Interview-Buch Guttenberg erklärt sich für "vorerst gescheitert"

Die Zeit der Zurückhaltung ist für Karl-Theodor zu Guttenberg vorbei. Erst absolvierte der Ex-Verteidigungsminister einen Auftritt in Halifax, nun folgt ein Interview-Buch. Darin will er sich zu seinem spektakulären Rücktritt äußern - und zu den Chancen auf ein Comeback.

Ex-Bundesverteidigungsminister Guttenberg: Neues Buch auf dem Markt
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Ex-Bundesverteidigungsminister Guttenberg: Neues Buch auf dem Markt


Hamburg - Bisher ist wenig bekannt über den Inhalt von "Vorerst gescheitert", einem Schlagabtausch in Buchform zwischen Karl-Theodor zu Guttenberg und Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur der "Zeit". Doch das Wenige, was bisher durchsickert, verheißt spannenden Lesestoff: Über seinen Umgang mit den eigenen Fehlern, über die Zeit nach dem Rücktritt - und über die Voraussetzungen für eine Rückkehr will Guttenberg laut Herder-Verlag sprechen. Es wäre das erste Mal seit seinem Abtritt von allen politischen Ämtern.

Die Veröffentlichung ist der zweite Schritt auf Guttenbergs Weg zurück ins politische Rampenlicht. Am Wochenende hatte er auf dem Halifax Security Forum, einem VIP-Treffen mit internationalen Sicherheitspolitikern, den ersten öffentlichen Auftritt seit seinem Rückzug absolviert.

In Kanada hatte sich Guttenberg noch jede Frage der Journalisten zu seiner persönlichen Situation verbeten. Sich äußern zu seinem Rücktritt, seiner Zukunft oder gar zum Ermittlungsverfahren wegen der Urheberverletzung in seiner Doktorarbeit wollte Guttenberg nicht - das holt er in dem neuen Buch nun offenbar ausgiebig nach.

Schon vor Beginn der kanadischen Konferenz wurde klargemacht, dass der CSU-Mann keinen Kontakt mit der Presse wünscht. Erst nach Protesten wurden Medienvertreter im Tagungssaal überhaupt für kurze Zeit zugelassen.

Neuer Job als politisches Sprungbrett?

Guttenberg war im März 2011 als Verteidigungsminister zurückgetreten, weil er seine Doktorarbeit in weiten Teilen von anderen Autoren abgeschrieben hat, ohne dies genau zu kennzeichnen. Sein Nachfolger wurde Innenminister Thomas de Maizière (CDU). Das Innenministerium übernahm damals CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich.

Im Spätsommer hatte Guttenberg, mit seiner Familie in die USA ausgewandert, ehrenamtlich einen Job bei der Denkfabrik für Strategische und Internationale Studien CSIS angenommen. Dort soll er als ehemaliger und trotzdem weltweit angesehener Staatsmann die transatlantischen Kontakte pflegen.

Die Affäre um die Doktorarbeit ist jedoch noch nicht ausgestanden: Guttenberg muss auf den Ausgang des Ermittlungsverfahrens gegen ihn bei der Staatsanwaltschaft Hof warten. Bis Dezember wollen sich die dortigen Juristen äußern, ob sie Anklage gegen Guttenberg erheben, ob er am Ende möglicherweise gar vorbestraft ist.

