Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Integration: Streit über Muslimstudie des Innenministeriums

Eine Studie des Innenministeriums über junge Muslime in Deutschland zeichnet ein bedenkliches Bild: Jeder vierte Befragte ohne deutschen Pass zwischen 14 und 32 Jahren verweigert demnach jede Integration. Unionspolitiker warnen vor Fanatismus, FDP und Opposition kritisieren die Umfrage.

Junge Muslime in Berlin: Viele junge Muslime ohne Willen zur Integration Zur Großansicht
dapd

Junge Muslime in Berlin: Viele junge Muslime ohne Willen zur Integration

Berlin - Eine neue Studie über junge Muslime in Deutschland sorgt bereits vor ihrer Veröffentlichung für heftige Diskussionen. Aus dem Papier geht hervor, dass ein Viertel der Muslime zwischen 14 und 32 Jahren ohne deutschen Pass nicht bereit ist, sich zu integrieren. Die Untersuchung wurde im Auftrag des Bundesinnenministeriums erstellt und soll an diesem Donnerstag vorgestellt werden.

Die Gruppe integrationsunwilliger junger Muslime wird in der Erhebung klar charakterisiert: Ihre Mitglieder seien meist streng religiös, "mit starken Abneigungen gegenüber dem Westen, tendenzieller Gewaltakzeptanz und ohne Integrationstendenz", heißt es.

Für die Studie "Lebenswelten junger Muslime in Deutschland" wurden 706 junge Muslime telefonisch befragt. 192 von ihnen hatten einen deutschen Pass, 514 nicht. Zudem wurden 692 Fernsehbeiträge aus Nachrichtensendungen analysiert.

Die Reaktionen auf das Ergebnis der Studie sind heftig. "Erschreckend" nannte der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Hans-Peter Uhl, die hohe Zahl nicht integrierter und auch nicht integrationswilliger Muslime in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" am Donnerstag. "Diese Integrationsverweigerung muss nicht, aber kann den Nährboden für religiösen Fanatismus und Terrorismus darstellen", so Uhl.

Besorgt zeigte sich auch Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) in der "Bild"-Zeitung: "Deutschland achtet die Herkunft und kulturelle Identität seiner Zuwanderer. Aber wir akzeptieren nicht den Import autoritärer, antidemokratischer und religiös-fanatischer Ansichten. Wer Freiheit und Demokratie bekämpft, wird hier keine Zukunft haben."

Liberale kritisieren Untersuchung scharf

Kritik an der Studie kam aus der FDP. "Ich muss mich schon wundern, dass das BMI erneut Steuergelder darauf verwendet, eine Studie zu finanzieren, die Schlagzeilen produziert, aber keinerlei Erkenntnisse", sagte der integrationspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Serkan Tören, der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Das religiöse Bekenntnis vieler junger Muslime sei oft nur "eine leere Hülse", die nicht mit gelebter Religion einhergehe, sondern "Provokation und kulturelle Abgrenzung" sein wolle, sagte der türkischstämmige Politiker. "Religiosität und Gewalt sind kein Automatismus, das beweisen andere Studien und meine persönliche Erfahrung."

Anteil radikaler Muslime in Deutschland sinkt

Der Jenaer Psychologe Wolfgang Frindte, der maßgeblich an der Untersuchung beteiligt war, sagte, die Zahlen seien für ihn nicht überraschend. Würden auch die Eltern- und Großelterngenerationen einbezogen, zeige sich, dass der Anteil radikaler Einstellungen sinke und sich die Muslime deutlich vom islamistischen Terrorismus distanzierten.

Zum Islam bekennen sich in Deutschland nach Angaben des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge schätzungsweise vier Millionen Menschen. Knapp die Hälfte von ihnen hat die deutsche Staatsbürgerschaft.

jok/dpa/AFP/dapd

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
OECD-Studie: Wo die Chancen von Migranten am schlechtesten sind


SPIEGEL.TV
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: