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Interview zur DDR-Vergangenheit: Merkel neigt zu Vorratskäufen

Soljanka, "Kaufhalle" statt Supermarkt, ein Hang zu Vorratskäufen: Deutschland ist beinahe 20 Jahren wiedervereint - die Kanzlerin pflegt immer noch Gewohnheiten aus ihrer DDR-Zeit. Wie der Sozialismus auch heute in ihrem Alltag nachwirkt, darüber plaudert Merkel jetzt in der "Super-Illu".

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dapd

Kanzlerin Merkel: "Der Hang zur Vorratshaltung steckt tief in mir drin"

Berlin - Angela Merkel spürt ihre DDR-Vergangenheit noch immer im Alltag - manche Einschränkungen, die es im sozialistischen Teil Deutschlands gab, wirken bei der Kanzlerin nach. "Mir geht es manchmal noch so, dass ich etwas kaufe, weil ich es gerade sehe, ohne es in dem Moment wirklich zu brauchen", sagte Merkel in einem am Montag vorab veröffentlichten Interview der Zeitschrift "Super Illu".

"Dieser Hang zu einer Form von Vorratshaltung steckt tief in mir drin, weil man früher in der Mangelwirtschaft genommen hat, was man kriegen konnte."

Kulinarisch hält die Kanzlerin immer noch an Gerichten aus der DDR fest: Bei ihr stünden nach wie vor typische Speisen wie Soljanka, Schaschlik und das ungarische Gericht Letscho auf dem Tisch.

Und noch andere Gewohnheiten habe sie beibehalten, sagte die Kanzlerin. Sie spüle mit einer aus DDR-Zeiten bekannten Geschirrspülmarke und trinke ihren Kaffee nach wie vor türkisch.

Auch der Begriff Kaufhalle habe noch sehr lange zu ihrem aktiven Wortschatz gehört. "So etwa seit dem 15. oder 16. Jahr der Deutschen Einheit kommt mir das Wort Supermarkt lockerer über die Lippen", sagte Merkel.

anr/DAPD

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Parteienystem der DDR
Parteienbildung nach 1945
Die Sowjetische Militäradministration ließ mit ihrem Befehl Nr. 2 vom 10. Juni 1945 zwar schon frühzeitig die Bildung von Parteien zu (die KPD, die SPD, die CDU und die LDPD). Sie tat dies jedoch vor allem, um die Richtung der Parteien von vornherein steuern zu können. Nachdem es kurzfristig so ausgesehen hatte, als könnten die Kommunisten einen eigenständigen deutschen Weg zum Sozialismus einschlagen, wurde jedoch bald deutlich, daß die sowjetische Führung nicht willens war, in ihrer Besatzungszone Parteien mit unterschiedlichen Konzeptionen zu dulden.

Zwangsvereinigung von KPD und SPD
Im April 1946 kam es zur Zwangsvereinigung von KPD und SPD. Die neue Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) errang dank der sowjetischen Besatzungsmacht allmählich ein Machtmonopol. Die beiden anderen Parteien - die CDU und die LDPD - verloren ihre Eigenständigkeit. Der abgesetzte Vorsitzende der CDU Jakob Kaiser ging in den Westen; der konzessionsbereite Vorsitzende der LDPD Wilhelm Külz verstarb 1948.

In jenem Jahr wurden von der SED zwei weitere Parteien gegründet: die Demokratische Bauernpartei Deutschlands (DBD) und die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NDPD).

Blockparteien
Bis 1989 waren die Christliche Demokratische Union der DDR (CDU), die Demokratische Bauernpartei Deutschlands (DBD), die Liberale Demokratische Partei Deutschlands (LDPD) und die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NDPD) mit der Sozialistischen Einheitspartei (SED) im Demokratischen Block zusammengeschlossen. Als Blockparteien waren sie sowohl in der Volkskammer als auch in der Regierung vertreten - hatten jedoch nahezu keinen politischen Einfluss.

Die Bedeutung der Blockparteien, die die Führungsrolle der Kommunisten anerkannten, erwies sich für die SED als ambivalent. Einerseits schirmten sie deren Herrschaft ab, andererseits hatten sie auch für diejenigen eine Nischenfunktion, die sich der SED entziehen wollten.

Nationale Front
In der Nationalen Front der Deutschen Demokratischen Republik, die jeweils eine Einheitsliste für die Wahlen aufstellte, waren sämtliche Parteien zusammen mit den Massenorganisationen vereinigt. Zu ihnen gehörten der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund (FDGB), die Freie Deutsche Jugend (FDJ), der Demokratische Frauenbund Deutschlands (DFD), der Kulturbund der DDR (KB) sowie die Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe (VdgB). Diese Massenorganisationen sollten die Bürgerinnen und Bürger der DDR ideologisch erfassen, für die Ziele der SED gewinnen und letztlich auch kontrollieren.

Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung


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