen, sagte die 49-Jährige, die sich um die Nachfolge von Ministerpräsident Erwin Teufel (CDU) bewirbt Liberalität allein reiche nicht aus, um den Frieden in einer Gesellschaft zu garantieren. "Man muss vielmehr ganz aktiv etwas dafür tun, dass Toleranz wachsen kann, und auch ordnungspolitisch deutlich machen, dass alle sich an bestimmte Regeln halten müssen." Deshalb sei es auch richtig, Hassprediger möglichst rasch aus Deutschland abzuschieben.

Der Staat müsse Parallellgesellschaften verhindern und jungen Leuten Zukunftschancen bieten. Vor diesem Hintergrund werde die Integrationspolitik in Europa stark an Bedeutung gewinnen. "Das Attentat auf van Gogh und die Folgen zeigen aber, dass das eine anspruchsvolle Aufgabe ist"

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Nadeem Elyas, zeigte sich mit der Forderung Schavans grundsätzlich einverstanden. "Eine solche Forderung wäre ganz in unserem Sinne", sagte er. Zuvor müsse der deutsche Staat die Ausbildung der Imame erleichtern. "Aber einfach eine Pflicht daraus zu machen, während die Politiker ihre Pflicht nicht tun, das ist nicht realistisch".



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