jok

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insgesamt 212 Beiträge
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Gebetsmühle 21.11.2011
1. er hat teilweise recht.
Zitat von sysopDie Zeit der Zurückhaltung ist*für Karl-Theodor*zu Guttenberg vorbei.*Erst absolvierte der Ex-Verteidigungsminister einen Auftritt in Halifax, nun folgt ein Interview-Buch.*Darin will er sich zu seinem spektakulären Rücktritt äußern - und zu den Chancen auf ein Comeback. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,799062,00.html
als politiker ist er an seiner eigenen unehrlichkeit gescheitert und zwar nicht "vorerst". wenn er was aus seinem leben machen will, dann wäre es an der zeit, endlich eine ordentliche und ehrliche arbeit zu ergreifen.
blue_plasma, 21.11.2011
2. Jobvorschlag für KTG
Lieber KTG, mache etwas sinnvolles und lass' von einem Ingenieur eine Maschine bauen, die die thermische Energie von heisser Luft nutzt. So etwas ist ganz gut machbar. Die Energiequelle bist Du, denn ich kenne niemanden der so permanent so viel heisse Luft produzieren kann... Und wenn Dieki von der Bild sich noch dazu gesellt, dann sind die Energieprobleme des Planeten gelöst! :) Gaaaaanz liebe Grüße über den Atlantik!
Thomas Weber 21.11.2011
3. Eine "zweite Chance"?
Im Zusammenhang mit Karl-Theodor zu Guttenberg wird davon gesprochen, dass dieser eine zweite Chance bekommen soll. Gegen eine zweite Chance wird grundsätzlich kaum jemand etwas haben. Aber ist bei Karl-Theodor zu Guttenberg die Rede von einer zweiten Chance wirklich sinnvoll? Die Rede von einer "zweiten Chance" ist doch nur dann sinnvoll, wenn es eine erste Chance gab, die nicht genutzt wurde. Die Rede von einer zweiten Chance für Karl-Theodor zu Guttenberg meint ja wohlin erster Linie nicht den zweiten Versuch einer Promotion, sondern eine zweite politische Karriere. Hatte aber Karl-Theodor zu Guttenberg, nachdem er zwar eine junge, aber durch und durch verdorbene Dissertation im Gepäck seiner Biographie hatte, überhaupt eine erste Chance für eine dauerhafte politische Karriere in der Bundesregierung? Doch wohl nicht wirklich. Karl-Theodor zu Guttenberg ist ja nicht wegen seiner konkreten Amtsführung zurückgetreten, sondern weil es herausgekommen ist, dass er bei seinem Eintritt in die Bundesregierung diese verdorbene Dissertation in seiner Biographie hatte, und weil er bisher nicht nachvollziehbar erklärt oder erklären kann, wie es zu dieser Dissertation kommen konnte. Mit einem solchen Gepäck ist es in der Rückschau geradezu mutwillig, Bundesminister zu werden. Es war doch nur eine Frage der Zeit, bis diese Dissertation und die Umstände ihrer Entstehung bekannt werden würden. Konnte Karl-Theodor zu Guttenberg wirklich annehmen, dass dieses unbemerkt bleiben würde? Wenn ja, wie konnte er zu dieser Einschätzung kommen? Karl-Theodor zu Guttenberg braucht weniger eine zweite Chance, als vielmehr einen Neustart mit einem unverdorbenen Gepäck. Ob dieser überhaupt möglich ist, wird davon abhängen, ob, dass und wie Karl-Theodor zu Guttenberg die Frage, wie es zu dieser verdorbenen Dissertation kommen konnte, und was er sich dabei gedacht hat, mit dieser Hypothek Minister zu werden wollen und zu können, nachvollziehbar beantwortet. http://thomasweber.blog.de/2011/03/02/zweite-chance-karl-theodor-guttenbergs-10741704/
slider 21.11.2011
4. Schlimmste Vermutungen
Zitat von sysopDie Zeit der Zurückhaltung ist*für Karl-Theodor*zu Guttenberg vorbei.*Erst absolvierte der Ex-Verteidigungsminister einen Auftritt in Halifax, nun folgt ein Interview-Buch.*Darin will er sich zu seinem spektakulären Rücktritt äußern - und zu den Chancen auf ein Comeback. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,799062,00.html
Ich trage Sorge das KTG die "Halifax-Zelle" aufbaut. Ich hoffe die Schlapphütte haben ein Auge drauf.
cassandros 21.11.2011
5. Pilawa-Palawer
Zitat von Thomas WeberIm Zusammenhang mit Karl-Theodor zu Guttenberg wird davon gesprochen, dass dieser eine zweite Chance bekommen soll. Gegen eine zweite Chance wird grundsätzlich kaum jemand etwas haben. Aber ist bei Karl-Theodor zu Guttenberg die Rede von einer zweiten Chance wirklich sinnvoll? Die Rede von einer "zweiten Chance" ist doch nur dann sinnvoll, wenn es eine erste Chance gab, die nicht genutzt wurde. Die Rede von einer zweiten Chance für Karl-Theodor zu Guttenberg meint ja wohlin erster Linie nicht den zweiten Versuch einer Promotion, sondern eine zweite politische Karriere. Hatte aber Karl-Theodor zu Guttenberg, nachdem er zwar eine junge, aber durch und durch verdorbene Dissertation im Gepäck seiner Biographie hatte, überhaupt eine erste Chance für eine dauerhafte politische Karriere in der Bundesregierung? Doch wohl nicht wirklich. Karl-Theodor zu Guttenberg ist ja nicht wegen seiner konkreten Amtsführung zurückgetreten, sondern weil es herausgekommen ist, dass er bei seinem Eintritt in die Bundesregierung diese verdorbene Dissertation in seiner Biographie hatte, und weil er bisher nicht nachvollziehbar erklärt oder erklären kann, wie es zu dieser Dissertation kommen konnte. Mit einem solchen Gepäck ist es in der Rückschau geradezu mutwillig, Bundesminister zu werden. Es war doch nur eine Frage der Zeit, bis diese Dissertation und die Umstände ihrer Entstehung bekannt werden würden. Konnte Karl-Theodor zu Guttenberg wirklich annehmen, dass dieses unbemerkt bleiben würde? Wenn ja, wie konnte er zu dieser Einschätzung kommen? Karl-Theodor zu Guttenberg braucht weniger eine zweite Chance, als vielmehr einen Neustart mit einem unverdorbenen Gepäck. Ob dieser überhaupt möglich ist, wird davon abhängen, ob, dass und wie Karl-Theodor zu Guttenberg die Frage, wie es zu dieser verdorbenen Dissertation kommen konnte, und was er sich dabei gedacht hat, mit dieser Hypothek Minister zu werden wollen und zu können, nachvollziehbar beantwortet. http://thomasweber.blog.de/2011/03/02/zweite-chance-karl-theodor-guttenbergs-10741704/
Nix da 2. Chance. Ich schlage vor, daß er bei seiner nächsten Anhörung vor dem dt. Bundestag einen Telefonjoker bekommt. Das reicht für's erste.
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