Irak-Krieg: BND meldete den Amerikanern auch Truppenbewegungen

Der Bundesnachrichtendienst hat den USA im Irak-Krieg auch militärische Informationen geliefert. Die deutschen Spione meldeten den Amerikanern zum Beispiel Truppenbewegungen und die Position von Verteidigungsstellungen. Im Gegenzug informierten die Amerikaner den BND über den Kriegsverlauf.

Hamburg - In der BND-Zentrale drängten die Amerikaner nach SPIEGEL-Informationen unablässig auf Zugang zu den als höchst nützlich betrachteten Daten der Deutschen. Zumindest in Einzelfällen sollen die USA über den BND auch Aufklärungswünsche an das Agententeam übermittelt haben: So interessierte sich die US-Armee für den Zustand der angeblich mit Benzin gefüllten Gräben rund um Bagdad.

Bombardierung von Mansur: Amerikaner dankten für die Informationen
AP

Bombardierung von Mansur: Amerikaner dankten für die Informationen

Ehemalige US-Militärs bestreiten allerdings, dass der BND die Zielplanung der Amerikaner "direkt unterstützt" habe. Die Deutschen hätten oftmals überhaupt nicht gewusst, wofür ihre Informationen im Einzelnen genutzt wurden.

Im Gegenzug für die Hilfe übermittelten die US-Geheimdienste dem BND Informationen über den Kriegsverlauf, die der deutsche Auslandsgeheimdienst für seine Lageberichte an die Bundesregierung nutzte. Weil die Informationen des BND als wertvoll angesehen wurden, bedankten sich hochrangige Beamte der Bush-Administration und Generäle des Pentagon nach dem Krieg mehrfach für die Unterstützung.

Der BND hatte den Plan, einen eigenen Aufklärungstrupp in das Kriegsgebiet zu entsenden, im Oktober 2002 entwickelt und in enger Absprache mit Frankreich vorangetrieben. Die endgültige Entscheidung, die beiden Geheimdienstler in Bagdad zu belassen, fällten das Kanzleramt und das Auswärtige Amt am 17. März, drei Tage vor Kriegsbeginn.

Beide waren ausgebildete Soldaten

Bei beiden Männern handelt es sich um ausgebildete Soldaten. Volker H. ist ein jüngerer Beamter mit kurzgeschorenen Haaren und einer Nickelbrille. Der andere ist ein erfahrener BND-Mann namens Reiner M. Beide sind ausgebildete Soldaten. Er ist ein unauffälliger Mittvierziger, Seitenscheitel, Brille, verheiratet.

Der deutsche Chefdiplomat im Irak, Claude Robert Ellner, empfing das Duo und führte es in der Botschaft ein. Als Ellner und die Diplomaten Bagdad am 17. März verließen, begleitete das BND-Kommando den deutschen Konvoi in einem Mercedes-Geländewagen bis an die Stadtgrenze Bagdads. Dort verabschiedeten sich die Männer und drehten um. An dem Tag war die Entscheidung gefallen: Sie sollten in Bagdad bleiben.

Die deutschen Agenten waren zumindest zeitweise in der französischen Botschaft in Bagdad untergebracht und arbeiteten eng mit ihren dortigen Kollegen zusammen. Die Informationen aus Bagdad übermittelten die Beamten mit Hilfe eines verschlüsselten Satellitentelefons. Die Amerikaner seien über die Existenz und den Aufenthaltsort der Agententruppe informiert worden, um eine versehentliche Bombardierung zu verhindern. Allerdings liefen alle offiziellen Kontakte über die BND-Zentrale.

Der BND bestätigte inzwischen eine Fahrt am Nachmittag des 7. Aprils in den Bagdader Stadtteil Mansur, nachdem die US-Luftwaffe einen vermeintlichen Aufenthaltsort Saddam Husseins bombardiert hatte. Allerdings seien die beiden BND-Beamten nur alarmiert worden, weil bei dem Luftangriff auch die Unterkunft des früheren BND-Residenten beschädigt worden war. Es seien keine "Zieldaten" an die Amerikaner weitergeleitet worden.

Politiker von Grünen und FDP forderten unterdessen Außenminister Frank-Walter Steinmeier zum Rücktritt auf, falls der BND Informationen über Ziele geliefert habe, die angegriffen wurden. Steinmeier (SPD) verteidigte die Weitergabe von BND-Informationen und lehnte einen Rücktritt ab: "Diese Frage stellt sich nicht." Der BND habe sich an die Maßgabe der Politik gehalten, die gelautet habe: "Keine aktive Unterstützung von Kampfhandlungen im Irak", sagte er der "Bild"-Zeitung.

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