Interne E-Mails der NPD Not, Peinlichkeiten, DVU-Ärger

"Kampftruppen" für die DVU und "Heil Hitler"-Rundschreiben vom Parteinachwuchs: Die mehr als 60.000 internen E-Mails der NPD, die mehreren Medien vorliegen, zeigen eine Partei am Anschlag. SPIEGEL ONLINE dokumentiert vier interne Vorgänge.

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NPD-Kundgebung in Hamburg: Eine Partei am Anschlag
dapd

NPD-Kundgebung in Hamburg: Eine Partei am Anschlag


"Unsere Stärke liegt in der Einheit und Geschlossenheit", so tönt es am Samstag von der NPD-Website als Reaktion auf ein riesiges Datenleck bei der rechtsextremen Partei. Mehr als 60.000 E-Mails, verschickt im Zeitraum zwischen März 2010 bis Januar 2011, wurden SPIEGEL ONLINE und weiteren Medien anonym zugespielt. Inklusive der Dateianhänge belegt der Datenberg 13 Gigabyte Speicherplatz.

Die internen E-Mails enthüllen Chaos innerhalb der Partei. Nur kurz konnte die von der Partei groß gefeierte Aufnahme der DVU-Reste in die NPD von den immensen Problemen der Partei ablenken. Das Superwahljahr bringt die NPD an ihre Grenzen. Funktionäre müssen an den Wochenenden durch die Bundesländer reisen, um beim Nötigsten auszuhelfen. Es wird erbittert um Geld für den Wahlkampf gefeilscht.

Vorrang hat dabei Sachsen-Anhalt, wo die Partei den Einzug in das Landesparlament womöglich schaffen könnte. Die Finanzierung des Wahlkampfs mit Darlehen aus der Partei gestaltet sich aber alles andere als einfach, wie die internen Mails belegen. Andere NPD-Landesverbände sind auf sich gestellt, so hat die Zentrale zum Beispiel kaum einen Euro übrig für die Kameraden in Hamburg.

Hinzu kommt: Die Partei kann sich nicht entscheiden, ob sie nun mit den gewaltbereiten "Freien Kameradschaften" gemeinsame Sache machen will - oder lieber eine radikale Partei mit vermeintlich bürgerlichem Anstrich bleibt.

In den vielen E-Mails klingen diese Probleme an. Die mehr als 60.000 verschickten Nachrichten bieten ein detailliertes Bild vom Innenleben der Partei. Es finden sich Sitzungsprotokolle, Mitgliederlisten, Strategiepapiere und Rundbriefe; Schreiben von Interessenten und einfachen Mitgliedern bis hin zur Korrespondenz der Bundesspitze um den Vorsitzenden Udo Voigt.

Telefonanrufe bei der Partei waren am Montag zunächst erfolglos, die Partei teilt über ihre Website aber angesichts der E-Mail-Veröffentlichungen mit: "Grundsätzlich geben wir keine Auskunft über parteiinternen oder persönlichen Schriftwechsel." Solche Briefe seien "möglicherweise manipuliert", heißt es unter der Überschrift "Vorsicht! Feind liest mit!".

Lesen Sie auf den folgenden Seiten: Hintergründe zur Fusion mit der DVU, Angst vor einem Parteiverbot, die ständige Sorge ums Image der Partei und Interna aus dem Landesverband Bayern.



