Sonneborn im Satire-Interview "Wir erhoffen uns Zugriff auf versteckte SED-Milliarden"

"Die Partei" hat neue Ehrenmitglieder gewonnen - gleich mehrere Bundestagsabgeordnete der Linken. Der Vorsitzende Martin Sonneborn plant nun die Fusion mit Lafontaines Mannschaft, später will er auch die Piraten kapern. Ein satirisches Enthüllungsinterview. 

Sonneborns persönliches Ziel: Bei Wahlen unter einem Prozent zu bleiben
dapd

Sonneborns persönliches Ziel: Bei Wahlen unter einem Prozent zu bleiben


Berlin - Im Rahmen eines feierlichen Aktes in der Berliner Kneipe Manyo hat der Satiriker Martin Sonneborn mehreren persönlich anwesenden Bundestagsabgeordneten der Linkspartei am Donnerstagabend die Ehrenmitgliedschaft in der Partei "Die Partei" verliehen, deren Vorsitzender Sonneborn ist.

Vordergründig war es ein Dank an die Volksvertreter, die in den Deutschen Bundestag einen Gesetzentwurf eingebracht hatten, um Sonneborns Partei die Zulassung zur Bundestagswahl zu erleichtern. Es flossen Freudentränen und Bier.

Im Interview mit SPIEGEL ONLINE offenbart Sonneborn nun die wahren Motive des politischen Manövers.

SPIEGEL ONLINE: Herr Sonneborn, ein halbes Dutzend Bundestagsabgeordneter der Linken sind nun Ehrenmitglied in der Partei "Die Partei". Für wen ist das schlimmer?

Sonneborn: Für die Linke. Wir erhoffen uns dadurch direkten Zugriff auf die versteckten SED-Milliarden.

SPIEGEL ONLINE: Warum fusionieren Sie dann nicht gleich, statt nur zu unterwandern?

Sonneborn: Gute Idee. Die Parteien verbindet ein gemeinsames Ziel: Die endgültige Teilung Deutschlands. Das lebt die Linke ja bereits vor. Wir sind nicht nur für Mauern in den Köpfen.

SPIEGEL ONLINE: Aber mit den Mitgliedern der ehemaligen PDS käme ihre Partei auf einen gefühlten Altersdurchschnitt von über 70. Verlieren Sie damit nicht das Image des Unverbrauchten, Jungen?

Sonneborn: Dafür haben wir bereits eine Lösung. Ich habe gerade was gelesen über ein Demenz-Dorf in Holland. So was schwebt uns auch vor. Man könnte sie alle in Görlitz kasernieren. Das würde die Unterstützung für den Solidaritätszuschlag auch in westdeutschen Kommunen wiederbeleben. Unsere Kommission für Redundanz-Reduktion arbeitet schon daran.

SPIEGEL ONLINE: Bei einer Fusion müssten Sie aber nicht nur die Witze von Gregor Gysi belächeln, sondern sich vermutlich auch noch den Vorsitz mit Oskar Lafontaine teilen.

Sonneborn: Das ist dann leider ein Ausschlusskriterium. Das Tischtuch zwischen der Partei "Die Partei" und Lafontaine ist so zerschnitten wie das Tischtuch zwischen Lafontaine und Teilen seiner eigenen Partei.

SPIEGEL ONLINE: Ist es nicht ein Risiko, so streiterprobte Genossen in die eigene Partei zu holen?

Sonneborn: Es zeigt unseren Großmut: Wir lassen keinen zurück, der uns den Weg an die Macht ebnet.

SPIEGEL ONLINE: Die innerparteiliche Krise der Linken könnte Sie aber mit in den Abgrund reißen. Wäre es nicht viel klüger, mit den Piraten zu segeln?

Sonneborn: Das ist der nächste Schritt. Erst holen wir uns das Geld und die Mandate der Linken. Dann übernehmen wir die Piraten. Mit denen verbindet uns auch ein gemeinsames Ziel: die Überwindung aller Inhalte. Wir fordern: Abschaffung des Urheberrechts auf null Inhalte.

