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Interview-Buch: Guttenberg hält andere Politiker für dumm

Karl-Theodor zu Guttenberg macht sich kaum Freunde mit der Art seiner Rückkehr in die Öffentlichkeit. In seinem diese Woche erscheinenden Buch äußert er sich nach SPIEGEL-Informationen herablassend über andere Politiker. Sein Vorwurf: Ahnungslosigkeit.  

Ex-Minister Guttenberg: "Erschütternde Unkenntnis über internationale Kapitalströme" Zur Großansicht
dapd

Ex-Minister Guttenberg: "Erschütternde Unkenntnis über internationale Kapitalströme"

Hamburg - Karl-Theodor zu Guttenberg hat sich offenbar so etwas wie eine Generalabrechnung vorgenommen. Seit er bei einer Sicherheitskonferenz in Kanada ins Rampenlicht zurückkehrte, teilt er kräftig aus. Seine eigene Partei hat schon ihr Fett weggekriegt und die Bundesregierung sowieso. Nun poltert er noch gegen die Politiker-Klasse allgemein. Der ehemalige Verteidigungsminister zeigt sich in seinem Interviewbuch "Vorerst gescheitert", das diese Woche erscheint und dem SPIEGEL vorliegt, entsetzt über die politische Ahnungslosigkeit anderer Politiker. Er sei fasziniert von der "erschütternden Unkenntnis bis in die politischen Spitzen hinein, was Mechanismen, Regeln und Abläufe internationaler Kapitalströme anbelangt", so Guttenberg. Immerhin: Auch seine eigene "unglaubliche Dummheit" bei der Abfassung seiner weithin abgeschriebenen Doktorarbeit beklagt er in dem Interview.

In dem Buch gibt er zudem an, dass er nie vorhatte, sein Amt als Verteidigungsminister bis zum Ende der Legislaturperiode auszufüllen - auch vor seinem Rücktritt nicht. Er habe seiner Frau "mal versprochen, nach zehn Jahren aufzuhören. Und ich habe der Bundeskanzlerin Ende letzten Jahres angekündigt, dass ich wahrscheinlich vor Ende der Legislaturperiode aufhören werde", sagt Guttenberg.

Den Zustand der Bundeswehrreform, die Guttenberg zwar angestoßen, dann aber wegen seines Rücktritts unerledigt gelassen hatte, verteidigt der CSU-Politiker. In dem Interviewbuch rühmt er sich, sein Nachfolger Thomas de Maizière habe seine Reformpapiere "nahezu vollständig übernommen".

Seehofer und Aigner rügen Guttenberg

CSU-Chef Horst Seehofer lässt die Anschuldigungen Guttenbergs nicht unbeantwortet. Er teilt aus und rügt ihn wegen der Inszenierung seines Comebacks schwer. "Ich erkenne an dem Auftritt von Karl-Theodor zu Guttenberg und an dem Interview viel von seiner Persönlichkeitsstruktur wieder. Diese Art und Weise, andere herabzusetzen, um sich selbst zu erhöhen, geht so aber nicht", sagte Seehofer dem SPIEGEL.

Insbesondere verwahrt sich Seehofer gegen Guttenbergs Kritik am Kurs bei der Euro-Rettung und am Zustand der CSU. "Wenn Karl-Theodor zu Guttenberg die Regierung wegen der Euro-Rettung kritisiert, darf ich ihn daran erinnern, dass er bis vor acht Monaten als Bundesminister Teil dieser Regierung war und diese Maßnahmen mit vertreten hat", sagte Seehofer. "Wenn er jetzt den Kurs der CSU kritisiert, darf ich ihn daran erinnern, dass er bis vor acht Monaten Bezirksvorsitzender dieser CSU war, das ist eines der höchsten Ämter, die diese Partei zu vergeben hat. Da habe ich nichts vernommen davon, dass der Charakter der CSU als Volkspartei gefährdet sei. Dieses Spiel, ich spreche direkt zum Volk, das geht doch so nicht", kritisierte CSU-Chef Seehofer.

Auch Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) kritisierte im SPIEGEL Guttenbergs Auftreten. "Ob er sich mit seinem Auftritt in Kanada einen Gefallen getan hat? Eigentlich hat Karl-Theodor diese Fundamentalkritik an der europäischen Politik doch gar nicht nötig", sagte Aigner.

Guttenberg konnte Termin der Verfahrenseinstellung steuern

Inzwischen wird immer deutlicher, wie stark Guttenberg seine Rückkehr in die Öffentlichkeit tatsächlich inszeniert hat: Der Termin der Einstellung des Strafverfahrens wegen seiner Plagiate war wohl kein Zufall. Der CSU-Mann konnte den Zeitpunkt kurz vor der Veröffentlichung seines Interview-Buchs mitbestimmen, meldet die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung".

ler

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