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insgesamt 48 Beiträge
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KMag 14.02.2011
1. Klappspaten, Mehlmützen, Alliiertenversteher .
Zitat von sysop"Kampftruppen" für die DVU und "Heil Hitler"-Rundschreiben vom Parteinachwuchs: Die mehr als 60.000 internen E-Mails der NPD, die mehreren Medien vorliegen, zeigen eine Partei am Anschlag. SPIEGEL ONLINE dokumentiert vier interne Vorgänge. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,745217,00.html
Für alle npd-"Freunde" ein "must have": die großartige Satire "NNN - Pastörs und die Klappspaten" der NDR-Sendung Extra-3 vom 13.2. http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/extra_3/videos/nnn134.html
zenthorus 14.02.2011
2. Kameraden
Zitat von sysop"Kampftruppen" für die DVU und "Heil Hitler"-Rundschreiben vom Parteinachwuchs: Die mehr als 60.000 internen E-Mails der NPD, die mehreren Medien vorliegen, zeigen eine Partei am Anschlag. SPIEGEL ONLINE dokumentiert vier interne Vorgänge. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,745217,00.html
Wenn ich in diesem Artikel das Wort "Kameraden" ohne Anführung lese, beschleicht mich ein Unbehagen.
Walther Kempinski, 14.02.2011
3. Parteieinverbot
Ich war lange Zeit gegen ein Parteienverbot von NPD und DVU. Nicht weil ich deren Anhänger bin oder mit denen sympathisiere. Jedoch war das Argument, wonach so eine Partei dann im versteckten Untergrund verschwindet und ihre Volksverhetzung im unkontrollierbaren Bereich weiter verbreitet, nicht von der Hand zu weisen. Selbstverständlich würde eine NPD dies tun und ihre Hetze dann etwas unbemerkter, radikaler und unkontrollierbarer fortsetzen. Welche Variante ist jedoch langfristig gefährlicher? Ich bin inzwischen ein Anhänger des Parteienverbots von NPD und DVU. Ihre verfassungsfeindlichen und faschistischen Ansichten liegen klar auf der Hand. Als Partei anerkannt, erhalten sie Steuergelder und können sich somit organisieren. Sie können auf diesem Fundament "Jugendarbeit" leisten und die Gehirne von labilen Jugendlichen leicht und legal vergiften. Der leichte Zugriff auf Jugendliche und die staatlich-finanzielle Unterstützung durch den Staat, machen somit solche Parteien wesentlich gefährlicher als im Vergleich zu einer verbotenen Organisation. Daher plädiere ich für ein schnellstmögliches Verbot von NPD und DVU. Die Gefahr, die solche Parteien im Legalen ausüben, ist weitaus größer als die Gefahr, die diese im Untergrund darstellen. Ferner möchte ich nicht, dass mein Geld über die Wahlkampfkostenerstattung an solche Parteien wandert. Wenn dieses Gesindel die Gehirne von Jugendlichen anzapfen möchte, dann sollen die das gefälligst aus eigener Tasche finanzieren. Die Probleme in Deutschland sind schon kompliziert genug, wir brauchen nicht noch mehr die ewig Gestrigen, die mit ihren Scheinlösungen und Vergangenheitsleugnungen das Land erneut in einen sozialen Krieg stürzen. Ähnliches gilt auch für die SED, respektive PDS, respektive die Linke.
egils 14.02.2011
4. Aufwertung
ich finde iregndwie durch diese umfassende berichtertsattung ueber so eine unwichtige "Partei" wie NPD und DVU wertet diese Spinner nud gestörten nur auf.... man sollte diese nicht herunterspielen, aber eben auch ncith aufwerten. Diese e-mails zeigen dioch nichts anderes als was die meissten von uns bereits ueber diese gruppierung dachten oder dachten zu wuissen. man sollte darueber berichten, aber ncith in deiser "front-page" weise. Dass haben diese Leute nicht verdient dass man sie dermassen beachtet und ernst nimmt. man sollte eher ueber die parlamentsarbeit dieser "Rechten" mwehr berichten, sodass alle peinkliochkeiten dieser sogenannter partieen mehr bekannt wird. AUch die inaktivitaet waere ab und an berichtenswert, um dem Wahlvolk zu zeigen dass eine Stimme an diese Gruppierungen verloroene Stimmen sind!
arialds_blog 14.02.2011
5. Und?
Nichts Neues aus diesen Mails. Viel interessanter wären Datenlecks aus dem Kanzleramt oder auch nur den Parteien CDU und SPD. Ansonsten kann sich die NPD freuen, viel kostenlose Werbung in diesen Tagen. Soll das das ganze Jahr fortgesetzt werden? 60.000 Mails geben ja einiges her.
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