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Internet-Wahlkampf: Der Teufel im Detail

Von Sebastian Christ

Einige Wochen nach der SPD hat nun auch die CDU den Wahlkampf im Internet eröffnet. Generalsekretär Volker Kauder stellte heute das neue Angebot vor, darunter auch eine Website zur Abrechnung mit Rot-Grün. Doch schon am ersten Tag gab es eine peinliche Panne.

CDU-Generalsekretär Volker Kauder: Solide, anständig, korrigierend
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CDU-Generalsekretär Volker Kauder: Solide, anständig, korrigierend

Berlin - Seine Stimme klingt irgendwie dumpf. Aber das ist sicher Absicht. Immer wieder ist ein leichtes Nachhallen zu hören, manchmal auch ein Übersteuern. Und im Hintergrund knistert es, als ob der immer gleiche Satz von einer kaputten Schallplatte käme. Gerhard Schröder ist im Konrad-Adenauer-Haus omnipräsent. Heute ist der erste Tag des CDU-Internetwahlkampfs. Der Kanzler sagt immer nur: "Ich will mich messen lassen an der signifikanten Reduzierung der Arbeitslosigkeit." Damit hat er es bis auf die Wahlkampfseite der CDU geschafft.

Gesagt hat er das im Wahlkampf vor sieben Jahren. Damals gab es so etwas wie eine Wechselstimmung und Schröder war optimistisch. Heute gibt es wieder so etwas wie einen Wunsch nach Wandel, nur die Rollen sind vertauscht. Es ist CDU-Generalsekretär Volker Kauder, der für die Kameras lächelt und den Zuversichtlichen gibt. Und wenn man erstmal optimistisch ist, dann lässt es sich auch gut gegen die Konkurrenz sticheln. "Ja, das ist schön, das muss man mehrmals hören", grinst er. Und scrollt auf der Seite herum. Als er die Portraits des rot-grünen Kabinetts abruft, packt er die Rhetorik-Keule aus: "Das ist die Mannschaft des Chaos", poltert Kauder.

Stolze 180.000 Euro hat es sich die Union kosten lassen, um im Internet mit der SPD gleichzuziehen. Die hatte bereits Mitte Juli die Seite www.die-falsche-wahl.de gelauncht. Die Christdemokraten schießen nun mit der verblüffend ähnlich gestalteten Seite www.leere-versprechen.de zurück. "Negative Campaigning" nennt sich das Konzept, auf deutsch: Schmutzwahlkampf. Statt die eigenen Stärken herauszustellen, wird auf den politischen Gegner eingedroschen.

Brutto, Netto, Merkel

Neben der Angriffsseite wurde auch die CDU-Homepage auf Wahlkampf getrimmt. Zudem hat Kauder zielgruppenspezifische Seiten in Auftrag gegeben, die sich ausschließlich an Senioren oder Jugendliche richten. Für Parteimitglieder gibt es einen geschützten Bereich, in dem sie sich zum Beispiel an vorgefertigten Argumentationshilfen bedienen können. Drei Mitarbeiter sind hauptamtlich dafür zuständig, die Angebote mit Informationen zu speisen. Kauder erzählt den Journalisten, dass seine Partei redliche Arbeit leiste. Mit ihm gebe es keine getürkten Chats oder Falschinformationen. "Solide, anständig, korrekt - so muss es auch schon im Wahlkampf zugehen," sagt er. "Man darf die Menschen auch in den elektronischen Medien nicht hinters Licht führen."

Dabei produzierte sein Internet-Wahlkampf schon am Tag des Starts die erste PR-Panne. Auf der CDU-Homepage wurde ein Transkript des ARD-Sommerinterviews mit Angela Merkel vom Sonntag veröffentlicht. Die Kanzlerkandidatin hatte sich versprochen, als es um die Senkung der Lohnnebenkosten ging: "Ich glaube, dass die Riester-Rente entbürokratisiert werden kann, einfacher gemacht werden kann und der interessante Effekt, den wir jetzt haben ist ja, dass für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer - und für die gilt ja die Riester-Rente - die Bruttolöhne um ein Prozent sinken, wenn wir die Lohnzusatzkosten senken." Weniger Lohn nach Senkung der Lohnnebenkosten also - sicher nicht das, was die CDU beabsichtigt.

Auf der CDU-Seite wurde dieser Fehler korrigiert, obwohl das Original immer noch unter www.tagesschau.de abrufbar ist. Doch selbst die erste kosmetische Fassung war falsch: Diesmal hieß es, dass die Bruttolöhne nicht sinken, sondern steigen würden. Auch dies hatte Angela Merkel jedoch nicht gemeint, und so lautet es in der neuesten Fassung nun richtig: "Der interessante Effekt ist doch, dass für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer - und für die gilt ja die Riester-Rente - die Nettolöhne um ein Prozent steigen, wenn wir die Lohnzusatzkosten senken."

Zu einem möglichen TV-Duell zwischen Angela Merkel und Gerhard Schröder blieb Kauder bei der bisherigen Position der Union: Es gibt nur ein Duell. Grund dafür sei der volle Terminplan der Kanzlerkandidatin, die offenbar viel mehr zu tun hat als der amtierende Kanzler. "Da ist überhaupt kein Tag mehr frei", beteuert Kauder. Merkel sei in der Republik unterwegs, mache dort vor Ort Wahlkampf. "Nur aus der Begegnung mit den Menschen spürt man, was die Leute bewegt."

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