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Ausbildungsmission im Nordirak: BKA warnt Bundeswehr vor deutschem Islamisten

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BKA-Warnhinweis zu Asif N.: Kräftig, braune Augen, schwarze Haare

Deutsche Sicherheitsbehörden fürchten einen Selbstmordanschlag auf ein Camp der Bundeswehr im Nordirak. Im Verdacht steht nach Informationen von SPIEGEL ONLINE ein Mann aus Hamburg.

Droht der Ausbildungsmission der Bundeswehr im nordirakischen Arbil ein Selbstmordanschlag? Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE warnt das Bundeskriminalamt (BKA) dort mit einem Aushang vor dem aus Hamburg stammenden Dschihadisten Asif N., 20.

"Terrorismus" steht in großen Buchstaben auf dem Plakat. Unter zwei Fotos des Islamisten ist notiert: "Die abgebildete Person ist verdächtig, terroristische Anschläge zu planen." Es folgen die Personenbeschreibung (kräftig, braune Augen, schwarze Haare) und der Hinweis, dass N. Schussverletzungen erlitten habe. Eine Sprecherin des BKA wollte sich auf Anfrage nicht zu dem Warnhinweis äußern.

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE erhielt der Staatsschutz des Hamburger Landeskriminalamts (LKA) im Spätherbst Hinweise darauf, dass N. einen Selbstmordanschlag planen soll. Offenbar sagte der verwundete Dschihadist in abgehörten Gesprächen mit Kontaktpersonen in Deutschland, dass er sich als Märtyrer für die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) opfern wolle.

Im Sachgebiet 722 des LKA wurde bereits vor mehr als einem Jahr ein Ermittlungsverfahren gegen N. wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat eingeleitet. Inzwischen hat sich der Generalbundesanwalt eingeschaltet. Er verdächtigt Asif N., der sich Abu Mumin nennt, der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung im Ausland.

Martialische Posen mit Kalaschnikow

Angehörigen von N. war seinerzeit aufgefallen, dass sich der junge Mann über eine Dauer von drei Jahren immer weiter radikalisiert hatte. Doch ehe die Behörden einschreiten konnten, reiste Asif N. im September 2014 nach Syrien aus. Seiner Mutter schickte er Bilder aus dem Kriegsgebiet. Es waren die üblichen Selfie-Motive der selbsternannten Gotteskrieger, martialische Posen mit Kalaschnikow und IS-Flagge, dazu die Hinweise, er wolle für Allah kämpfen und es gehe ihm gut. Später wurde er jedoch bei einem Gefecht schwer verletzt: Kugeln trafen N. in Rücken und Beine.

Dass sich verwundete Dschihadisten in die Luft sprengen, folgt der perversen Logik des IS, in der ein geschwächter Kämpfer keinen Wert mehr für die Organisation hat. Robert B. aus Solingen soll der erste Deutsche gewesen sein, der sich für den IS opferte, später sprengten sich unter anderem der Dinslakener Philip B. und die Zwillinge Kevin und Mark K. in die Luft. Sie rissen Dutzende Menschen mit in den Tod.

Der IS greife bei Selbstmordanschlägen in Syrien und dem Irak besonders häufig auf Ausländer zurück, weil "diese Männer hochgradig ideologisch motiviert sind und lokal nicht verankert" seien. So erklärte der Terrorforscher Peter R. Neumann das Phänomen vor einiger Zeit im Interview mit SPIEGEL ONLINE. "Selbstmordattentate sind militärisch sinnvoll. Sie können mit vergleichsweise wenig Aufwand großen Schaden anrichten und verbreiten zugleich extreme Furcht", so Neumann. Auch einer der Selbstmordattentäter von Paris, der Franzose Bilal Hafdi, soll zuvor in Syrien gewesen und dort verletzt worden sein.

"Viele der jungen Leute, die Richtung Syrien ausgereist sind, sind sich offenbar immer noch nicht klar darüber, dass sie dort nur als Kanonenfutter eingesetzt werden", sagte der Chef des Bundesamts für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, im Sommer SPIEGEL ONLINE. "Die Nachrichtendienste wissen mittlerweile von über 20 Selbstmordattentätern, die auf diese Weise vom IS verheizt wurden."

Bislang ist unklar, wo sich Asif N. genau aufhält und wo er womöglich zuschlagen will. Die deutschen Sicherheitsbehörden vermuten ihn in Syrien. Doch einen Anschlag könnte er auch an anderer Stelle in der Region begehen.

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Regierungschef: Haidar al-Abadi

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