Integration: Ströbele will türkische Version der Nationalhymne

Der Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele hat eine offizielle türkische Version der deutschen Nationalhymne gefordert. Für Zuwanderer wäre dies ein "Symbol für die Vielsprachigkeit Deutschlands". Die FDP unterstützt den Vorstoß.

Berlin - "Ich würde es als Zeichen der Integration werten, wenn türkisch-stämmige Mitbürger die dritte Strophe auf türkisch singen könnten", sagte Ströbele der Berliner Zeitung "B.Z.". "Das wäre auch ein Symbol für die Vielsprachigkeit Deutschlands." Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Renate Künast wies den Vorstoß Ströbeles jedoch zurück: "Da ist dem Christian Ströbele wohl etwas vom 1. April auf Anfang Mai gerutscht."

Auch Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach lehnte den Vorschlag ab. "Die deutsche Nationalhymne auf türkisch wäre das Gegenteil von Integration", sagte er der "B.Z.". "Das Erlernen der deutschen Sprache in Schrift und Wort ist doch die Schlüsselqualifikation schlechthin. Wenn wir also die deutsche Hymne auf türkisch anbieten würden, wäre das ein falsches Signal an alle hier lebenden Immigranten."

Die Sprecherin der FDP für Integration und Migration, Sibylle Laurischk, meinte hingegen: "Das wäre eine interessante Möglichkeit für Menschen anderer Herkunft und Sprache, die deutsche Kultur zu verstehen."

Ströbele hatte im November 2004 schon einmal mit einem Vorstoß für Integration Aufsehen erregt, als er einen muslimischen Feiertag in Deutschland ins Gespräch brachte. Mit seinem Vorschlag, dafür einen christlichen Feiertag zu streichen, stieß er auf breite Ablehnung.

Am Freitag hatten in den USA lateinamerikanische Musiker mit "Nuestro Himno" eine spanischsprachige Version der Nationalhymne herausgebracht. Das Lied soll nach Angaben der Initiatoren und beteiligten Musiker den Millionen illegalen Immigranten in den USA in ihrem Kampf für eine Legalisierung ihres Status den Rücken stärken.

Radio- und Fernsehsender wurden bereits am Freitag mit E-Mails überschwemmt, in denen die Absender Wut, aber auch Zustimmung ausgedrückten. Konservative Rundfunkkommentatoren äußerten scharfe Kritik. Auch Präsident George W. Bush wandte sich gegen die Variante im Latino-Sound. Wer US-Bürger werden wolle, der solle Englisch lernen und somit in der Lage sein, die Nationalhymne auf Englisch zu singen, sagte er.

Zurzeit wird in den USA intensiv über die Einwanderungspolitik diskutiert. In mehr als 50 Städten gingen heute Hunderttausende auf die Straße, um mehr rechte für Menschen ohne gültige Papiere in den USA zu fordern.

als/dpa

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