Interview mit Peter Sodann: "Liberté, Egalité, Pfefferminztee"

Der Hallenser Schauspieler und Tatort-Kommissar Peter Sodann, 69, spricht im SPIEGEL-Interview über seine zurückgezogene Kandidatur für die PDS - und erklärt, warum er für seine politischen Ideale auch als Schauspieler eintreten kann.

Peter Sodann: "Gewisse Eitelkeit"
AP

Peter Sodann: "Gewisse Eitelkeit"

SPIEGEL:

Gerade noch auf dem Weg in den 16. Bundestag, stehen Sie nun doch wieder auf der Zuschauertribüne. Was ist passiert?

Sodann: Ich hatte mich vorher nicht kundig gemacht, was dies beruflich für mich bedeuten würde. Ich bin in erster Linie Schauspieler, Künstler. Die Leute vom Linksbündnis hätten das auch ein bisschen eruieren können, bevor sie im Mai mit mir gesprochen haben.

SPIEGEL: Die PDS beklagt, der MDR habe Druck auf Sie ausgeübt und Ihnen quasi ein Berufsverbot in Aussicht gestellt, wenn Sie in den Bundestag einziehen. Können Sie die Argumentation des Senders, dass ein Abgeordneter nicht mehr unbefangen als Bruno Ehrlicher ermitteln kann, nachvollziehen?

Sodann: Ich kann es nachvollziehen. Am Anfang habe ich wohl nicht richtig nachgedacht. Schließlich bin ich ja auch dagegen, dass Abgeordnete einen Nebenverdienst haben. Diese Frage habe ich mir gar nicht gestellt, als ich dem Linksbündnis meine Zusage gegeben habe. Zu meinem Ärger muss ich gestehen, dass bei der Entscheidung zur Kandidatur eine gewisse Eitelkeit bei mir mitgespielt hat.

SPIEGEL: Haben Sie Ihre hehren politischen Ideale nun gegen das schnöde Salär des Tatort-Kommissars eingetauscht?

Sodann: Nein, nein. Als Abgeordneter hätte ich mehr verdient. Aber mein Beruf geht nun mal vor. Ich gehe auch weiter mit meinen 1.-Mai-Reden unter das Volk und erzähle, wie es in der DDR war und wie ich die Bundesrepublik sehe.

SPIEGEL: Was hätten Sie im Bundestag denn bewegen wollen?

Sodann: Der Bundespräsident sagt doch immer, wir brauchen neue Gedanken. Dabei haben wir die alten noch nicht mal durchgesetzt: Freiheit, Gleichkeit, Brüderlichkeit. Wo sind denn die Gedanken der Französischen Revolution? Zu Zeiten der DDR habe ich gesagt: Liberté, Egalité, Pfefferminztee. Dabei ist es leider bis heute geblieben.

SPIEGEL: Peter Sodann hätte dann also auf einer Hinterbank im Parlament gesessen, den endlosen Debatten gelauscht und wäre niemals ungeduldig geworden? Schwer vorstellbar.

Sodann: Ich kann es mir ja auch nicht vorstellen. Ich habe mir sogar extra eine Sitzung des Bundestages angesehen und dabei festgestellt: also irgendwo ganz im Innersten gehörst du da nicht hin.

SPIEGEL: War es denn wenigstens die richtige Partei? Schließlich hat die PDS noch jede Menge alte SED-Genossen in ihren Reihen. Anhänger jener Partei also, die Ihnen einst neun Monate Zuchthaus für ein Kabarettprogramm aufbrummte.

Sodann: Ich bin ein hoffnungsvoller Mensch und würde mich freuen, wenn sich diese Genossen auch an das Wort Demokratie erinnern. Außerdem ist das 44 Jahre her. Meinen Stasi-Spitzeln habe ich gesagt: Wo Sünde ist, muss auch Vergebung sein.

Das Interview führte Steffen Winter

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