Altbundeskanzler Schröder verteidigt Feier mit Putin

Seine Geburtstagssause mit Russlands Präsident Putin, herzliche Umarmung eingeschlossen, hat ihm heftige Kritik gebracht - nun verteidigt sich Altkanzler Schröder in einem Interview: "Der russische Präsident ist keine Persona non grata."

Altkanzler Gerhard Schröder (im Februar 2014): "Ich habe nichts zu verbergen"
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Altkanzler Gerhard Schröder (im Februar 2014): "Ich habe nichts zu verbergen"


Berlin - "Völlig unverantwortlich" und "gefährlich" - nach seinem Treffen mit Russlands Präsident Wladimir Putin musste sich SPD-Altbundeskanzler Gerhard Schröder mit sehr deutlichen Worten kritisieren lassen. Nicht nur die politische Konkurrenz hatte wenig Verständnis für die Geburtstagssause in St. Petersburg. Auch aus den eigenen Reihen gab es zum Teil Widerspruch - nicht zuletzt, weil zeitgleich deutsche Militärbeobachter in der Ostukraine festgehalten wurden.

Inzwischen sind die Militärbeobachter wieder frei - und Schröder verteidigt sich nun in einem Interview. "Der russische Präsident ist keine Persona non grata. Ich habe mich gefreut, dass er gekommen ist - auch weil ich wusste, dass es dann die Möglichkeit für ein Gespräch gibt", sagte er der "Welt am Sonntag" und dem "SonntagsBlick".

Und genau in diesem Gespräch sieht Schröder einen Beitrag zur Befreiung der OSZE-Beobachter. "Es hat, was die Freilassung der OSZE-Militärbeobachter angeht, auch zu einem Erfolg geführt", sagte Schröder - eine Sicht übrigens, die auch Linken-Fraktionschef Gregor Gysi nachvollziehen kann: "Er hat lange mit Putin darüber gesprochen und mehr Anteil daran als die Sanktionen", sagte Gysi im SPIEGEL-ONLINE-Interview.

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Schröder trifft Putin: Umarmung unter Freunden

Das Klima der Gespräche mit Putin beschrieb Gerhard Schröder der "Welt am Sonntag" als "freundschaftlich, auch ernst". Gewohnt selbstbewusst wies er Kritik am Zeitpunkt der Geburtstagsparty zurück - ungeachtet von Ukraine-Krise, Annexion der Krim und Geiselnahme: Das Fest sei bereits im Herbst vergangenen Jahres angesetzt worden. Da hätten die Anteilseigner der Pipeline-Gesellschaft Nord Stream entschieden, die Veranstaltung zu seinem 70. Geburtstag in St. Petersburg auszurichten.

"Ich habe nicht eine Sekunde darüber nachgedacht, darum zu bitten, den Empfang abzusagen", sagte der SPD-Politiker. Auch die Umarmung mit Putin sei Ehrensache gewesen: "Ich habe nichts zu verbergen und ich werde mich auch nicht verbiegen. Seitdem ich Wladimir Putin kenne, seit mehr als 14 Jahren, begrüßen wir uns so", sagte Schröder. Das ändere er "auch nicht in schwierigen Zeiten".

"Drängen auf mehr Sanktionen widerstehen - auf Dauer"

Der Altkanzler warnte Deutschland und den Westen davor, in der Ukraine-Krise weitere Sanktionen gegen Russland zu verhängen. Stattdessen sollten russische Sicherheitsinteressen stärker beachtet werden. "Ich rate daher, dem amerikanischen Drängen auf mehr Sanktionen zu widerstehen - auf Dauer."

Deutschland habe für Russland eine zentrale Bedeutung, sagte Schröder. "Wir sind Russlands wichtigster Partner in Europa, nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch. Deswegen ist die Rolle der Bundesregierung so wichtig."

Schröder rief gleichzeitig die ukrainische Übergangsregierung dazu auf, die Gewalt im Osten des Landes zu beenden. "Die ukrainische Regierung sollte jetzt jede Chance zu einer friedlichen Beilegung des Konflikts nutzen. Wenn sie das nicht tut, dann ist das unverantwortlich", sagte der Altbundeskanzler.

Die Regierung in Kiew müsse "zu einem nationalen Dialog mit den ostukrainischen Kräften bereit sein, sie muss mit ihren militärischen Aktionen aufhören". Wenn sie das nicht tue, "muss die EU Druck auf die Kiewer Regierung ausüben, damit diese den richtigen Weg einschlägt. Der Schlüssel zur friedlichen Lösung liegt nicht nur in Moskau, sondern auch in Brüssel, Washington und Berlin."

chs

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Seite 1
andree_nalin 11.05.2014
1. Ja, so ist das
mit G. Schröder: Schei...egal, ich mache was ich will. Er ist und bleibt Putins bester Mann im Westen.
Europa! 11.05.2014
2. Nachhaltige Politik
Zitat von sysopDPASeine Geburtstagssause mit Russlands Präsident Putin, herzliche Umarmung eingeschlossen, hat ihm heftige Kritik gebracht - nun verteidigt sich Altkanzler Schröder in einem Interview: "Der russische Präsident ist keine Persona." http://www.spiegel.de/politik/deutschland/interview-schroeder-verteidigt-feier-mit-putin-a-968746.html
Schröder hat keinen Grund, sich für sein Auftreten in St. Petersburg entschuldigen zu müssen. Es hat sich längst als gut und richtig erwiesen. Nachhaltige Freundschaft mit Russland muss ein Eckpfeiler deutscher und europäischer Politik sein. Einen Rückfall in die Zeiten des "Kalten Krieges" darf es nicht geben.
fried75 11.05.2014
3. Unglaublich
Die Russen sollen Freunde bleiben, nur Putins Diktatur muss es nicht. Selten ist jemand so offensichtlich gekauft worden wie Schröder, der lupenreine Wahrheitsmensch.
vebughy 11.05.2014
4. SPD ist korrupt
Putin hat enge Kontakte zur Russenmafia. Eine Schande, dass unsere Politik offensichtlich vom russischen Mob gesteuert wird. Man kann auch spekulieren, dass das BER Desaster auch damit etwas zu tun hat.
eisbaerchen 11.05.2014
5. "Wessen Brot ich fress,
Zitat von sysopDPASeine Geburtstagssause mit Russlands Präsident Putin, herzliche Umarmung eingeschlossen, hat ihm heftige Kritik gebracht - nun verteidigt sich Altkanzler Schröder in einem Interview: "Der russische Präsident ist keine Persona." http://www.spiegel.de/politik/deutschland/interview-schroeder-verteidigt-feier-mit-putin-a-968746.html
dessen Lied isch sing..." Wie wahr...Schröder gehört aus der SPD ausgeschlossen, der hat nichts mehr mit dem Begriff "sozial" zu tun.
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