SPIEGEL ONLINE: In der Partei "Die Partei" herrscht Personenkult. Sie werden auf Versammlungen als GröVaZ gefeiert: Größter Vorsitzender aller Zeiten. Welche Ziele haben Sie da noch persönlich?

Sonneborn: Das Ziel, bei Wahlen unter einem Prozent zu bleiben. Denn ab einem Prozent fließt Wahlkampfkostenerstattung. Das würde aber eine ordentliche Buchführung erfordern, die auch noch öffentlich nachvollziehbar sein muss. Da sagen wir klar: Das ist mit uns nicht zu machen.

Das Interview führte Markus Deggerich

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rainer_daeschler 02.04.2012
1.
Für dieses Interview wird sich der Wähler noch grausam an "der Partei" rächen, mit mehr als 1 Prozent. Mit "inhaltslos, aber lustig" nimmt er den Piraten ordentlich Prozente ab von Wählern, die eigentlich nur den etablierten Parteien den Stinkefinger zeigen wollen. Martin Sonneborn soll schon mal anfangen Buchhaltung zu lernen.
ArnoNuem 02.04.2012
2. Vorsicht - sonst Konterrevolution
Zitat von sysopdapd"Die Partei" hat neue Ehrenmitglieder gewonnen - gleich mehrere Bundestagsabgeordnete der Linken. Der Vorsitzende Martin Sonneborn plant nun die Fusion mit Lafontaines Mannschaft, später will er auch die Piraten kapern. Ein satirisches Enthüllungsinterview. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,824849,00.html
Ich begrüße es sehr, wenn nach Abschaffung aller Inhalte "Die Partei" eines Tages mit unter einem Prozent an die Macht kommt. Ich werde diesen Weg aber nur mitgehen, wenn es zu einer Umkehr der Wochenverhältnisse kommt: fünf Tage Wochenende und zwei Tage Arbeitszwang für Alle. Und: der GröVaZ wird in Personalunion Bundeskanzler, Bundespräsident, Bundestagspräsident, Präsident des DFB und dessen Cheftrainer, Vorsitzender der EKD, Chef des Zentralrats der Katholiken und Chef des Bauiernverbandes. Wenn nicht, organisiere ich die Konterrevolution!
beobachter999 02.04.2012
3. .
Zitat von sysopdapd"Die Partei" hat neue Ehrenmitglieder gewonnen - gleich mehrere Bundestagsabgeordnete der Linken. Der Vorsitzende Martin Sonneborn plant nun die Fusion mit Lafontaines Mannschaft, später will er auch die Piraten kapern. Ein satirisches Enthüllungsinterview. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,824849,00.html
Also ich werde "Die Partei" wählen. Als Deutschen liegt mir ja die bedingungslose Unterordnung unter den Willen einer Partei im Blut, fragen sie mal die vielen arbeitslosen Soziologen, die wissen es. Und ich finde die Anzüge schick!
ArnoNuem 02.04.2012
4. Anzug für alle!
Zitat von beobachter999Also ich werde "Die Partei" wählen. Als Deutschen liegt mir ja die bedingungslose Unterordnung unter den Willen einer Partei im Blut, fragen sie mal die vielen arbeitslosen Soziologen, die wissen es. Und ich finde die Anzüge schick!
Ja, die sind wirklich sehr kleidsam; bekommen wir die dann auch ALLE auf Partei- äh, Staatskosten?
cabrioheinz 02.04.2012
5.
Zitat von ArnoNuemJa, die sind wirklich sehr kleidsam; bekommen wir die dann auch ALLE auf Partei- äh, Staatskosten?
Na klar! Wenn's mit dem Zugriff auf die SED-Millirden geklappt hat, sind die 49 Euronen für diese formschönen C&A-Polyesterteile für jeden Bundesbürger drin. Nicht nur für PARTEI-Mitglieder. Genauer gesagt, für jeden Wessi. Denn nach der Machtergreifung sind wir die Ossis ja dann wieder los.
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