Integration von Zuwanderern Böhmer fordert mehr Engagement der Politik

Das Ergebnis der Einwandererstudie hält Maria Böhmer für "dramatisch" - und die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung reagierte umgehend: Die CDU-Politikerin hat eine Verdopplung der Integrationsanstrengungen gefordert. Dies sei gerade in Zeiten wirtschaftlicher Schwierigkeiten wichtig.


Berlin - Die Kinder türkischer Zuwanderer sollen nach dem Willen der Bundesregierung bis 2012 das Bildungsniveau ihrer deutschen Altersgenossen erreicht haben. "Wir müssen die Anstrengungen verdoppeln, gerade in Zeiten wirtschaftlicher Schwierigkeiten", sagte die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), am Montag im ZDF-Morgenmagazin. Sie reagierte damit auf die Ergebnisse einer Studie, nach der die Integration türkischer Zuwanderer gescheitert ist.

Die Untersuchung des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung, die am Montag offiziell in Berlin vorgestellt werden sollte, vergleicht die Integrationserfolge einzelner Migrantengruppen. 30 Prozent der Türken und Türkischstämmigen haben demnach keinen Schulabschluss, wie der SPIEGEL bereits am Wochenende berichtete. Nur 14 Prozent haben das Abitur, nicht einmal halb so viele wie in der deutschen Bevölkerung, weniger auch als bei den anderen Zuwanderergruppen.

Selbst in der zweiten Generation verbessern sich die Werte nur geringfügig. Die Gruppe der Aussiedler schneidet demnach bundesweit gut ab: Nur drei Prozent sind ohne Abschluss, 28 Prozent haben die Hochschulreife.

Böhmer nannte die Zahlen der Integrationsstudie "dramatisch" und sagte: "Bildung ist der Schlüssel für Integration." Die Zahlen der Erhebung stammten allerdings aus dem Jahr 2005. Böhmer führte die jetzigen Verhältnisse auf "Versäumnisse der Vergangenheit" zurück.

Zur Lage der türkischen Migranten sagte Böhmer: "Ich glaube, viele haben eine Voraussetzung eben nicht gehabt, als sie nach Deutschland kamen, sie hatten sehr geringe Bildungsabschlüsse, das heißt, sie waren bildungsfern." Deshalb sei dies eine besondere Situation: "Über 72 Prozent der türkischstämmigen Bevölkerung in Deutschland verfügt über keine berufliche Qualifikation. Deshalb können die Kinder auch nicht entsprechend gefördert werden." Die Gruppe der Aussiedler komme hingegen mit einer besseren Ausbildung hier an. Aber auch in der jüngeren Gruppe der Aussiedler gebe es "mangelnde deutsche Sprachkenntnisse, sich noch nicht im Land angekommen fühlen".

Türkischstämmige Muslime kritisierten die Studie. Der Islamwissenschaftler Bekir Alboga sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung", die Behauptung, wonach türkische Einwanderer schlechter in Deutschland integriert seien als andere Zuwanderergruppen, sei wissenschaftlich noch zu bestätigen. Er verwies darauf, in Deutschland lebten viele erfolgreiche türkische oder türkischstämmige Unternehmer, Mediziner, Schauspieler, Autoren und Journalisten.

hen/AP



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