Auch vor seinem Rücktritt wollte Karl-Theodor zu Guttenberg sein Amt als Verteidigungsminister offenbar nicht bis zum Ende der Legislaturperiode ausüben. Er habe seiner Frau "mal versprochen, nach zehn Jahren aufzuhören. Und ich habe der Bundeskanzlerin Ende letzten Jahres angekündigt, dass ich wahrscheinlich vor Ende der Legislaturperiode aufhören werde", sagt Guttenberg in seinem Interviewbuch "Vorerst gescheitert", das kommende Woche erscheint und dem Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL vorliegt.
Zudem beklagt sich der ehemalige Verteidigungsminister über die politische Ahnungslosigkeit anderer Politiker. Er sei fasziniert von der "erschütternden Unkenntnis bis in die politischen Spitzen hinein, was Mechanismen, Regeln und Abläufe internationaler Kapitalströme anbelangt", so Guttenberg. Den Zustand der Bundeswehrreform, die Guttenberg zwar angestoßen, dann aber wegen seines Rücktritts unerledigt gelassen hatte, verteidigt der CSU-Politiker. In dem Interviewbuch rühmt er sich, sein Nachfolger Thomas de Maizière habe seine Reformpapiere "nahezu vollständig übernommen".
CSU-Chef Horst Seehofer hat den ehemaligen Verteidigungsminister und Parteiliebling Karl-Theodor zu Guttenberg wegen der Inszenierung seines Comebacks schwer gerügt.
"Ich erkenne an dem Auftritt von Karl-Theodor zu Guttenberg und an dem Interview viel von seiner Persönlichkeitsstruktur wieder. Diese Art und Weise, andere herabzusetzen, um sich selbst zu erhöhen, geht so aber nicht", sagte Seehofer dem Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL.
Insbesondere verwahrte sich Seehofer gegen Guttenbergs Kritik am Kurs bei der Euro-Rettung und am Zustand der CSU. "Wenn Karl-Theodor zu Guttenberg die Regierung wegen der Euro-Rettung kritisiert, darf ich ihn daran erinnern, dass er bis vor acht Monaten als Bundesminister Teil dieser Regierung war und diese Maßnahmen mit vertreten hat", sagte Seehofer. "Wenn er jetzt den Kurs der CSU kritisiert, darf ich ihn daran erinnern, dass er bis vor acht Monaten Bezirksvorsitzender dieser CSU war, das ist eines der höchsten Ämter, die diese Partei zu vergeben hat. Da habe ich nichts vernommen davon, dass der Charakter der CSU als Volkspartei gefährdet sei. Dieses Spiel, ich spreche direkt zum Volk, das geht doch so nicht", kritisierte CSU-Chef Seehofer.
Auch Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) kritisierte Guttenbergs Auftreten. "Ob er sich mit seinem Auftritt in Kanada einen Gefallen getan hat? Eigentlich hat Karl-Theodor diese Fundamentalkritik an der europäischen Politik doch gar nicht nötig", sagte Aigner.
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