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Interview in der "Jungen Freiheit": Vera Lengsfeld verteidigt Hohmann

Von Ulrike Putz

Der aus der CDU-Fraktion verbannte Martin Hohmann hat neue Rückendeckung erhalten. Der hessische Bundestagsabgeordnete sei ein "Opfer", der Skandal um ihn eine "inszenierte Treibjagd", behauptet seine CDU-Kollegin Vera Lengsfeld - und das ausgerechnet in der "Jungen Freiheit".

Vera Lengsfeld: Hohmann hätte nicht ausgeschlossen werden sollen
AP

Vera Lengsfeld: Hohmann hätte nicht ausgeschlossen werden sollen

Berlin - Es war schon bravourös, wie CDU-Chefin Angela Merkel auf dem Parteitag in Leipzig den Deckel auf die Affäre Hohmann drückte. Statt über das Skandalmitglied ließ sie über die Zukunft Deutschlands diskutieren. Der böse Geist schien so gebannt - doch immer wieder springt er wie ein Springteufel aus der Kiste.

Diesmal hat Parteigenossin Vera Lengsfeld den Deckel abgenommen - durch ein Interview ausgerechnet in der rechtsgerichteten Zeitschrift "Junge Freiheit". Ein Blatt, mit dem auch Martin Hohmann gerne sprach und das von Experten in der Grauzone am rechten Rand angesiedelt wird. In dem am Samstag erscheinenden Gespräch nimmt Vera Lengsfeld - Ex-SED-Mitglied, Ex-Grüne und nun CDU-Bundestagsabgeordnete - ihren ehemaligen Fraktionskollegen Hohmann in Schutz.

Hohmanns Ausschluss aus der CDU-Fraktion sei Ergebnis einer "inszenierten Treibjagd". Die CDU habe einer Medienkampagne nachgegeben. Wenn man sich, wie widerwillig auch immer, daran beteilige, müsse man auch sagen, warum "das Opfer eliminierungswürdig ist". Lengsfeld, die versucht hatte, Hohmann zum freiwilligen Rückzug zu bewegen und letztendlich für seinen Rauswurf stimmte, deutet an, die CDU hätte sich bei gründlicher und unvorgenommener Exegese der "Tätervolk"-Rede womöglich gegen den Fraktionsausschluss ausgesprochen.

Die "Tätervolk"-Rede sei zwar unpassend und überflüssig gewesen, doch sei Hohmann "wegen einer verunglückten Rede noch kein Antisemit", so Lengfeld. Die Diplomphilosophin kommt zu dem Urteil, dass Hohmanns Rede zum Tag der Deutschen Einheit "eher provinzieller Natur" gewesen und zu einer "Staatsaffäre aufgeblasen" worden sei. Hohmann hatte bei der Ansprache in seiner Heimatstadt Neuhof unter anderem die Frage aufgeworfen, ob es "auch beim jüdischen Volk eine dunkle Seite in der neueren Geschichte" gegeben habe.

Hohmann hätte nicht ausgeschlossen werden sollen, weil die Rede, die allgemein als antisemitisch bewertet wird, keinen Grund zum Ausschluss in sich berge, sagt Lengsfeld in dem Interview. Als Grund für seinen Rauswurf sei "reine Erregung, auch wenn wir uns im öffentlichen Diskurs daran gewöhnt haben, zu dürftig".

Martin Hohmann: Hysterische Einengung der Meinungsvielfalt
DPA

Martin Hohmann: Hysterische Einengung der Meinungsvielfalt

"Die Auswirkung auf die Meinungsfreiheit ist nicht absehbar", so Lengsfeld weiter. Die Union müsse dieser hysterischen Einengung der Meinungsvielfalt, der Stigmatisierung und Ausgrenzung konservativer Auffassungen entschlossen entgegentreten. "Schon deshalb gebe ich der 'Jungen Freiheit' ein Interview", erklärte Lengsfeld. Sie kokettiert damit, dass sie nach der Definition von Bundestagspräsident Wolfgang Thierse "somit rechtsextremistisch" sei: "Weil für Herrn Thierse ein Rechtsradikaler in Deutschland nicht nur Anzug trägt, sondern auch 'Junge Freiheit' liest."

Wie weit Lengsfeld unsteter politischer Weg sie vom gesellschaftlichen Konsens abgebracht hat, wird deutlich, wenn sie im Interview beschreibt, dass die Gefahr für die deutsche Demokratie gerade auch von ihren obersten Hütern ausgehe. Deutschland werde mit politisch-korrekten Verdikten autoritär überzogen. "Wer sich diesen anmaßenden Vorgaben nicht beugt, wird aus der Gemeinschaft der 'Anständigen' ausgestoßen." Deshalb sollte man als Parlamentarier nur "mit aller Vorsicht" ein Vorbild "demokratischer Haltung" geben.

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